Montag, 10. November 2008

Huangshan - 13 Stunden zum Gelben Berg

Dem willigen Reisenden stehen mannigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung, um von Shanghai zum "Huang Shan" - den berühmten "Gelben Berg" - zu gelangen.

Da gibt es einmal den Schnellbus. Er ist die billigste Variante und benötigt etwa sechs Stunden für eine Strecke, die grob jener von Wien nach München entspricht.

Dann gibt es den Schnellzug. Er ist natürlich teurer, braucht aber auch nur fünf Stunden.

Und dann wäre da noch die Heckenbrunzer-Variante: Dabei plagt sich eine freundliche Töff-Töff-Lok über Nacht geschlagene 13 Stunden lang dem Ziel entgegen, hält bei allem, was auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Haus hat, und ist dabei sogar noch etwas teurer als der Bus. Wahre Freunde der gepflegten Qual verschärfen diese noch durch den Kauf einer "Hard Seater" Fahrkarte; diese stellt sicher, dass die 13 Stunden eingezwickt auf engstem Raum und härtesten Sesseln eine möglichst große Herausforderung an sämtliche Gelenke und Sitzmuskeln darstellen. (Denn ein Schlafabteil mieten kann ja nun wirklich jeder.)

Der erfahrene Leser meines Blogs ahnt natürlich bereits, für welche Variante sich Irene, Nick und ich entschieden, um diese eine der schönsten Naturregionen Chinas zu erreichen.

Huangshan - man kann nie genug davon haben
Mit schmerzendem Körper und bleiern müde von zwei durchwachten Nächten, mit einer harten Bergtour mittendrin, schreibe ich also diese Zeilen und bitte um Nachsicht, falls dies gewisse Auswirkungen auf die Qualität des Eintrags haben sollte. Aber die Bilder sprechen ohnehin für sich selbst; bringen wir also das Bla-Bla rasch hinter uns und widmen uns dann gemeinsam der bunteren Seite der Reise.

Huangshan ist ein Berg. Oder eigentlich eher eine ganze Region voller Berge. Alle um die 2.000 Meter hoch und relativ unberührt, sind sie die Zierde von Anhui, der ärmsten Provinz Ostchinas, und ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Huangshan ist auch eine mittelmäßig attraktive Kleinstadt, die etwa 50 Kilometer von erwähnter Bergregion entfernt liegt. Das fanden wir zur großen Verblüffung aller Beteiligten natürlich erst heraus, als wir nach oben erwähnter Marterfahrt aus dem Bahnhof von ebendieser Stadt wankten.

Annäherung an den Berg
Um eine etwas langwierige Operation kurz zusammenzufassen: Nach einer seitens lokaler Kleinunternehmer gezielt auf uns durchgeführten Transport-Keilerattacke sowie harten Preisverhandlungen, ließen wir uns ebenso willig wie physisch am Ende zu einer Kleinbusfahrt in einen Ort direkt in der gewünschten Bergregion überreden, wo wir dann auch bald Unterkunft für eine Nacht in einem sehr günstigen Hostel fanden.

Dieser Ort, "Tangkou" (wörtlich: "Suppenmund"), konnte - so stellten wir nach Ankunft fest - nicht nur mit beeindruckender Trostlosigkeit aufwarten und hatte das mit Abstand schlechteste Essen in ganz China anzubieten, nein, er war auch immer noch kilometerweit vom eigentlichen Wandergebiet entfernt. Diese freudige Entdeckung machten wir, als wir - frohgemut mit Rucksack, Wanderausrüstung und viel zu wenig Proviant bewaffnet - gegen Mittag zu unserer Bergtour aufbrechen wollten.

