Montag, 23. März 2009

Bayers beste Bettchen-Bücher

Von unseren deutschen Freunden wissen wir: Ein Titel – egal wofür – ist gleich mindestens dreimal so lustig, wenn er alliteriert. Daher dieser beschwingt-kreative Einstieg.

Zur Sache.

Ich stehe dazu: Ich bin in China - und lese trotzdem fast täglich ganz fad alleine in meinem Zimmer in irgendeinem Buch (oder in zweien). Natürlich lese ich dabei selten Chinesisch – einzige konsistente Ausnahme sind die Speisekarten diverser Restaurants und das Kinderbuch „Pan Gu erschafft die Welt“ (盘古开天). Nichtsdestomehr nennt China netterweise eine Unmenge an Büchergeschäften vom Ausmaß mehrerer Kleinstädte sein eigen (ihr eigen? Frau oder Herr China?), und in diesen Geschäften gibt es des öfteren fremdsprachige Abteilungen, in welchen auch Übersetzungen chinesischer Autoren breiter Raum eingeräumt wird. (Wortwiederholung. Immer schon einer meiner häufigsten stilistischen Stilfehler gewesen. Neben falsch gesetzten Beistrichen, übrigens.)

Dies schreibe ich nicht in der Absicht, das Internet vollzufüllen, damit endlich eine Ruh’ ist mit dem Geposte, sondern weil ich jetzt dann gleich meine Leseliste veröffentlichen werde. Fragts mich nicht warum, ich weiß es selbst nicht – aber mir ist gerade danach.

Es folgt also eine Aufstellung jener Bücher, die ich seit September 2008 hier in China las – und meine diesbezüglichen Empfehlungen. Hallali.

Bruno Baumann: Die Wüste Gobi
Herr Baumann ist Erlebnisreisender vom Schlage „Im Handstand Freudeschönergötterfunken rülpsend durch den Himalaya“. Und ganz entsprechend dieser Veranlagung geht er uns in diesem Buch mit immer neuen Reflexionen auf die Nerven, wie verdammenswert doch alles Touristische in dieser Welt sei, und wie hoch zu preisen seine eigene zu-Fuß-Durchquerung des ganz, ganz schlimmen Teils der Wüste Gobi. Sprachlich stets gekonnt balancierend zwischen Maturaaufsatz und Weiterbildungskurs „Poetisch Schreiben für Legastheniker“, eröffnet dieses Buch mehr Einblicke in Brunos Seele als in die eigentliche Wüste. Liest sich aber trotz allem recht unterhaltlich.

Dirk Sager: Berlin – Saigon
Es muss etwas Deutsches sein, dieses Durchqueren-von-Gegenden-und-dann-drüber-schreiben. (Ok, ich tu’s ja auch. Nur halt in der Sparvariante. Aber als Österreicher bin ich ja auch nur so was wie ein Spar-Deutscher.) Dieser Herr tut’s auch, allerdings mit dem Zug und gut geschrieben (wenn auch etwas altertümelnd). Man erfährt dabei viel über so exotische Gegenden wie Berlin oder Kasachstan.

Douglas Adams: Das Restaurant am Ende des Universums
Douglas Adams: Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Eine vielgepriesene Trilogie, deren erster Teil mich eher enttäuscht hat. Nur logisch, dass ich mich daraufhin auch noch den o.a. Teilen zwei und drei hingeben musste. Und gut war’s. Selten so einen himmelschreienden Quargel gelesen – und das meine ich hier als großes Kompliment!

Qiu Xiaolong: Schwarz auf Rot
Der dritte Teil von Herrn Qius Krimiserie über einen Polizei-Inspektor in Shanghai. Wirklich sehr zu empfehlen: spannend, gut geschrieben, unterhaltsam – und dieser Teil spielt noch dazu teilweise in der Fudan-Universität!

