Donnerstag, 18. Dezember 2008

Fruitful Experiences - Teil II

Die Geschichte begann vor etwa acht Jahren.

Damals betrat ich zum ersten Mal den Boden ... ähm ... einer chinesischen Kultur: Taiwan. Bereits in meinem ersten Posting habe ich mich ja weidlich darüber ausgelassen, warum ich dort weilte und welch großen Eindruck diese Insel und die dortige Kultur auf mich hinterlassen haben. Eines jedoch habe ich nicht erwähnt: Ich fand dort die beste Frucht der Welt - zumindest meiner Meinung nach.

Sie war überall: Auf der Straße verkauften alte Mütterchen Spalten, abgepackt in kleine Plastiksackerln, um ein oder zwei Yuan. In Geschäften, Supermärkten, bei Obstständen - man konnte ihr gar nicht entkommen. Und ich war beeindruckt: Noch nie hatte ich etwas so Köstliches gegessen! Daher kaufte ich auch in jener schwachen Woche, die ich dort verbrachte, die halbe taiwanesische Jahresproduktion auf, und selbst bis nach Österreich nahm ich ein paar Spalten davon mit, um meine Freunde an dem Genuss teilhaben zu lassen.

Nie zuvor - und nie wieder danach - habe ich dieses Obst irgendwo anders auf der Welt gefunden. Also beschloss ich damals, es fürdehin zu suchen, um mich daran von neuem zu laben.

Doch es gab ein Problem.

Ich wusste nicht, wie die Dinger heißen. Den chinesischen Namen - vorgetragen im breitesten taiwanesischen Dialekt - habe ich mir nicht gemerkt, und eine englische Übersetzung, die ich ein einziges Mal irgendwo fand, war offenbar nicht korrekt. Denn niemand - kein Chinese, kein Taiwanese und kein sonstiger Ese - konnte sich unter "Rose Apple" etwas vorstellen. Merkwürdigerweise fruchteten (hihi) auch meine Erläuterungen nichts - das Ding war aber auch nicht leicht zu beschreiben: glatte, rötliche Schale, länglich, birnenförmig, in etwa so groß wie ein Apfel, an einem Ende spitz zulaufend, am anderen in einer seltsamen Einstülpung endend. Aber ach - selbst eine solch eloquente Charakterisierung brachte mir nur verständnislose Blicke ein.

Auch hier in China habe ich seit vier Monaten die Augen offen gehalten; obwohl nach so vielen Jahren die Hoffnung nur noch schwach in mir glomm, spähte ich stets in jede Fruchtabteilung. Es war mir ein Rätsel, wieso ich den mysteriösen "Rose Apple" nie wieder irgendwo fand.

Doch dann ging ich vor einigen Tagen spazieren. Das heißt: Eigentlich wollte ich spazieren gehen. Aber wie das bei mir so ist ging ich los - und stellte viereinhalb Stunden später fest, dass vom Dorm aus das Stadtzentrum ja durchaus auch zu Fuß erreichbar ist.

Der kleine siebzehn-Kilometer-Bummel führte mich allerdings durch die buntesten Regionen Shanghais, die offenbar noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Oder zumindest haben die Regionen noch nie zuvor einen westlichen Menschen in sich gehabt - den Blicken der Einheimischen nach zu urteilen.

Und in einer dieser Regionen gab es den "E-MART". Trotz des Namens ein durch und durch chinesischer Hypermarkt, in dem man wirklich alles findet (außer Europäer): Gewand, lebende Tiere zum Verspeisen, Süßigkeiten, Küchenutensilien, Gartenwerkzeuge, Grundnahrungsmittel ... und ein kleines Regal mit Rose Apples. Einzeln verpackt.

Ich äugte meinen Kaumen traut.

Das konnte doch nicht wahr sein!? Doch es war wahr: Vor mir lagen genau jene Früchte, von denen ich nun endlich erfahren würde, ob sie mir auch heute noch so gut schmeckten, wie ich es in Erinnerung hatte. Und sie kosteten nur vier Euro pro Stück - was durchaus dem Monatseinkommen eines chinesischen Bauern entspricht.

Das war mir nun aber egal: Flugs packte ich eines der guten Stücke, rannte damit zur Kassa, stürzte mich in die dortigen Menschenmassen und war nach einer mir endlos erscheinenden Wartezeit endlich an der Reihe, zu bezahlen. Ich kramte nach meinem Geld, während die hinter mir anstehenden Shanghaiischen Mitbürger bereits ungeduldig grummelten.