Der erste Tag: Lokale Dihydrogeniumoxid-Gravitationsphänomene
Nun ist es so, dass wir ja zwei Tage zur Verfügung hatten. Unsere Ankunft in erwähntem Bergkaff erfolgte Samstag Mittag - und zwar in tiefstem Nebel- und Regenwetter. Da es für eine Bergwanderung also schon etwas spät war und das Wetter sich außerdem für eine Gegend, die für ihre grandiosen Panoramen berühmt ist, suboptimal präsentierte, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer kleinen Tour einiger der berühmten Wasserfälle der Umgebung, die leichter zu erreichen und auch bei Nebel wenigstens noch sichtbar waren. Das war - ganz untypisch - zur Abwechslung eine sehr gute Entscheidung.

Schnell war ein Kleinbus samt ausgesprochen freundlichem Fahrer gemietet, und er führte uns zu drei der schönsten Plätze, wo man ein wenig wandern und jeweils grandiose Wasser- und -fall Panoramen bestaunen konnte. Dank des grausig kalten und feuchten Wetters, waren wir dort auch zumeist so gut wie alleine.

Der zweite Tag: I muaß auffi!
Am nächsten Tag - nach soliden zwölf Stunden Schlaf, die wir uns nach der aufrecht sitzend durchwachten Zugfahrt und anschließenden Wasserfall-Kurzwanderungen ehrlich verdient hatten - erwarteten uns strahlender Sonnenschein, kristallklare Luft und somit bestes Bergwetter. Das kleine, desorganisierte Grüppchen, das ich gerne "wir" nenne, konnte nach einem faszinierend widerlichen Frühstück tatsächlich wieder einen Fahrer auftreiben, der uns nach gröberem Hin und Her zum Hauptaufstiegspunkt auf den Gipfel unserer Wahl brachte. Dort, in der vollkommenen Einschicht, wollten wir den Fahrer einige Stunden später wiedertreffen, um zurück zum Hostel gelangen zu können, und dann weiter zum Bahnhof, wo abends um 22 Uhr der Mörderzug seine Fahrt des Grauens zurück nach Shanghai beginnen würde.

Die Wanderung selbst war herrlich - bis auf den 1.800 Meter hohen Gipfel bezwangen wir den Berg vermittels unzähliger Stufen - eine in China durchaus übliche Weise, berühmte Berge zu ersteigen. Die Panoramen unterwegs waren dabei unbeschreiblich schön. Unberührte Natur, herrliche Stille, unzählige Bäche und Wasserfälle, Karstgipfel, die niedrigeren Hänge bedeckende Bambuswälder und nicht zuletzt kristallklare, saubere Luft sowie erstaunlich wenige Menschen entschädigten uns nicht nur mehrfach für alle Strapazen, sondern machten diesen Ausflug auch zum schönsten Naturerlebnis, das ich bisher in China hatte.
Die mehrstündige, ausgesprochen anstrengende, Bergwanderung fand mit einer halbstündigen Busfahrt (der Taxifahrer war nicht gekommen) zurück zum Hostel, einer darauf folgenden einstündigen Busfahrt zurück in die Stadt Huangshan, einem dort eingenommenen (zur Abwechslung einmal hervorragenden) Abendessen sowie einer dreizehnstündigen, ebenso schlaflosen wie fürchterlichen Zugfahrt zurück nach Shanghai ihr Ende.
Nun kann ich - frisch geduscht und nach einem dreistündigen Schläfchen wieder einigermaßen lebendig - eine kleine Bildauswahl präsentieren, die den dortigen Panoramen keinesfalls gerecht wird, dafür aber auch ausgesprochen inkompetent fotografiert ist. Möge der Reigen beginnen.

Se Trip in Piktschers


Die Landschaft des südlichen Anhui präsentiert sich völlig anders als die Umgebung Shanghais, die einer Brettel-ebenen, gigantischen Baustelle gleicht - und auch anders als die Provinz Jiangsu, Ziel meiner bisherigen Reisen, mit ihren sanften Hügeln und freundlichen Städtchen. Anhui ist wilder, mit schroffen Gebirgen, hohen Wasserfällen - aber auch einsamen Dörfern und endlosen Reisfeldern - wie hier zu sehen.