Yu Hua: Chronicle of a Blood Merchant
Yu Hua: Cries in the Drizzle
Einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren – und seine zwei bekanntesten Bücher. Während aber den meisten Chinesen Elfriede Jelinek, Hermann Hesse oder Max Frisch durchaus geläufig sind, kann man selbiges von uns Deutschsprachigen umgekehrt nicht erwarten – so kannte auch ich diesen Autor vor meinem China-Aufenthalt nicht.
Beide Bücher beschreiben das Leben fiktiver Durchschnittsmenschen in chinesischen Dörfern vor, während und nach der Kulturrevolution in erschreckender Härte – und gleichzeitig ebenso wunderbarer wie ungewohnter, poetischer Sprache. Sehr, sehr empfehlenswert.

Ha Jin: Waiting
Ein weiterer, ebenso wichtiger zeitgenössischer Autor – und ein Buch, das vielleicht sogar noch empfehlenswerter ist. Im Prinzip eine Liebesgeschichte, was ich sonst eher pfui finde, und ebenfalls vor dem Hintergrund der Kulturrevolution. Sehr berührend, schockierend, spannend, humorvoll – dieses Buch hat einfach alles. Außer Bilder zum Ausmalen. Sehr schade.

Haruki Murakami: The Wind-up Bird Chronicle
Hochgelobt von allen Seiten wollte ich einmal wissen, warum mir die Werke dieses Mannes irgendwie unsympathisch waren, noch bevor ich irgendeines gelesen hatte. Jetzt weiß ich es. Die erste Hälfte ist ein wenig prätentiös, liest sich aber wirklich gut. Die zweite Hälfte bringt dann eine Steigerung: Es wird noch prätentiöser. Irgendwie ein bisschen hau-drauf-poetisch und hau-ruck-ausgefallen. Nicht so ganz mein Ding – aber vielleicht liest es sich im japanischen Original ja auch völlig anders.

Paulo Coelho: The Alchemist
Ein zweiter Autor, der mir vom Hörensagen unsympathisch war. Und hier muss ich haufenweise Oxidationsrückstände manuell ins Haupthaar einarbeiten, denn dieses Buch ist in all seiner Schlichtheit wirklich wunderschön. Fand ich halt. Außerdem grinst der Herr Coelho auf dem Umschlagsfoto so nett.

J. D. Spence: Emperor of China - Self Portrait of Kang-Hsi
Das ist interessant: In jahrelanger Kleinarbeit hat irgendsoein amerikanischer Historiker aus Originalbriefen, -schriften und wahrscheinlich auch Talkshow-Mitschnitten eine Autobiografie des berühmten Qing-Dynastie-Kaisers Kang-Hsi (Mitte 17. – Anfang 18. Jhd.) erstellt. Man kann also dem Kaiser von China gewissermaßen beim Regieren zusehen. Faszinierend.

Wu Ch’eng-en: A Journey to the West
Einer DER Klassiker der chinesischen Literatur, vergleichbar vielleicht der "Odyssee" (nur halt aus dem 16. Jahrhundert). Inhaltlich eine Allegorie auf den taoistisch-buddhistischen Weg zur Erleuchtung, hindert das den Schinken nicht im geringsten daran, unheimlich zu fetzen. Sehr lustig ]:).

Momentan lese ich gerade den 1.100-Seiten-Wälzer „The Pillars of the Earth“ – hochbekannter Bestseller der historischen Unterhaltungsliteratur um den Bau einer Kathedrale im mittelalterlichen England. Lässt sich gut an – wenn’s so bleibt, rehabilitiere ich auch Ken Follett unbekannterweise vor meinem gestrengen, inneren Gericht. Da freut er sich sicher.

PS: Buchkritiken sind für mich etwas prinzipiell Unfaires … jemand, der selbst zumeist noch nicht einmal ein wirklich schlechtes Buch zusammengebracht hat, maßt sich an, über Werke ihm völlig unbekannter Personen ein letztlich doch nur seinen eigenen Geschmack als Maßstab anwendendes, zumeist aber dennoch allgemeingültig formuliertes Urteil abzugeben.

Deshalb schreibe ich auch keine. Dies ist nur meine Leseliste – und meine persönlichen Meinungen.