Dann wurde die ganze Situation sehr clemens.

Denn ich hatte vergessen, den Rose Apple abzuwiegen. Deshalb konnte ich ihn nicht kaufen. Hinter mir drängten etwa fünfzig Chinesen, vor mir funkelte mich eine nicht allzu liebenswürdige Kassierin an - alle Augen waren auf mich gerichtet.

Ich reagierte souverän:

"Bu yao!" - "Will ich nicht", warf ich der Kassierin lässig zusammen mit dem Rose Apple entgegen, drehte mich um, schritt hoch erhobenen Hauptes durch die Ausgangstüre ...

... und glaubte, ich müsse mir in den A*** beißen. Noch einmal reinzugehen war mir zu peinlich und zu zeitaufwändig.

Aber ich beschloss, wiederzukommen.

Nun - ich will Euch nicht langweilen, daher greife ich für den Rest der Story auf mein bewährtes Bullet-Point-System zurück:

* Draußen angekommen: Ich stelle fest, ich weiß noch immer nicht, wie die Dinger heißen; aber zumindest kann ich mich an die beiden chinesischen Schriftzeichen vage erinnern, die den Namen ausmachen. Die kann ich zu Hause nachschlagen.

* Den Weg zum E-MART merken! Dass ich daran gedacht habe, ist fast ein Wunder. Die Adresse vergaß ich natürlich, aber ich sah den Bus Nr. 123 vorbeifahren und beschloss, mit diesem wiederzukommen.

* Natürlich wählte ich den falschen Heimweg und war also an diesem Tag fast neun Stunden auf den Beinen.

* Schon zwei Tage später stieg ich in Bus Nr. 123

* Ich stellte fest, dieser Bus fährt je nach Fahrtrichtung verschiedene Strecken.

* Ich landete irgendwo im Nirgendwo. Vom E-MART keine Spur.

* Ich wartete auf den Bus in die andere Richtung, um den E-MART doch noch zu erreichen.

* Das ist aber kein Rundkurs, und er fährt also von einer anderen Station weg, die ich nicht finde und die auch niemand zu kennen scheint.

* Ich nehme ein Taxi nach Hause.

* Mein Wörterbuch verrät mir, die geheimnisvolle Frucht heißt 莲雾 - "Lianwu", oder "Wax Apple". (Die wörtliche Übersetzung ist "Nebel-Lotus".) Nach acht Jahren kenne ich endlich den Namen.

* Am nächsten Tag mache ich mich zu Fuß auf den Weg.

* Eineinhalb Stunden später erreiche ich den E-MART.

* Stolz, den Namen endlich zu kennen, frage ich einen Verkäufer nach einem "Lianwu".

* Ich verstehe seine Antwort sogar: "卖完" - das heißt "ausverkauft".

* Am nächsten Tag frage ich meine Lieblingsprofessorin, ob sie "Lianwu" kenne; sie bejaht und verspricht, Ausschau nach einem solchen zu halten.

* Am Folgetag sagt sie mir die Adresse eines Supermarkts, wo sie fündig geworden war.

* Heute war ich dort. Ein einstündiger Fußmarsch.

* Nach längere Suche finde ich den allerletzten "Nebel-Lotus" und kaufe ihn sofort. Er ist sogar viel billiger als bei E-MART.

* Vor einer halben Stunde nehme ich ihn aus der Plastikverpackung.

* Er ist an der Unterseite verschimmelt.

* Aber ich weiß jetzt, wie die Dinger heißen, wo es sie - zumindest manchmal - gibt, und ich kann Euch sogar ein Foto davon präsentieren:


Und ich denke, mit all dieser Information kann es sich eigentlich nur noch um Monate handeln, bis ich ein tatsächlich genießbares Exemplar auftreibe, meine Zähne endlich wieder hineinschlagen und Euch mitteilen kann, ob die Dinger den ganzen Aufwand wirklich wert waren.

Mein Leben ist ein einziges Abenteuer.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Fruitful Experiences - Teil I

Nicht einmal Gummibärli sind hier das, was man erwartet.

Aber sehet selbst, was ich gestern eigenhändig erwarb:



Was ist das?


