Mittwoch, 8. April 2009

Go West - VIa: Melting Pot Lanzhou

Wie schoen, dass es Lonely Planet Reisefuehrer gibt!

Ich zitiere: "... there's little reason to linger any longer [in Lanzhou] than it takes to extend your visa."

Zeilen wie diesen verdanke ich es, dass ich heute vollkommen relaxt, ohne jede Spur von Touristen oder Sight-Seeingenden Menschenmassen eine faszinierende Stadt erkunden durfte.

Lanzhou'ische Gmiatlichkeit
Es gibt eine unerwartete Gemeinsamkeit zwischen Lanzhou und Hadersdorf-Weidlingau: Man ist hier irgendwie unheimlich g'miatlich unterwegs ... und das ist bei einer Stadt von drei Millionen Einwohnern durchaus nicht selbstverstaendlich. (Also ... Lanzhou mein ich jetzt. Nicht Hadersdorf-Weidlingau.) Es gibt kein Gedraenge in den Strassen, die Menschen hier sind auf eine sehr ruhige Art ausgesprochen freundlich - und selbst die Automotoren sind wesentlich leiser als in allen anderen chinesischen Staedten, die ich bisher besucht habe.

Ein Stadtbummel - und ungewohnte Laute
In der Stadt wechseln blitzsaubere, ultramoderne Strassen voll architektonisch interessanter Wolkenkratzer mit zwar heruntergekommenen aber doch sehr charmanten, unbefestigten Gaesschen, in denen Strassenverkaeufer so ziemlich alles anbieten, was man sich vorstellen kann (und noch einiges anderes).

Ich lege meine mittlerweile schon ueblichen etwa 20 Tageskilometer zu Fuss zurueck, und teils besteige, teils beseilbahne ich sowohl die noerdliche als auch die suedliche Bergkette, von wo aus man grossartige Ausblicke auf diese Stadt mit ihrer unwirklichen Lage im Tal des gelben Hoangho-Flusses hat. Ich hoere gruselige Laute - zunaechst von der Amateurdarbietung einer chinesischen Oper unter freiem Himmel im Park, dann vom Opfer eines weiss bebaerteten Akupunkteurs, das mitten auf der Strasse zehn Zentimeter lange Nadeln durch die Hose in seine Beine gestochen bekommt.

Gelebtes Multi-Kulti
Auf dem Gipfel eines der Berge geniesse ich in vollkommener Ruhe in einer kleinen Taverne direkt unter der "Weissen Pagode" aus der Zeit Dschingis Khans eine lokale Spezialitaet: den San Pao Tai Tee - eine extrem schmackhafte Mischung aus Gruentee, Kandiszucker sowie ebenso farbenfrohen wie abenteuerlichen Fruechten, Blueten und Gewuerzen, die in dem Glas herumschwimmen.

Beim Abstieg zum Fluss stosse ich auf einen Tempel. Und als ich drei traditionell gekleideten Tibetern beim Verneigen vor einer grossen Buddhastatue zusehe, hoere ich den Muezzin vom Minaret einer Moschee gegenueber das "Allahu Akhbar" singen, waehrend unten im Tal eine christliche Kirche auch nicht wirklich ein Problem mit dieser oekumenischen Herausforderung zu haben scheint. Auf der Strasse bummeln die unterschiedlichsten Minderheiten kreuz und quer, kaufen Schafsuppe beim Hui-Verkaeufer, dann beim Uighuren Grillspiesse, um sich schliesslich in einem tibetischen Geschaeft mit Raeucherstaebchen einzudecken.

Saurier und Seidenstrasse
Den Nachmittag verbringe ich mit einem Pflichtbesuch in einem kleinen aber feinen taoistischen Tempel und dem grossartigen Museum der Provinz Gansu, in dem abwechslungsreich praesentierte Ausstellungen mit Modellen, Animationen, Fossilien und Kunstgegenstaenden die gesamte Geschichte Gansus illustrieren: von Saurierskeletten in der palaeontologischen Abteilung, ueber die 8000 Jahre alten, weltweit aeltesten bemalten Toepfereiwaren bis hin zu Kunstgegenstaenden aus der 2000 Jahre langen Geschichte der Seidenstrasse.

Damit habe ich sowohl alle groesseren Sehenswuerdigkeiten Lanzhous abgegrast als auch viel von der Atmosphaere dieser Stadt aufgesogen. Ausserdem habe ich hiermit erfolgreich ein unlustiges Posting im Stil des Deutschaufsatzes eines durchschnittlich begabten Gymnasiasten verfasst - und kann mich somit auf meine Weiterfahrt und damit das Erreichen meines groessten Ziels hier in China vorbereiten: die Provinz Qinghai!

(Zum sechsten Mal den Rucksack packen *hmpf*.)

4 Kommentare:

_mathilda_ hat gesagt…

Gehören Aufsätze im Stil eines durchschnittlich begabten Gymnasiasten zu deinen Vorsätzen? Falls ja: Gschieht dir recht mit dem Rucksackpacken! Sträuben möge er sich! *gg*

Ansonsten: es lebe der Individualtourismus - macht doch viel mehr Spaß, als sich mit Massen durch die Straßen zu wälzen.

rudolfottokar hat gesagt…

nachdem es da, wo es angeblich nicht interessant ist, offensichtlich doch interessant ist, wünsche ich dir, dass es bei deinem "großen ziel" nicht umgekehrt ist!
(aber nein - wird scho passn)

Etosha hat gesagt…

linger any longer... :) Gefällt mir. Müssma mal einen Song draus machen.
LG
Etosha undlysa (wer immer das ist ;)

ClemmieInChina hat gesagt…

@mathilda: neiiiin ... habe nur bemerkt, wenn ich hier ganz viel beeindruckt bin, dann schwaerme ich mehr als mich gewaehlt auszudruecken oder gar lustig zu sein. aber das passt schon so ^^

@rudolf: aber nein, aber nein. folgendes: "Xining serves as a stopover for foreigners travelin to Tibet ... the city itself is not the most aesthetic ..." - das meint mein reisefuehrer, also auch hier keinerlei erfolgsdruck ^^

@etosha: wopbabalubabawapbambuuuuu ]:D.

sanfules!