Posts mit dem Label Park werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Park werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 7. Dezember 2008

Der Botanische Garten

Wenn ich meine bisherigen Einträge in diesem Blog so lese, verstehe ich ja überhaupt nicht, wieso ich Single bin. Ich bin doch von einer derartig liebenswerten Dämlichkeit, dass man mich einfach mögen muss!

Meine neueste Schnapsidee: Besuchen wir doch den Botanischen Garten von Shanghai! So weit so gut: Dieser ist - wie ich nach gröberer Weltreise in den äußersten Süden dieser schönen Stadt feststellen durfte - riesengroß, wie üblich in China hervorragend und sehr kreativ angelegt und darüber hinaus auch noch vollkommen touristenfrei, weil in keinem Reiseführer zu finden.

Eigentlich war er überhaupt vollkommen menschenfrei.
Weil nämlich Winter ist, und da haben Pflanzen auch hierzustadte durchaus die Angewohnheit, nicht gerade in größter Pracht zu erstrahlen. So zog ich also in herrlicher Ruhe und ungewohnter Einsamkeit meine Runden durch die 80 Hektar große Anlage - eine der schönsten ihrer Art in China.

Und folgendes zog mich dabei in den Bann:
Diese prächtig blühende, subtropische Spezies ...

... herrliche Beete exotischer Blumen ...

... ein Garten mit einer einzigartigen Sammlung traditioneller chinesischer Heilkräuter, vor dessen verschlossener Türe ich sogar Ginkgo-Blätter sah. (Auf dem Boden.)

Doch damit noch nicht genug: Ich lustwandelte durch das Farbenmeer des Rosengartens ...

... bewunderte die grandiose Osmanthus-Sammlung - berühmt für ihre zarten Blüten ...

... und erfreute mich an Baufahrzeugen in freier Wildbahn, die den Winter für allerlei Instandhaltungsarbeiten nutzen.

Um aber ganz ehrlich zu sein: Ich muss eh noch an mir arbeiten. Denn irgendwie stellt sich jede meiner blöden Ideen im Laufe ihrer Durchführung dann doch noch als ziemlich gut heraus. Immerhin hatte ich diese wirklich wunderbare Anlage praktisch für mich alleine - und Einiges mit etwas konventionellerem Appeal gab es dann doch zu sehen:

Beispielsweise ein wirklich prächtiges Tropenhaus, in dem ausgefallene Spezies subtropischer und tropischer, zumeist heimischer, Flora thematisch zusammengestellt sind. Hier der Blick vom etwa 30 Meter hohen "Aussichtsturm" im Inneren des auch architektonisch sehenswerten Gebäudes.

Eingepackt in warmes Wintergewand bestaunte ich bei 32 Grad Innentemperatur - dem Hitzekollaps nahe - tropische Früchte vor ihrem Weg zum Billa - wie diese Papayas.

Ich sah beeindruckende Palmen aller Größen, Farben und Formen ...

... und überall Blüten - auch unterirdisch, mitten in der aufwändig gestalteten Höhlenanlage.

Doch auch außerhalb der Glashäuser gab es genug Schönes. In den Subtropen verlieren bei weitem nicht alle Pflanzen ihre Blätter - und manche bleiben originellerweise den ganzen Winter über herbstlich bunt.

Zwischendrinnen kann man schließlich immer wieder die ausgesprochen ästhetischen Bewegungen Taichi übender älterer Damen und Herren beobachten.

Auf jeden Fall sehr entspannend das Ganze, und ich werde mir das ganz sicher im Frühling noch einmal geben, wenn der gesamte Park in Blüte steht.

Samstag, 27. September 2008

Brautstau im Park

Gestern ist etwas Merkwürdiges passiert: Shanghai kam offenbar zum Schluss, europäischer Herbst wäre schick, und hat das Wetter einfach völlig umgestellt. Die Sonne strahlt durch kristallklare Luft, keine Spur von Schwüle und ... 22 Grad! Zum ersten Mal, seit ich in China bin, ist mir nicht ununterbrochen heiß. Es fühlt sich an wie ein schöner Herbsttag in Österreich. Und sieht auch so aus - nur halt mit mehr Chinesen. Es ist ganz ungewohnt, auch anspruchsvollere körperliche Belastungen - wie Uhraufziehen oder Schnäuzen - ohne zu schwitzen auf sich nehmen zu können.

