Ich habe erfahren, dass die gesamte Blogspot-Plattform tatsächlich von offizieller Seite gesperrt wurde. Dies ist nicht gerade eine großartige Unterstützung betreffend meine ständigen Appelle, was für ein wunderbares Land dies wäre. Aber na gut, dann machen wir halt ohne Bilderchen und sonstigen Formatierungen weiter. Stellt’s Euch diese Pixelwüste einfach als gelegentlich von einem Bonanza der Farben unterbrochen vor. Wozu hat man schließlich Phantasie.
Heute geht’s um meinen kleinen Wochenend-Trip nach Ningbo. Der war überraschend. Allerdings auf ganz andere Weise als gedacht. Und das ist ja dann immer umso überraschender.
Schon bei der Hinfahrt im Zug, als ich mit einer Schulklasse aus Neunzehnjährigen (mal wieder) gemeinsam ein paar Lieder sang, merkte ich: Etwas ist anders. Drehte sich doch tatsächlich ein Herr zu uns um und ermahnte zur Ruhe(!). Normalerweise ist dies der Chinesen größte Angst: Ruhe. Und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass in diesem Land alles getan wird, um nicht unnötige Lautlosigkeit einreißen zu lassen. Überall hupt es, schreit es, kracht, hämmert, dröhnt und röhrt es, dass es nur so eine Freude ist. Selbst die Automotoren sind hier mindestens dreimal so laut wie daheim. Und im Zug um Ruhe gebeten - anstatt angefeuert - zu werden, das kannte ich bisher nur aus Europa!
Nun liegt Ningbo, die Stadt der drei Flüsse und der größte Tiefseehafen Chinas, in der reichsten aller Provinzen: Zhejiang. Etwa so groß wie Österreich - allerdings mit siebenmal so vielen Einwohnern - werden die Menschen dieser Provinz in ganz China für ihre Cleverness und ihren Reichtum bewundert, und für ihre sprichwörtliche Arroganz vernadert.
Bei meiner Ankunft empfing mich brütende Hitze, und als ich so bei 33 Grad durch Ningbos Straßen floss, bewunderte ich die modernsten und saubersten Straßen, die ich bisher in China gesehen hatte – mit Ausnahme vielleicht von Hong Kong.
Und noch etwas verwunderte mich: Nie zuvor in China (wiederum mit Ausnahme von Hong Kong) sah ich eine derartige Konzentration von Westlern. Es gibt in dieser Stadt ein eigenes Viertel voll mit Bars, Restaurants und Clubs, das zu etwa drei Vierteln von Angehörigen der europiden Rasse bevölkert wird: „Laowai Tan“, etwa: „Straße der Ausländer“ - ein Wortspiel mit Bezug auf Shanghais berühmten „Bund“ (auf Chinesisch: „Wai Tan“).
Dort drückt man mir gleich einen Flyer in die Hand:
„Ningbo Food 2 U – Food Delivery Website for Foreigners who live in Ningbo“
Ein Service für jene, die nicht imstande oder willens sind, genug Chinesisch zu lernen, um ein paar Gerichte zu bestellen. Auch die Auswahl an Lokalen, die durch diese Firma repräsentiert werden, zeugt von großer Offenheit seitens der Klientel gegenüber der hiesigen Kulinarik: McDonald’s, Papa Jones Pizza, New York Pizza, Starbucks Coffee und Häagen-Dasz garantieren, dass wir in dieser Stadt mit dem feinsten, was unsere westlichen Länder an Speisen zu bieten haben, versorgt werden und uns gar nicht erst mit der chinesischen Küche befassen müssen. Das verwirrt nur.
Ganz entsprechend dieser erfrischenden Geisteshaltung, erfreut mich auch die Klientel dieser Gegend: wohlbeleibte westliche Herren von wenig ansprechendem Äußeren in ihren 40ern, kurzen Hosen und Schlapfen, nüchtern oder auch gerne in besoffenem Zustand – überwiegendenfalles aber in Begleitung auffallend hübscher, zumeist deutlich jüngerer Chinesinnen. Welch wundervoller Beweis, dass wahre Liebe auch über Sprachgrenzen hinweg funktioniert!
Trotz des mich angesichts dessen spontan würgenden Brechreizes und akuten Fremdschämens, betrete ich eine Bar, in der Live-Musik angekündigt wird. Diese überrascht mich – denn eine philipinische Band geigt gar großartig auf: Rolling Stones, Mister Mister und ähnliche Rockklassiker werden mit großem Können und unglaublichen Stimmen zum besten gegeben; und gerade als ich mich darüber freue, dass selbst diese Gegend etwas Nettes zu bieten hat, betritt Koarl als "Gastsänger" die Bühne.