Nun ... die Zeichen sind mir unbekannt, aber offensichtlich hat es Apfelgeschmack. Die Tatsache, dass es zwischen lauter Gummibärli-artigen Süßigkeiten im Supermarkt hing, deutete nach Meinung von Sherlock Bayer wiederum darauf hin, dass es sich vermutlich um eine ebensolche handeln könnte.


Und das mag ich sehr :).


Daher hieß es für mich: flott gekauft, das gute Stück, und aufgerissen.


Doch das Innenleben überrascht bereits ein wenig:

In dem großen Packerl sind ganz viele kleine Packerln drinnen. Mir schwant Übles: Es werden doch nicht jetzt in diesen wiederum noch kleinere Packerln drinnen sein? Und in denen dann noch kleinere, bis ich am Schluss mit leeren Händen dastehe?
Aber nein ... probeweises Aufreißen eines der kleinen Stanizerln enthüllt Ermutigendes:

Ein braunes, schrumpeliges Ding. Und pickig ist es übrigens auch. Scheiße in Tüten? Das wohl nicht. Aber Apfel ist es keiner. Und Gummibärli auch nicht. Vielmehr handelt es sich offenbar um eine Art Frucht - getrocknet und/oder kandiert, wie man es hier gerne hat.

Ich bin ja mittlerweile insoferne ein China-Kenner, als ich einen sechsten Sinn dafür entwickelt habe, wann sich etwas Lustiges anbahnt. Daher auch die Fotos. Denn sie sind Teil eines tollkühnen Selbstexperiments.

Gleich nach dem Aufreißen der Leckerei führte mich mein Weg also folgerichtig zum Badezimmerspiegel, um dortselbst meine Eindrücke live und visuell für die Nachwelt festzuhalten.

Selbstvergessen beiße ich in das undefinierbare Etwas, während ich mit meiner Rechten unentwegt Fotos schieße.

Und die Überraschung bleibt nicht aus: Denn eigentlich würde man ja vermuten, dass etwas, das so widerlich aussieht, auch ganz ekelhaft schmeckt ...

Doch "ekelhaft" ist GAR KEIN AUSDRUCK!!!!! :PPP

Sonntag, 14. Dezember 2008

Reisepläne

"Den Menschen, der ein unruhig' Geist, erkennt man daran, dass er reist", hat einmal ein weiser Mann gesagt. (Ich nämlich. Grad jetzt.) Und das passt auf mich wie die Milka zur Kuh.

Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.

Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:

1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.

Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:

I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)

II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.

Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.

Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?

Eben.

Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.

III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.

Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.

IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.

In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).

Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.

Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.

V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.

"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.

VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.

So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.

Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.

Samstag, 13. Dezember 2008

Das ist Shanghai - Teil 1

Liebe Freunde der ethnischen Vielfalt: Ich weiß, lange musstet ihr warten, bis Euer treuer Fernost-Korrespondent sich einmal wieder zwischen jeweils einer Portion Nudeln und Schriftzeichen aufraffen konnte und sich ins Großstadtgewirr begab, auf der Suche nach drolligen Sitten und Gebräuchen.

Naja ... tatsächlich hätt's auch noch viel länger gedauert, weil ich eigentlich so richtig sammeln wollte, um dann einen wahren Bilderreigen der Kuriositäten auf Euch loszulassen. Doch nachdem ich hier drinnen schon eine gewisse Ungeduld verspüre, und zudem auch ob der sich nähernden Tests und Organisationsaufgaben für ein gelingendes zweites Semester über zunehmend abnehmende Zeitreserven verfüge, gibt's hier einfach mal ein kleines Schmankerl für zwischendurch.

Es fällt mir übrigens immer schwerer, hiesige Seltsamkeiten als solche zu identifizieren, da man sich erstaunlich rasch an sie gewöhnt. Mittlerweile muss ich feststellen, dass es hier eigentlich eh genauso ist wie in Hadersdorf-Weidlingau. Nur dass die Chinesen eben frei herumrennen, anstatt - wie es sich gehört - konzentriert in Lokalitäten wie "Zur güldenen Reisnudel" vorzukommen.

Umso mehr muss ich mein Auge schulen und aufmerksam durchs hiesige Leben laufen. Und wer mich kennt, weiß, dass meine Beobachtungsgabe in etwa der eines als mittelgroßer Stein wiedergeborenen Maulwurfs entspricht, also fällt mir das weiß Gott nicht leicht.