In diese abgelegene und ansonsten untouristische Provinz brach also unser ebenso munteres wie unfähiges kleines Reisegrüppchen auf.


Anhui ist ja eine unglaublich feuchte Provinz. So fällt hier das Wasser nicht nur vom Himmel, sondern auch überall sonst. Das unfreundliche Wetter bildete den idealen Hintergrund für die hunderten berühmten Wasserfälle der Umgebung - kleine ...


... ebenso wie große. Der hier ist mit 120 Metern Höhe immerhin der neuntgrößte in China.


Auf den Wanderungen in dieser Gegend trifft man häufig auf Unerwartetes: freundliche, zehn Zentimeter lange Spinnen ...

... und offenbar massiv Diebstahl-gefährdete Brücken.

Ist aber eh vernünftig, die Brücken gut zu sichern. Sind nämlich ziemlich hübsch.

Wunderschönes Wetter lädt am Sonntag zur Besteigung eines der Hauptgipfel ein. Die tieferliegenden Regionen sind von riesigen Bambuswäldern bedeckt. In diese Megagrashalme ritzen Chinesen gerne ihre Namen ein.

Mit zunehmender Höhe verändert sich die Vegetation. Pappeln dominieren - und nutzen dabei jeden möglichen und unmöglichen Platz.

Noch weiter oben verliert man jeden Respekt vor den alten chinesischen Künstlern: Die Schweine haben einfach abgemalt, was sie gesehen haben!

Aber schön ist das schon ...

Oben angekommen, ist man konditionell ein wenig angeschlagen. Dabei gibt's kaum Pause - schließlich sollte man den Zug tunlichst nicht versäumen, der wenige Stunden später eine Wanderung sowie zwei Busfahrten entfernt losfahren würde.

Andererseits müssen wir wenigstens nur uns selbst schleppen. Dutzende Träger hingegen befördern den ganzen Tag lang Bier und Vorräte auf den Berg - und Schmutzwäsche sowie Abfall wieder hinunter.

Unerwartete Sehenswürdigkeit: der Schilderwald

Ja, ich traf wieder auf ganz viele Schilder von ungeahnter Attraktivität! Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen:

Da gab es beispielsweise die üblichen semantischen Meisterleistungen ...

... von manchmal durchaus undurchschaubarer Mystik ("Please do not jumps a hurdle"? Hier? Auf dem Berg?)

Dann solche von großer poetisch-philosophischer Schönheit ...

... wirkungslose ...

... mysteriöse ...
(Wir haben uns bemüht, die Aussicht möglichst nicht zu genießen - und wann immer wir auf Affen trafen, wurde auf ausschließlich nicht-kulinarische Weise geflirtet!)

... aber auch solche, die Aufschluss über die chinesische Mentalität geben. Diese ist offenbar von hohem hygienischem Niveau ...

... zumindest manchmal.

Kommentare:

rudolfottokar hat gesagt…

glückwunsch zu deiner kondition!
wenn man weiß, dass die wirklichkeit immer schöner ist als auf fotos erkennbar, muss es da wirklich sehr sehr schön sein.
(übrigens, ich kenn mich zwar in der chinaflora nicht so aus, aber das ist nie eine pappel...)
;-)

vronella hat gesagt…

ne, das ist definitiv keine pappel... sieht mir mehr nach so nem verhungerten afrikanischen wüstensteppenbaum aus. ja, ich weiß, ganz exakte botanisch korrekte bezeichnung ;)

danke mal wieder für die wundervollen bildchen, den wie immer ausgevorzüglichen reisebericht und die kreativen schildchen aus dem chinesererland. von denen will ich mehr sehen!!!

ich verabschiede mich nun mit einem gar philosophisch angehauchten "REALITIO" und verbleibe

ja plapla

bussl,
vronella

ClemmieInChina hat gesagt…

Nersiled, liebe Freunde!