Hier heißt er Garry, ist sogar noch blader, natürlich ein „very good friend“ des Sängers, spricht nach Jahren in Ningbo kein Wort Chinesisch und - frohlocket! - gibt Elvis Presley. Die Stimme ist nicht schlecht – doch man grooved, man rockt, man swingt, ist für einen 55-Jährigen überhaupt ausgesprochen cool … aber generell gesprochen ist ein derart massiver Hüftschwung nicht das letzte Bild, das ich von diesem Tag mit nach Hause nehmen möchte. Daher verlasse ich die Bar bald, und genieße noch einen Abendspaziergang.
Dieser, sowie eine Besichtigung der restlichen Stadt am nächsten Tag, versöhnen mich mit diesem ansonsten sehr schönen und sympathischen Ort. Für die Heimfahrt erstehe ich ein Busticket, da ich auf diese Weise die mit 35 Kilometern längste Brücke der Welt überqueren kann – und die ist ausgesprochen beeindruckend. (Das fetzt jetzt ohne Fotos natürlich wahnsinnig.)
Für meinen nächsten Ausflug aber werde ich versuchen, einen Ort auszuwählen, der ein bisschen weniger koarlt. Bei aller Liebe … ich bin in China, und nicht in Simmering.
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Dienstag, 19. Mai 2009
Samstag, 11. April 2009
Go West - VIII: Koko Nor ... am Ziel
Mein Traum, einmal quer durch China zu reisen, reicht - soweit ich mich erinnern kann - etwa 20 Jahre zurueck. Und seit ich vor etwa fuenf Jahren das Buch "Red Dust" von Ma Jian gelesen habe, steht auch das ultimative Ziel fest: Dieser Mann beschreibt seine dreijaehrige Reise durch ganz China. Das Kapitel, in dem er den Koko Nor erreicht, sich in der Wildnis an dessen Ufern verirrt und von Nomaden gerade noch vor dem Verdursten gerettet wird, hat mich enorm beeindruckt. Wie er diesen See und die ihn umgebende Landschaft beschreibt - das hat mich nicht mehr losgelassen.
Nun bin ich ja so einer, der stundenlang vor Welt- und Landkarten sitzen kann. Mit dem Finger reise ich durch die entlegensten Regionen und frage mich, wie es dort aussehen koennte. (Und bevor wer fragt: Nein, Trainspotting gehoert nicht zu meinen Hobbies.) Seit es Google Earth gibt, ist dieses Spiel natuerlich noch lustiger geworden. Doch nicht nur sieht aus der Luft sowieso alles anders aus, den Satelliten fuer sich reisen zu lassen ist einfach nicht dasselbe.
Seitdem hat es meinen Finger - mit meinen Augen im Schlepptau - immer wieder und wieder in jene entlegene Ecke Chinas gefuehrt, wo dieser Salzsee von der Groesse Ostoesterreichs liegt. Ich wollte dort unbedingt einmal hin. Gleichzeitig wusste ich: Jemand, den selbst die Sommerfrische im Waldviertel organisatorisch an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, wird das wohl niemals schaffen. Selbst die Chinesen wissen oft nicht, wo die Provinz Qinghai liegt - geschweige denn deren See.
Wie ich das Reisen "geuebt" habe, wie ich mich langsam immer weiter vorgetastet habe, um die nervlichen Voraussetzungen zu erwerben, die fuer das Erreichen dieses meines Zieles notwendig waren, das (unter anderem) dokumentiert dieses Blog.
Und heute war es soweit.
Suboptimale Voraussetzungen
Natuerlich waere es nicht ich, wenn nicht zunaechst einmal etwas schiefgehen wuerde. Um 7 Uhr morgens stehe ich - zaehndputzt und kampelt - vor meinem Hotel und warte auf den Bus.
Um 8 Uhr stehe ich immer noch da, als vielbewunderter Mittelpunkt des lebendigen Treibens auf der Strasse, und bin schon mal praeventiv extrem enttaeuscht, dass ich offenbar mein grosses Ziel doch nicht erreichen werde. Immerhin hatte ich bei der Buchung dran gedacht, mir die Visitenkarte der Angestellten geben zu lassen. Ich erklaere einer Hotelbediensteten, dass mein Chinesisch am Telefon sogar noch schlechter sei als live und bitte sie daher, fuer mich anzurufen und nachzufragen.