Ein bisschen was Nettes hab ich aber wieder aufgetrieben, und so darf ich Euch mit folgenden vier Bildchen aus meiner unmittelbaren Wohnumgebung ein frohes Wochenende und einen gesegneten Fernsehabend wünschen:

Zunächst ein weiterer Einblick ins kunterbunte Stadtbild: Einheitlich ist hier eigentlich nur die Vielfalt - und so liegen alt und neu, modern und baufällig, arm und reich zumeist direkt nebeneinander. Das kleine Gebäude hinten rechts, mit der Zeltplane als Dach, hat ... nun ja ... eine gewisse Patina, funktioniert aber nach wie vor prächtig als Friseursalon, kombiniert mit Ohrenputz-Service. Und grünen Tee verkaufen sie auch. Direkt dahinter liegen typische moderne Wohnblocks des gehobenen Mittelstandes.

Ein Grund für dieses flotte Nebeneinander ist natürlich auch ein gewisses Platzproblem: Wo sich 15 Millionen Menschen eine Stadt teilen, deren Grundfläche nicht viel größer ist als jene von Wien, wird's manchmal ein bisschen kuschelig. Daher wird auch jedes bisschen Platz genutzt - gerne auch mehrfach. So dienen Shanghais Gehsteige stets auch als Überholspur und Wohnzimmer. Obiger anscheinend auch als Küchenfläche zur Trocknung von Chilischoten. Übrigens konnte ich weit und breit keinen Eigentümer entdecken. Vielleicht wundert sich also auch gerade irgendein Taglöhner, warum der Sack auf seinem Rücken auf einmal so leicht ist.

Das Trocknen ist in einer feuchten Umgebung wie Shanghai überhaupt eine große Sache. Nur einige Meter weiter auf hängen mitten auf dem gleichen Gehsteig die üblichen herrenlosen Gewänder auf einer Wäscheleine. "Trocknen ist Trocknen", dachte die findige Hausfrau in diesem speziellen Falle wohl, und hing ein halbes Schwein zum selbigen Behufe (<= Wortspiel!) gleich daneben. Am Abend gibt's dann wahrscheinlich "Stelze à la Persil"

Und damit verabschiede ich mich schon wieder für heute, mit diesem kleinen Gustostückerl aus unserer beliebten Serie: "Schilderpoesie". Abgesehen davon, dass die Orthografie der Übersetzung auch hier wieder die übliche farbenfrohe Unabhängigkeit von der englischen Sprache genießt, ist selbst die Grundaussage in diesem Fall nur schwierig zu erahnen. Das chinesische Original gibt Hinweise, bleibt aber ansonsten auch eher poetisch als hilfreich. Übersetzung liefere ich gerne - aber zuerst seid's einmal ein bissl kreativ :).

Sonntag, 7. Dezember 2008

Der Botanische Garten

Wenn ich meine bisherigen Einträge in diesem Blog so lese, verstehe ich ja überhaupt nicht, wieso ich Single bin. Ich bin doch von einer derartig liebenswerten Dämlichkeit, dass man mich einfach mögen muss!

Meine neueste Schnapsidee: Besuchen wir doch den Botanischen Garten von Shanghai! So weit so gut: Dieser ist - wie ich nach gröberer Weltreise in den äußersten Süden dieser schönen Stadt feststellen durfte - riesengroß, wie üblich in China hervorragend und sehr kreativ angelegt und darüber hinaus auch noch vollkommen touristenfrei, weil in keinem Reiseführer zu finden.

Eigentlich war er überhaupt vollkommen menschenfrei.
Weil nämlich Winter ist, und da haben Pflanzen auch hierzustadte durchaus die Angewohnheit, nicht gerade in größter Pracht zu erstrahlen. So zog ich also in herrlicher Ruhe und ungewohnter Einsamkeit meine Runden durch die 80 Hektar große Anlage - eine der schönsten ihrer Art in China.

Und folgendes zog mich dabei in den Bann:
Diese prächtig blühende, subtropische Spezies ...

... herrliche Beete exotischer Blumen ...

... ein Garten mit einer einzigartigen Sammlung traditioneller chinesischer Heilkräuter, vor dessen verschlossener Türe ich sogar Ginkgo-Blätter sah. (Auf dem Boden.)