Ja, ich bewundere meine Kondition auch. Wusste gar nicht, dass ich sie habe.
Das tolle an der Wirklichkeit ist, dass man ja von ihr umgeben ist. Das fehlt halt auf den Fotos. Aber ich hab kurze Filmchen gemacht. Vielleicht stell ich auch noch einen online - muss sie mir erst anschauen, ob sie irgendwie etwas bringen.

und sowohl @rudolfottokar als auch @vronella: jaaaaa ... sogar ich weiß, dass das keine pappel ist. der bildkommentar ist unglücklich gewählt, denn rundummadum gabs wirklich viele pappeln :).
das müsste eigentlich eine zeder sein, oder? rudi: du bist doch der große botaniker in der familie .. die form is eh so markant :).

jedenfalls danke für's lob - es war eine tolle reise. und mein hintern schmerzt in einem ausmaß, das ich bisher nicht kannte *g*.

rudolfottokar hat gesagt…

ich hab auch auf zeder getippt - wollte aber nicht vorpreschen...;-)
übrigens - "picadel" find ich hübsch...

Martin hat gesagt…

herlich, die schönheit der schilder ist immer wieder berauschend. erschliesst sich dem chinesisch lesen könnenden der sinn eigentlich eher oder ist das auch schon im originaltext genauso wirr?

_mathilda_ hat gesagt…

Welch bewundernswerter Masochismus! Meine Begeisterungsfähigkeit hierfür hinterlässt mich ähnlich atemlos wie du dich am Weg oft gefühlt haben musst. Im fernen Österreich, meiner Sinne mächtig, von Logik beseelt, wage ich dennoch die Frage: weswegen musste es der Maso-Zug sein? Warum haben die erhabenen Reisenden nicht eines jener Beförderungsmittel gewählt, das in der Zeit, in der Ihr eine Strecke durchlitten habt, beide Strecken zurückgelegt haben könnte?

Der Aufenthalt in der erwähnten Absteige scheint mir auch ein gutes Diätrezept zu sein: viel Bewegung und nix Ordentliches zu essen - da schmelzen die Pfunde. Vielleicht sollten die damit werben, zumindest bei übergewichtigen Westlern könnte das Konzept finanziell vielversprechend sein. Mir fehlt im Übrigen ein Bild des sanitären Bereichs: war der ebenso mässig verschimmelt wie der zuletzt abgebildete, oder war der sich Reinigende das einzig Lebendige?

Vom Versuch der biologischen Definition des sich wacker am Felsen festkrallenden Bäumchens nehmen mein brauner Daumen und ich Abstand. Zwar weiß ich nicht, wie telepathisch dieser wirkt, allerdings möchte ich doch vermeiden, dass beim nächsten Besuch diese Sehenswürdigkeit verwelkte Vergangenheit ist.

Mit dem passenden "matism" wende ich mich der erneuten Lektüre zu, da ich sicher was übersehen hab, das zu kommentieren sich lohnt.

ClemmieInChina hat gesagt…

@martin: gell? schon was feines, die schildchen :). aber zur frage: nein, auf chinesisch ist das alles ganz normal formuliert. selbst das verwurschtelte englisch erschließt sich dem halbwegs chinesisch-könnenden relativ leicht, da man das chinesische original "raushört" und daher meistens errät, was es wirklich bedeutet. chinesisch ist ja insoferne wirklich völlig anders als europäische sprachen, weil es eigentlich keine formale grammatik hat, nur gewisse strukturen und partikel. dadurch sind die meisten konstruktionen vollkommen fremd und lassen sich halt auf wörterbuch-basis nicht übersetzen ;).