Der Ritt zum Park
Ich beschloss, dies auszunutzen. So habe ich denn gleich Ende der Vorlesungen (denn dieses Wochenende arbeiten wir durch, damit wir anschließend eine volle Woche Urlaub anlässlich des National Day genießen können) meinen Hintern der Wissenschaft geopfert. Und zwar in der Form, dass ich den ziemlich langen Weg zum Gongqing Forest Park eigenfüßig radelnd zurücklegte. Eigentlich aber eben eher eigenärschlings, denn letzterer Körperteil litt gehörig unter meinem schlechten Sattel.
Was dieser Gongqing Forest Park ist? Nun, das wusste ich eben auch nicht, daher ja meine Forschungsreise. Weit weg ist er. Denn er liegt am Ufer des Huangpu River, und der wiederum ist gut 10 Kilometer entfernt von meinem Dorm. Das mag vielleicht nicht nach unendlichen Weiten klingen, aber wir sprechen nicht von reizenden, verlassenen Landstraßen an deren Rändern munter die Vögelein zwitschern, sondern wir reden von chinesischem Vorstadtverkehr und Straßen mit Schlaglöchern, in deren jedem ich samt Rad vollständig versenkt werden kann.

Ruhe in Shanghai: Der Gongqing Forest Park
Es stellte sich heraus: Dieser Park ist eine über 150 Hektar große Grünfläche mit unterschiedlichsten Komponenten - von Bambushainen über ein be-Booterl-bares Kanalsystem bis zum Steingarten. Und ruhig ist es dort. Vollkommen friedlich. Ich war begeistert. Ein wunderschöner, geradezu linder Tag - und wie oft kann man schon dieses schöne Wort benützen? - und dann noch ein solch beschaulicher Ort, voll der Natur, ohne Menschen - und das im Stadtgebiet von Shanghai.

Das schönste Foto des Lebens
Doch es wäre nicht China, wenn man nicht kreative Möglichkeiten gefunden hätte, auch an diesem Orte Staus zu produzieren. Dies geschieht, indem man sämtliche junge Brautpaare der Stadt inklusive Verwandtschaft und eines vollständigen Fotografen-Stabs gleichzeitig in den Park karrt und dort an den schönsten Punkten zur romantischen Hochzeitsfoto-Session aufeinanderstapelt. Und da romantische Flecken rar sind, fand ich mich konfrontiert mit dem für ungeschulte, europäische Augen so gar nicht romantischen Bild in einer Art Reihe wartender, gelangweilt lümmelnder Bräute und Brautigame sowie Fotografen inklusive Beleuchter und Equipment, während jeweils ein glückliches Paar sich in künstlerischen Posen auf Steinen, Bänken oder Bäumen räkeln durfte, um solchermaßen natürlich-glücklich als optisch erfrischender Hintergrund für künftige Ehestreitereien daheim festgehalten zu werden.


Ich darf meinen gleichermaßen entspannenden wie anthropologisch-lehrreichen Ausflug hier optisch ein wenig untermalen:




Schon die Anreise mit dem Fahrrad entbehrt nicht einer gewissen Ästhetik: Malerisch verziert herrenlose Unterwäsche ansonsten schmucklose Mauern ...



... die Freizeitgestaltung findet vorwiegend auf der Straße statt, um farbliche und soziale Akzente zu setzen ...

... und schließlich soll niemand behaupten, dass klassische chinesische Architektur in Shanghai nicht auch ihren Platz findet.

Im Park selbst wird das Auge des Entspannungssuchenden dann erfreut von mannigfaltigen Spielarten chinesischer Hortikultur: Hier gibt es Steingärten mit ausdrucksstarken Formen ...

... wildwachsende, farbenfrohe Pflanzen, die man im Wienerwald vergeblich sucht ...

... friedvolle Bambushaine ...

... naturbelassene Wasserszenarien ebenso ...

... wie Seen, die den Bootsfahrern oder Anglern zur Verfügung stehen.
Nur die schönsten Plätze des riesigen Parkes aber werden von den Fotografen als für Hochzeitsfotos tauglich ausgewählt ...

... wie beispielsweise hier das "Scenic View of the Huangpu River", wo junge Eheleute den schönsten Tag ihres Lebens in dieser ganz besonderen Umgebung für die Ewigkeit festhalten lassen.