Doch damit noch nicht genug: Ich lustwandelte durch das Farbenmeer des Rosengartens ...

... bewunderte die grandiose Osmanthus-Sammlung - berühmt für ihre zarten Blüten ...

... und erfreute mich an Baufahrzeugen in freier Wildbahn, die den Winter für allerlei Instandhaltungsarbeiten nutzen.

Um aber ganz ehrlich zu sein: Ich muss eh noch an mir arbeiten. Denn irgendwie stellt sich jede meiner blöden Ideen im Laufe ihrer Durchführung dann doch noch als ziemlich gut heraus. Immerhin hatte ich diese wirklich wunderbare Anlage praktisch für mich alleine - und Einiges mit etwas konventionellerem Appeal gab es dann doch zu sehen:

Beispielsweise ein wirklich prächtiges Tropenhaus, in dem ausgefallene Spezies subtropischer und tropischer, zumeist heimischer, Flora thematisch zusammengestellt sind. Hier der Blick vom etwa 30 Meter hohen "Aussichtsturm" im Inneren des auch architektonisch sehenswerten Gebäudes.

Eingepackt in warmes Wintergewand bestaunte ich bei 32 Grad Innentemperatur - dem Hitzekollaps nahe - tropische Früchte vor ihrem Weg zum Billa - wie diese Papayas.

Ich sah beeindruckende Palmen aller Größen, Farben und Formen ...

... und überall Blüten - auch unterirdisch, mitten in der aufwändig gestalteten Höhlenanlage.

Doch auch außerhalb der Glashäuser gab es genug Schönes. In den Subtropen verlieren bei weitem nicht alle Pflanzen ihre Blätter - und manche bleiben originellerweise den ganzen Winter über herbstlich bunt.

Zwischendrinnen kann man schließlich immer wieder die ausgesprochen ästhetischen Bewegungen Taichi übender älterer Damen und Herren beobachten.

Auf jeden Fall sehr entspannend das Ganze, und ich werde mir das ganz sicher im Frühling noch einmal geben, wenn der gesamte Park in Blüte steht.

Freitag, 5. Dezember 2008

Warum haben die Chinesen denn so eine komplizierte Schrift?

Liebe Freunde des gepflegten Klugschisses:

Oft fragt man mich nach dem Sinn des Lebens. Leicht zu beantworten:

42.

So.

Was man mich noch fragt - und wozu ich mich in altbekanntem Wortreichtum hiermit einmal öffentlich äußern möchte - ist, warum denn die Chinesen so eine gar fuuurchtbar komplizierte Schrift verwenden und nicht einfach in unser gemütliches 26-Buchstaben-Alphabet wechseln.

Alt, groß und unpraktisch: Sprengen wir doch Schönbrunn!

Nun - einerseits gelten die chinesischen Schriftzeichen hierzulande als eine der wichtigsten Grundlagen der Kultur. Eine Abschaffung und Ersetzung durch eine Buchstabenschrift empfände selbst der einfachste Einwohner Chinas in etwa so wie ein Wiener die Sprengung von Schönbrunn, dem Stefansdom und aller anderen älteren Häuser der Stadt sowie deren Ersetzung durch modernere, zweckmäßigere Bauten.

Doch dann gibt es dafür noch zwei ganz praktische, für uns leicht nachvollziehbare Gründe.

Grund 1: Schriftzeichen funktionieren wie Mathematik

Sehet her, liebe Leute:

12 x 5 = 60
(Ja, ich weiß, dafür hab ich Mathe studiert ... :P.)

Dieses mathematische Zeilchen funktioniert für uns Europäer ganz ähnlich wie die Schriftzeichen für die Chinesen.

Der bodenständige Wiener sieht das Zeilchen und hört vor seinem inneren Ohr etwas, das in etwa wie

"Zwööööfä moi Fiiinfä is Sechzg"

klingt, um hernach in angestrengtem, halbstündigem Schweigen ob der kalkulativen Verifizierung dieser gewagten Aussage zu versinken.

Der Engländer hingegen unterbricht angesichts
dieses Sätzchens nur kürzlich seinen 5-Uhr-Tee, liest dann

"Twelve times five equals sixty"

und lebt weiterhin glücklich in der wirren Überzeugung, britisches Essen wäre wohlschmeckend.