@mathilda: streu nur salz in meine wunden! das kommt halt raus, wenn man einem 20-jährigen mäderl vertraut, die fahrkarten zu besorgen. irene wollte den billigst-möglichen transport - und somit auch den unbequemsten; aber selbst sie war leicht angesäuerlt, als ich sie mit dem faktum konfrontierte, dass die busfahrt sogar noch billiger gewesen wäre. sprich: es war keine absicht. ich bin kein masochist - nur ein bissl patschert vielleicht *g*.
und zu deiner frage: das bad war eigentlich ganz nett. natürlich wieder mit typisch chinesisch fehlendem duschbecken, so dass das wasser im ganzen bad herumfloss und beim pinkeln sanft die knöchel umspülte. aber dafür überhaupt kein schimmel! nix! fast schade. dafür konnte man sich beim duschen zwischen brühend-heiß tröpfelnd und eiskalt hochdruck-reinigend entscheiden. aber wir stehen nun mal auf abenteuer-urlaub :P.

Etosha hat gesagt…

Die verhungerten afrikanischen Wüstensteppenbäume sind zumeist Akazien. Das nur nebenbei. Korrekte botanische Bezeichnung "arbor wüsticus gustarius ursi".

Die inkompetente Fotografie kann ich indes nicht bestätigen. Fischst du womöglich nur nach Komplimenten? Im Trüben? Man weiß es nicht genau. ;)

Wunderschön isses da! Hach! Nicht, dass ich dich um den Marsch beneiden würde, insbesondere, wo du doch die Aussicht nicht genießen durftest.

Bei "beim Pinkeln sanft die Knöchel umspülte" bin ich fast vom Sessel gefallen. Bruuuhahaaa! :)))

_mathilda_ hat gesagt…

Clemens, zu diesem Behufe führe ich auch immer mindestens einen Salzsttreuer in den grauenvollen Untiefen meiner Handtasche mit mir mit - solche Gelegenheiten kann ich mir doch nicht entgehen lassen ;) Am anderen Ende der Welt gilt also der Grundsatz: Verlass dich auf eine Frau und du bist verlassen, was dazu passt, dass am anderen Ende der Welt alles anders ist als an diesem hier. Aber man(n) lernt ja auch allem, oder?

Deine Beschreibung der sanitären Einrichtungen hat auch mein müdes Gesicht mit einem Lächeln verziert. Ich will mir das aber nicht so genau vorstellen... Eventuell wäre das deine nächste Karrierechance: die Revolution in chinesischen Badezimmern.

ClemmieInChina hat gesagt…

@toshi: stimmt ja, ich verganz gaß, dass du ja auch eine botanik-expertin bist. akazien sind das auf dem berg aber keine, soweit reichen meine eigenen bescheidenen kenntnisse noch.
bezüglich fotografie fischte ich keineswegs! man darf nicht vergessen, dass das, was ich da online stelle, ohnehin schon das beste ist, was rausgekommen ist, und selbst das ist, mit verlaub, teilweise von durchaus großer bescheidenheit. ein paar fotos taugen mir schon auch selbst - andere sind nicht toll :(.
und siehst, dafür fotografier ich ja, dass du auch das schöne vom marsch mitkriegst ohne die mühsamen höhenmeter selbst machen zu müssen. selbst jetzt noch frage ich mich selbst, was mir mehr weh tut - der popsch von der zugfahrt oder die schenkel vom kraxeln. aber irgendwie geb ich mir keine antwort, ich unhöflicher arsch.

@mathilde: *hmpf* werde über ein salzverbot im blog nachdenken. ;)
aber was den badezimmer-beruf angeht: grandiose idee! dabei kennen die chinesen durchaus die vorzüge europäischer duschen und klos - sie verwenden sie ja durchaus mitunter selbst! aber teuer sind die dinger halt, deswegen gibt es sie eben nur in den high-class environments (wie meinem studentenheimzimmer *g*).

