Samstag, 13. Dezember 2008

Das ist Shanghai - Teil 1

Liebe Freunde der ethnischen Vielfalt: Ich weiß, lange musstet ihr warten, bis Euer treuer Fernost-Korrespondent sich einmal wieder zwischen jeweils einer Portion Nudeln und Schriftzeichen aufraffen konnte und sich ins Großstadtgewirr begab, auf der Suche nach drolligen Sitten und Gebräuchen.

Naja ... tatsächlich hätt's auch noch viel länger gedauert, weil ich eigentlich so richtig sammeln wollte, um dann einen wahren Bilderreigen der Kuriositäten auf Euch loszulassen. Doch nachdem ich hier drinnen schon eine gewisse Ungeduld verspüre, und zudem auch ob der sich nähernden Tests und Organisationsaufgaben für ein gelingendes zweites Semester über zunehmend abnehmende Zeitreserven verfüge, gibt's hier einfach mal ein kleines Schmankerl für zwischendurch.

Es fällt mir übrigens immer schwerer, hiesige Seltsamkeiten als solche zu identifizieren, da man sich erstaunlich rasch an sie gewöhnt. Mittlerweile muss ich feststellen, dass es hier eigentlich eh genauso ist wie in Hadersdorf-Weidlingau. Nur dass die Chinesen eben frei herumrennen, anstatt - wie es sich gehört - konzentriert in Lokalitäten wie "Zur güldenen Reisnudel" vorzukommen.

Umso mehr muss ich mein Auge schulen und aufmerksam durchs hiesige Leben laufen. Und wer mich kennt, weiß, dass meine Beobachtungsgabe in etwa der eines als mittelgroßer Stein wiedergeborenen Maulwurfs entspricht, also fällt mir das weiß Gott nicht leicht.

Ein bisschen was Nettes hab ich aber wieder aufgetrieben, und so darf ich Euch mit folgenden vier Bildchen aus meiner unmittelbaren Wohnumgebung ein frohes Wochenende und einen gesegneten Fernsehabend wünschen:

Zunächst ein weiterer Einblick ins kunterbunte Stadtbild: Einheitlich ist hier eigentlich nur die Vielfalt - und so liegen alt und neu, modern und baufällig, arm und reich zumeist direkt nebeneinander. Das kleine Gebäude hinten rechts, mit der Zeltplane als Dach, hat ... nun ja ... eine gewisse Patina, funktioniert aber nach wie vor prächtig als Friseursalon, kombiniert mit Ohrenputz-Service. Und grünen Tee verkaufen sie auch. Direkt dahinter liegen typische moderne Wohnblocks des gehobenen Mittelstandes.

Ein Grund für dieses flotte Nebeneinander ist natürlich auch ein gewisses Platzproblem: Wo sich 15 Millionen Menschen eine Stadt teilen, deren Grundfläche nicht viel größer ist als jene von Wien, wird's manchmal ein bisschen kuschelig. Daher wird auch jedes bisschen Platz genutzt - gerne auch mehrfach. So dienen Shanghais Gehsteige stets auch als Überholspur und Wohnzimmer. Obiger anscheinend auch als Küchenfläche zur Trocknung von Chilischoten. Übrigens konnte ich weit und breit keinen Eigentümer entdecken. Vielleicht wundert sich also auch gerade irgendein Taglöhner, warum der Sack auf seinem Rücken auf einmal so leicht ist.

Das Trocknen ist in einer feuchten Umgebung wie Shanghai überhaupt eine große Sache. Nur einige Meter weiter auf hängen mitten auf dem gleichen Gehsteig die üblichen herrenlosen Gewänder auf einer Wäscheleine. "Trocknen ist Trocknen", dachte die findige Hausfrau in diesem speziellen Falle wohl, und hing ein halbes Schwein zum selbigen Behufe (<= Wortspiel!) gleich daneben. Am Abend gibt's dann wahrscheinlich "Stelze à la Persil"

Und damit verabschiede ich mich schon wieder für heute, mit diesem kleinen Gustostückerl aus unserer beliebten Serie: "Schilderpoesie". Abgesehen davon, dass die Orthografie der Übersetzung auch hier wieder die übliche farbenfrohe Unabhängigkeit von der englischen Sprache genießt, ist selbst die Grundaussage in diesem Fall nur schwierig zu erahnen. Das chinesische Original gibt Hinweise, bleibt aber ansonsten auch eher poetisch als hilfreich. Übersetzung liefere ich gerne - aber zuerst seid's einmal ein bissl kreativ :).

6 Kommentare:

rudolfottokar hat gesagt…

also ich tipp auf "bitte nicht in den rasen treten" oder sowas wie "schonen sie die grünanlage".
;-)

(und was heißt "worsubu"?)

_mathilda_ hat gesagt…

"hysta" - da werd ich doch gleich hysterisch, wenn sich der Schildsinn nicht erschließt! Aufgrund des Grün im Hintergrund vermute ich auch eine Aufforderung, die kultivierte Natur nicht zu verschandeln, harre aber gern geduldig der Auflösung.

Und ich danke herzlichst aus dem trüben Köln für die farbenfrohen Nachrichten und die zwei herzhaften (nein, nicht hysterischen!) Lacher, die du und deine Schreibweise mir entlockt haben. Maulwürfe sind übrigens herzige Tierchen, auch wenn das Ergebnis ihres Schaffens eher Herzanfall-auslösend ist. Aber zu irgendeinem Behufe (DANKE!) haben die ja Schaufeln...

rudolfottokar hat gesagt…

übrigens...ich kauf nie wieder getrocknetes chili aus china...

_mathilda_ hat gesagt…

*gg* Dann hoffen wird, dass der Herkunfshinweis (in Wortbestätigungskreisen auch "herhiv" genannt) ordentlich gemacht ist ;)

ClemmieInChina hat gesagt…

*lach* da habt ihr sehr europäisch gedacht :). hierzulande darf man nicht nur in jedes gras hineintreten, ich bin sicher, es wäre nicht mal ein problem, jegliche grünfläche im vorbeigehen zuzubetonieren. selbst im tiergarten konnte man die tiere nach herzenslust füttern - und zwar mit allem, was gerade zur hand war.

nein, hier steht im prinzip:

"Es bleibe eine wunderbare Grasfläche,
Es bleibe herrliches Grün."

Das ist zwar ganz hübsch, hilft aber auch noch nicht wirklich weiter. Einen Hinweis gibt eher die Anschrift drunter. Die ist nämlich von einer Gärtnerei, die anbietet, auch private Haushalte zur Vergrasen :).

ClemmieInChina hat gesagt…

ach ja: ich find maulwürfe übrigens auch extrem herzig. und maulwurfshügel haben mir auch immer schon gefallen. :)