Der Finne wiederum schiebt sein Schmuse-Rentier zur Seite, um etwas wie

"Halunpinpää Kunkipäätääläätilanen Portuntuupipaan"

wahrzunehmen.
(Also ... jetzn nicht wirklich ... aber so ähnlich klingts sicher. Viele "ä" halt. Und lange Wörter.)

Würden unsere drei hypothetischen und so verschiedenen sympathischen Europäer ihre jeweiligen Sätzchen ohne Kenntnis der jeweils anderen Idiome mündlich den anderen zu vermitteln suchen - sie würden kläglich scheitern und darob in schier babylonischer Trauer versinken!

Obwohl also alle drei völlig Unterschiedliches aussprechen, verstünden sie einander doch alle sofort, würden sie schriftlich kommunizieren.

In China gibt es nun acht verschiedene Sprachen (die wir der Konvention halber unter dem Begriff "Chinesisch" zusammenfassen), die sich voneinander jeweils stärker unterscheiden, als Deutsch von Englisch. (Denn letztere zwei Sprachen sind zu 60% lexikalisch gleich, während beispielsweise Mandarin-Chinesisch und Kantonesisch nur 30% lexikalische Ähnlichkeit aufweisen.)

Ein Mensch aus Peking und einer aus Kanton können sich also in ihren jeweiligen Muttersprachen nicht miteinander unterhalten. Schriftlich allerdings ist das kein Problem, da ja im Chinesischen jedes Schriftzeichen auch einem Wort entspricht. (Wobei es natürlich auch Wörter gibt, die sich aus mehreren Schriftzeichen zusammensetzen.)

Im Falle einer Buchstabenschrift, könnte dieses Land also weder Fernseh-Untertitel, noch Zeitungen, noch Briefe noch sonst irgendeine einheitliche schriftliche Kommunikation aufrecht erhalten.

Grund 2: 420 Silben - ein Hoch auf die Homophone!
(Und ja, ich weiß, "Homophon" ist auch ein schwuler Männerchor aus Münster. Den meine ich aber nicht.)

Den zweiten Grund darf ich anhand des folgenden hübschen, chinesischen Geschichtleins beleuchten:



So weit so gut. Für die meisten von uns recht unverständlich, (übrigens größtenteils auch noch für den Autor dieser Zeilen, dessen Laune sich gerade deutlich verschlechtert hat :P), aber ansonsten nicht weiter auffällig.


Auch die Übersetzung lässt uns noch nicht an unserem Weltbild zweifeln:


In einem steinernen Raum gelüstete es einem Dichter-Gelehrten aus der Familie Shi nach Löwen; er schwor, er werde zehn Löwen essen. Von Zeit zu Zeit begab sich besagter Gelehrter in die Stadt und hielt nach Löwen Ausschau. Um zehn Uhr begab es sich, daß sich zehn Löwen auf den Weg in die Stadt machten, und es begab sich, daß sich auch der Gelehrte Shi eben um diese Zeit auf den Weg in die Stadt machte. Er sah die zehn Löwen, vertraute auf die Macht seiner Pfeile und brachte diesen zehn Löwen den Tod. Er sammelte die Leichen der zehn Löwen auf und begab sich in sein steinernes Zimmer. Das steinerne Zimmer war feucht, er ließ das steinerne Zimmer von einem Diener aufwischen. Als das steinerne Zimmer gewischt war, schickte er sich an, die zehn Löwenleichen zu essen. Während er aß, begann ihm bewusst zu werden, daß diese zehn Löwenleichen in Wirklichkeit zehn steinerne Löwenleichen waren.

Doch jetzt lasst mich Euch enthüllen, wie dies transkribiert aussähe - in unsere doch völlig angemessene Schrift aus 26 Buchstaben:


Shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi
shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi
shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi
shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi shi
shi shi shi shi shi shi

Auf diese Art geschrieben, steht hier selbst der geduldigste Chinese vor einem gröberen Problem. In chinesischen Schriftzeichen hingegen könnte er diese alte Fabel problemlos lesen. Mit nur 420 unterschiedlichen Silben ist das (Mandarin-)Chinesische nun mal eine Sprache mit großem Homophonie-Problem.


Folglich ...