_mathilda_ hat gesagt…

Du kannst kein Salzverbot erlassen. NaCl mag zwar in grösseren Dosen "genossen" dem menschlichen Körper schaden, dennoch kann er nicht ohne. Exakt so verhält es sich auch mit virtuellem Blog-Salz: ohne gehts nicht. Ich werde mich aber bemühen, nächstes mal nicht das ganze Kilo Salz über deiner schwärenden Wunde zu verschütten, sondern mich etwas diplomatisch-feinfühliger deinen wunden Punkten zu nähern.

Bezüglich der Fotos tendiere ich dazu, in etoshas Kerbe zu schlagen. Übertriebene Bescheidenheit wandelt sich binnen Sekundenbruchteilen von einer Zier für den Fotografen zu einer Bürde für den/die BetrachterIn/LobendeN (boah, wer kam noch mal auf die Idee, dass Sprache gendergerecht sein müsse?). Gibts sowas im Chinesischen eventuell auch?

vronella hat gesagt…

wobei "salz in die wunden streuen" ja per se keine schlechte, sondern eine gut gemeinte sache ist! dient schließlich der abtötung von bakterien und solch grauslichem zeug... vielleicht sollte man also kein reines nacl verwenden, sondern auf die gute alte kochsalzlösung zurückgreifen... ok, ich hab zu oft grey's anatomy geschaut, ich geb's zu...

können wir uns hier bitte bitte bitte auf den entfall von genderInnen einigen? ich bin ohnehin ein verfechter (absichtlich ohne IN) des generischen maskulinums!

_mathilda_ hat gesagt…

Ich hab die gendergerechte Ausdrucksweise nur als Aufhänger für meine Frage verwendet - ich hoffe, es wird mir verziehen. In Bezug auf mich verwende ich doch die weibliche Form, generell bin auch ich jemand, der männliche Formen einfach als sprachliche Konvention und nicht als patriarchalisches Unterdrückungsinstrument sieht.

ClemmieInChina hat gesagt…

sehts, da stimmen wir mal nicht ueberein :).
ich bin der meinung, das es extrem wichtig ist, gerade bei etwas so alltäglichem und ununterbrochen in auf uns einwirkenden wie der sprache darauf zu achten, dass nicht eines der beiden geschlechter als "standard" und damit automatisch als wichtiger gilt. dass das im unbewussten unglaubliches bewirkt, ist wissenschaftlich hinreichend bewiesen.
dass das binnen-I nicht gerade der weisheit letzter schluss ist, weil fürchterlich unpraktisch, ist allerdings auch hinreichend bewiesen. ;)

das chinesische ist da übrigens sehr elegant: da helfen die schriftzeichen. das männliche und weibliche wird gleich ausgesprochen (z.b. "er" und "sie" heißt beides "ta"), doch es gibt unterschiedliche (und gleich komplizierte) zeichen dafür. und da es im chinesischen weder deklinationen noch konjugationen noch zeiten noch fälle noch sonst irgendwelche grammatikalischen beugungen gibt, entfällt der ganze rest. auf diese weise ist chinesisch eine tatsächlich völlig gender-neutrale sprache.

aber das nur am rande :).

was aber das salz betrifft: da habt ihr mich überzeugt. ich werde ab sofort stets einen reichlichen vorrat dieser lebensnotwendigen substanz bei mir führen, um ihn bei bedarf sofort selbst in diverse wunden einarbeiten zu können. man ist ja mensch und hilft, wo man kann.

ps: "beltfuli" *lach*

_mathilda_ hat gesagt…

Schade, in dem Fall gibt das Chinesische und seine political correctness bezüglich der Genderfrage keinen eigenen Blogeintrag her.

Am Deutschen spießen sich allerdings die Geister. Für mich als linguistikgeschädigte Emanzipierte (Emanze mag ich keine sein, emanzipiert bin ich sicher) gibt es einen essentiellen Unterschied zwischen grammatikalischem und natürlichem Geschlecht. In vielen Fällen sind die beiden kongruent, bei weitem aber nicht in allen. Aus dieser differenzierten Betrachtungsweise fühle ich mich durchaus angesprochen, wenn ein Artikel sich "an den geneigten Leser" wendet. Oder ein Möbelhaus mich mit "lieber Kunde" tituliert. Nicht angesprochen fühle ich mich bei "Sehr geehrte Herren".