10 Kommentare:

_mathilda_ hat gesagt…

Ich zitiere: "dieses Buch hat einfach alles. Außer Bilder zum Ausmalen. Sehr schade." - Tja, und an diesem Punkt gab es für mich kein Weiterlesen mehr, weil die Zwerchfellaktivität alle anderen Aktionen im Hirn einfach lahmgelegt hat. Eventuell bin ich präkoffeiniert leicht zu erheitern. Oder aber der Humor des Autors ist mit meinem einfach kongruent. However: DANKE!
Die Oxidationsrückstande im Haupthaar kannst im Übrigen wieder ausbürsten, denn du hast ja selber bereits erkannt, wie subjektiv das alles ist.
Ich fand "Die Säulen der Erde" auch lesenswert, aber der Tenor der meisten, die das Buch in Angriff genommen hatten, singt eine Arie auf die Langatmigkeit des Buchs. Ist halt kein literarisches Fastfood, der liebe Ken.

rudolfottokar hat gesagt…

schön.
(hätt nicht gedacht dassd so viel zeit zum lesen dazu hast)
da steht "stsmal" - hm.
ich glaub steirische musik passt da nicht so ganz...

rudolfottokar hat gesagt…

bitte das "dazu" streichen...

Anonym hat gesagt…

"Die Säulen der Erde" sind Wöööööööööd!!! Ich les' grad "Die Tore der Welt", die Quasi-Fortsetzung... Mittelalter at it's best ;-)))

Busserl, Oida!!! *G*

viv hat gesagt…

ich lese bettchen und bin schon da. :) scherzerl am rande. du liest sicher auch beim herumspazieren gel, weil wie geht sich dass sonst aus...
liebe grüße viv

_mathilda_ hat gesagt…

Ich glaub, die Zeit für die Bücher stiehlt er sich beim Blog :D Denn nicht mal die Kommentare zu kommentieren sieht Clemens nicht wirklich ähnlich. Oder, die von mir präferierte Variante, er arbeitet mit Hochdruck am nächsten Eintrag, und hat drum keine Zeit zu kommentieren ;)

ClemmieInChina hat gesagt…

nur mal langsam, nur mal langsam ... morgen geht's los mit der großen Reise, danach Midterm-Exams, unsere Grammatik-Professorin bildet sich ein, dass wir zwei antike Chineische Gedichte pro Woche auswendig lernen müssen - und dazu noch Organisatorisches ohne Ende. Da darf man doch mal zwei Tage lang nicht kommentieren, oder? ];)

jeeedenfalls: klar hab ich zeit zum lesen - die hab ich immer. mindestens eine halbe stunde pro tag vor dem einschlafen ist pflicht. und da kommt dann halt schon ein bissl was zamm.

ansonsten ... ach was, ich werd das einfach bloggen - ist ja blöd, hier die kommentare vollzufüllen ]=).

bis dahin: ephona! (sehr hübsch)

_mathilda_ hat gesagt…

Dürfen tust eh alles. Ich wollt nur bisserl provokativ sein ;)

Etosha hat gesagt…

Nagöh, Murakami find ich geil, und gar nicht prätentiös. Der kann dir fünf Seiten lang erzählen, dass er drei Tage lang eigentlich gar nichts gemacht hat, und es ist immer noch spannend. Die besten Romane von Murakami sind meiner Meinung nach "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" und "Kafka am Strand". Ersterem solltest du unbedingt eine Chance geben, eine düstere, verwirrende Geschichte, enthält und erfordert viel Phantasie.
(Bin wieder zurück, übrinx. ;)

ClemmieInChina hat gesagt…

ah ... man sollte die kommentare nicht von hinten nach vorn lesen. welcome back, toshi! ^^

dem statement, dass murakami 5 seiten lang erzaehlen kann, dass er nichts gemacht hat, stimm ich zu. dass das interessant ist, weniger ];-). nein, ich fands eh nicht schlecht ... nur ein bissl wollte-gern fuer meine begriffe. aber ueber geschmack kann man ja so wunderbar streiten ^^