Abschließend verbleibt mir noch zu bemerken (bevor ich mir zum Abendessen eine wunderbare Nudelsuppe reinschiebe): "Rechtschreibung" ist etwas, das es im Chinesischen gar nicht gibt. Ist ja auch klar: Denn wenn ein Zeichen einem Wort entspricht, gibt es auch keine Probleme mit "ie", "ss" oder ähnlichen gemeinen Dingen, die Chinesen beim Erlernen einer europäischen Sprache zur Verzweiflung bringen - und nicht selten auch zur Feststellung veranlassen:



"Warum haben die Europäer denn so eine komplizierte Schrift?

Dienstag, 2. Dezember 2008

Warum ist das so?

Jede Woche, von Montag bis Freitag, besuche ich zwanzig Stunden Vorlesungen, aufgeteilt auf vier Fächer mit Fokus auf Schreiben, Lesen, Sprechen und Hörverständnis. In jedem dieser Fächer lernen wir neue Vokabeln und Schriftzeichen, die ich vor der jeweiligen Stunde lerne – zusätzlich gibt es noch Aufgaben zu erledigen und Grammatik zu verstehen. Pro Woche investiere ich etwa 35 – 40 Stunden in das reine, formale Erlernen der chinesischen Sprache.

Darüber hinaus treffe ich mich jeden Montag und Donnerstag um 20.30 Uhr mit Li Nan, meiner Sprachpartnerin, und arbeite üblicherweise jeweils etwa zwei Stunden lang. Dabei konzentriere ich mich vorwiegend darauf, möglichst viel aktiv zu sprechen und die Dinge, die sie sagt, zu verstehen. Außerdem hilft sie mir bei Fragen und Problemen.

In den hiesigen Buchgeschäften gibt es eine unglaubliche Auswahl an Lernmaterialien. Neben jenen vier Lehrbüchern, die Grundlage für das Level C sind, habe ich weitere Arbeitsunterlagen besorgt, in denen ich immer wieder herumblättere und schmökere.

Jedes der neuen Vokabel schreibe ich sowohl in ein Heft, um sie alle an einer Stelle zu sammeln, sowie auf separate Kärtchen, um mich besser abprüfen zu können.
Jedes der neuen Schriftzeichen wird aus dem gleichen Grund in eine Liste aufgenommen und ebenso auf ein Kärtchen geschrieben. Der Arbeitsaufwand dafür ist enorm.

Auf dem Nachtkästchen neben meinem Bett liegen zwei Romane zeitgenössischer chinesischer Autoren („The Blood Merchant“ von Yu Hua und „Waiting“ von Ha Jin), und weitere warten schon darauf, gelesen zu werden. Außerdem liegen dort jeweils ein Fachbuch zur chinesischen Geschichte und Kultur und eines mit historischen Hintergründen zu und wissenschaftlichen Analysen der chinesischen Sprache.

In meinem Buchregal stehen frisch gekaufte Bücher zu den Themen Kalligraphie und chinesische Malerei sowie eine Unmenge an lokalen Reiseführern, Atlanten und Straßenkarten. Direkt darunter liegt mein Kalligraphie-Werkzeug, mit dem ich hin und wieder ungeschickte Versuche unternehme. An der Wand über meinem Bett hängt eine große China-Landkarte.

Neben meinem Schreibtisch stehen mehrere CDs mit klassischer chinesischer Musik, außerdem lerne ich zurzeit einen süßlichen taiwanesischen Popsong auf der Gitarre zu spielen und zu singen.

In einem mitgebrachten chinesischen Kinderbuch kann ich mittlerweile schon einiges verstehen; das großartige Buch von Yu Hua plane ich noch einmal zu kaufen – im chinesischen Original. Als großes Ziel habe ich mir gesetzt, es irgendwann noch einmal zu lesen. Auf Chinesisch. Dafür muss ich mindestens doppelt so viele Schriftzeichen und Vokabeln beherrschen wie jetzt.

All dies tue ich nicht aus Gewissenhaftigkeit oder weil ich ein elender Streber bin – sondern weil es mir Spaß macht. Weil das Lernen dieser Sprache und das Kennenlernen dieser Kultur momentan sowohl meine Arbeit als auch meine Freizeit ist, sowohl meine größte Aufgabe als auch mein liebstes Hobby.

Hätte ich mich mit nur halb so viel Enthusiasmus meinem Astronomie-Studium gewidmet, wäre ich wahrscheinlich ein sehr guter Astronom geworden.

Ich wüsste gerne, warum das so ist …