Mir sind die Zusammenhänge zwischen Sprache und Denken durchaus bewusst. Mir ist auch klar, dass wir in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft leben. Dennoch sind Kunden und Leser für mich geschlechtsneutral, nur Wörter, die eindeutig auf das natürliche Geschlecht referieren, sehe ich auch so. Ich gestehe aber, dass das eine differenzierte Betrachtungsweise ist, die sicher nicht jeder teilen kann.

Etosha hat gesagt…

*aufzeig* Ich bin auch stets für generische Genderlosigkeit.

Just in diesem Momente ist mir aber danach, wie zum Trotze, den von mir beschriebenen Baum als Akazin zu bezeichnen - und ihre durchaus unterschiedlichen Erscheinungsbilder zu loben und zu preisen.

slowly uncomate-ing
S.-

Etosha hat gesagt…

"Ich gestehe aber, dass das eine differenzierte Betrachtungsweise ist, die sicher nicht jeder teilen kann."
Gnihihi, das merk ich mir, das klingt so herrlich neutral, ist aber tatsächlich von elegant subtiler Frechheit. :)

_mathilda_ hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
_mathilda_ hat gesagt…

etosha, ich würde doch niemals nie nicht unter keinen Umständen wagen, Frechheit an den Tag zu legen. Nicht einmal subtil-elegant ;) Diplomatie ist mir fremd. Das ist nur semantisch verschleierte Direktheit.

In diesem Zusammenhang wars nicht so gemeint, nicht mal um die halbe Welt rum würde ich mich trauen, einem mir quasi fremden Menschen solch unbilliges Verhalten zu unterstellen. Allerdings wärs deutlicher gewesen, hätte ich "können" hier durch "mögen" ersetzt. Und die Verben sind das, was diesen Satz so ungemein wandlungsfähig machen, von tatsächlich neutral bis hin zu herablassend. Man stelle sich statt "können" "imstande sein" vor. Oder gar "die nachzuvollziehen ein hohes Mass an theoretischer wie praktischer Sprachbeherrschung voraussetzt". Was hier alles nicht gemeint war!

Ich würde in meinem Job wohl mental nicht überleben, wäre ich nicht in der Lage, meine Meinung so zu verpacken, dass sie sozial akzeptabel ist, der Gegenüber sich der Keule nicht wirklich bewusst ist, ich mir aber dennoch Luft machen kann. Da ich das häufig tun muss, und Übung den Meister macht, lote ich die Multiillokutionsmöglichkeiten von österreichischem Deutsch konstant weiter aus ;)

Inkonsequent bin ich aber: ich hab mir doch mal ein Blog angelegt. Mal sehen, ob ich es auch gefüllt krieg. Wer mal reinschnuppern mag: auf meinen Nick klicken bitte :)

Was uns "lernnesi" wohl sagen will?

rudolfottokar hat gesagt…

gute idee, mathilda!
da kannst dich ja jetzt so richtig austoben ;-)

(ermanger)

Martin hat gesagt…

ähm, hocherwührdiger cle-men-tzu: ein geheimnis ist noch ungelüftet: was hat es mit den vorhängeschlössern an der brücke jetzt wirklich auf sich? die gesammelten fahradschlösser der hier verunglückten radtouristen? oder sind es gar die vorhängeschlösser der unzähligen keuschheitsgürtel die hier im nebel abgelegt wurden? zeugen des endes der schweigegelübde der mönche die auf dem berg einst meditierten und die schlösser nach ablauf der frist wieder aus ihren durchbohrten lippen nahmen? erleuchte uns!

ClemmieInChina hat gesagt…

Na Pfumm ... da ist ja in meiner Abwesenheit einiges weitergegangen *g*.

Also, mit einem kräftigen "furaddti" stürze ich mich rein:

Auf eine Emanzipations/Feminismus-Diskussion lasse ich mich hier nicht ein - ich bitte, das zu entschuldigen. Dafür habe ich in der Vergangenheit immer annähernd einen ganzen Abend gebraucht, und für das schriftliche Äquivalent ist hier einfach kein Platz. (war ja auch 7 Jahre lang mit einer Frau verheiratet, die sich auf feministische Philosophie spezialisiert hatte - kenne also den wissenschaftlichen Hintergrund besser als er mich je interessiert hat ;))
Außerdem isses ja ein Blog, und das eignet sich nur beschränkt als Diskussionsforum. Ich hülle mich also in Schweigen und bitte darob nochmals um Entschuldigung.

Auf Mathildes Blog bin ich aber schon gespannt - das werde ich mir dann gleich zu Gemüte führen!

Ach ja, die Schlösser - werter Herr Martin, obwohl Sie wohldurchdachte und höchst plausible Theorien darlegen, handelt es sich hierbei schlicht um einen Brauch chinesischer Liebender, bei dem Pärchen ihre Namen in Schlösser eingravieren lassen und diese dann als Symbol ewiger Verbundenheit (nicht Verschlossenheit, bitteschön!) auf dortigen Brücken anbringen.
Sehr typisch chinesisch, diese hübsche Tradition auch in der Neuzeit weiterzuführen - und dabei auf uns eigentlich eher hässliche wirkende Vorhängeschlösser zu verwenden. Aber das chinesische Ästhetik-Empfinden ist ganz anders geartet als das unsere und eher holistisch - richtet sich also auf den Gesamteindruck und weniger auf das Detail. Daher findet man hier auch Kitsch des extremsten Ausmaßes - solange die Story dahinter passt, ist die tatsächliche Ausführung mehr oder weniger egal ;).

Hollareiduliöh! :)

nikerl hat gesagt…

Na servas, da geht´s zua... Meine Güte!!!

@Clemis Reise - hahaha, das kommt davon! *G* - mir war aber dennoch klar, dass du nicht die bquemste Variante wählen würdest, selbst wenn du selbst geplant hättest - ich erinnere mich da nur an abenteuerliche Wanderungen über irgendwelche Geröllfelder am Westpeloponnes, um zu einer Ruine zu gelangen... ;-)

@ Gender-Diskussion: aaaaaaaaaaaaaaaargh... ;-)))

*ousema*

ClemmieInChina hat gesagt…

@nikerl: Joehjo. Zu bequem darf's eh nicht sein, weil dann kriegt man nix mehr davon mit, wo man eigentlich ist. Aber mir tut der Popsch nach drei Tagen IMMER NOCH weh ... und dass muss dann auch wieder nicht sein :P.

Heute besonders schön: "anklerks"!

Winders Wörterbuch hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Sehr spektakuläre Nachrichten vom gelben Berg - mich alten Sesselkleber frißt der blanke Neid, wenn ich die munteren Bächlein und grünen Bergflanken im Reich der Mitte sehe. Lieblingsschilderspruch ist: Do not enjoy....-das ist das, was man in der Psychotherapie eine paradoxe Intervention nennt.
Muchos Grüßos (Hier in Ö sind gerade wieder Los Wochos von McDi angesagt)und alles Gute!
Christoph Winder

ClemmieInChina hat gesagt…

McSalut, Herr Winder! (Hier sind bei McDo gerade die Franko-Wochen) Schön, dass Sie wieder einmal hier vorbeischauen, in unserer launigen Runde!
Überhaupt kein Grund für Neid - denn erst seit gestern wird mein wundes Hinterteil langsam besser ... und 13 Stunden in einer einzigen Sitzposition, DAS nenne ich wahre Sesselkleberei!

Das Verbot, die Landschaft zu genießen, ist übrigens auch mein absoluter Favorit ;).