Es stellt sich heraus: Der Busfahrer hat mich nicht boswillig vergessen, sondern lediglich Verspaetung, da noch 13 andere Tourmitglieder in der ganzen Stadt eingesammelt werden muessen. Waehrend ich warte, laedt man mich hotelseitig netterweise auf ein Fruehstueck ein.
Als ich gerade mitten im schoensten Essen bin, faehrt ein winziger Bus mit ausschliesslich chinesischen Insassen vor, von denen ich beim Einsteigen ausgiebig bestaunt werde.
Irgendein Palast
Wir fahren los, und die nette junge Reisefuehrerin erklaert Interessantes ueber Qinghai, Xining und die vielen Minderheiten, die hier leben. Ich bin sehr erstaunt, wieviel ich davon verstehe. Sogar bei den Ratespielen - einer typisch chinesischen Form der Fremdenfuehrung - kann ich teilweise mitmachen, auch wenn die Chinesen frustrierenderweise mehr ueber ihr Land wissen als ich und die Sprache deutlich besser beherrschen.
Die Strassenschilder auf der Fahrt sind - wo vorhanden - uebrigens stets zweisprachig: tibetisch und chinesisch. In gewissen, ach so entwickelten Laendern mit ueberlegener Minderheitenpolitik soll es Bundeslaender geben, die nicht einmal das schaffen.
Erst als wir an einer offensichtlich zu hundert Prozent See-freien Stelle anhalten, wird mir bewusst, dass es auf der Fahrt anscheinend mehrere Stopps gibt. In einem ueberraschend modernen Oertchen ragt vor mir ein tibetischer Palast auf, und wir nehmen an einer Fuehrung teil. Da ich von dieser so gut wie gar nichts verstehe, nehme ich mir vor, nach meiner Rueckkehr erstmal zu recherchieren, was ich da eigentlich sehe. Drinnen gibt es jedenfalls riesengrosse, bunte Statuen von den Gruendern und wichtigen Meistern der einzelnen buddhistischen Sekten.
Weiterfahrt zur offiziellen Jade
Die Strasse fuehrt auf der gesamten Strecke stetig bergauf - wir bewegen uns nun durch immer ueberirdischere Landschaften ganz hinauf auf das Tibet-Qinghai-Hochplateau, an dessen Rand Xining liegt. Bald gibt es gar keine richtigen Siedlungen mehr, sondern nur noch verstreute, einsame Lehmhuetten der hier fast ausschliesslich tibetischen Bevoelkerung sowie vereinzelte Zelte der Nomaden.
Mitten im schoensten Nichts halten wir ploetzlich bei einer Art Halle, wo man uns statt der von mir schon befuerchteten Heizdecken die beruehmte Qinghai-Jade verkaufen moechte. Ich finde das so schraeg, dass ich ein Armband erstehe. Irgendein Andenken an Qinghai brauche ich schliesslich - und es ist immerhin die offizielle Jade der Olympischen Spiele, wenn ich die Leutchen dort recht verstehe. (Weiss jemand, wofuer man offizielle Jade verwendet?) Als Dank fuer den Kauf haengt man mir eine Art gelben Schal um. Warum auch immer. Kalt genug waere es ja.
Sonne, Mond und Kopfweh
Dann geht es hinauf auf den Ri Yue Shan - den Sonnen-und-Mond-Berg. Ich wusste gar nicht, dass uns unsere Tour bis auf knapp 3.600 Meter Seehoehe fuehren wuerde - immerhin fast so hoch wie der Gipfel des Grossglockners. Ja, was fuer lustige Ueberraschungen man erleben kann, wenn man bei der Buchung einer Reise nur maximal 50% versteht.
Die Aussicht auf die endlose, braune Hochebene, schneebedeckte Bergketten, und bizarre, rundliche Huegelformationen, die unglaubliche Weite und Einsamkeit - abgesehen von vereinzelten Stupas und Gebetsfahnen - sowie der ueberall grasenden Yaks und Schafe, ist atemberaubend. Die Hoehe uebrigens auch - im Schneckentempo keuchen wir einige Stufen zu einem Aussichtspunkt hinauf; Schwindel und Kopfweh sagen mir, dass in dieser Hoehe offenbar bereits leichte Symptome von Hoehenkrankheit moeglich sind. Doch weder das noch die wirklich anhaenglichen tibetischen Verkaeufer von Jadeamuletten und Mini-Gebetsmuehlen koennen die unglaublichen Eindruecke verderben, die diese Landschaft vermittelt.
Wir fahren wieder "hinunter" auf 3.000 Meter - in dieser Hoehe liegt das endlose Hochplateau des Koko Nor. Ploetzlich taucht ein niedliches Staedtchen vor uns auf - wiederum vertraue ich meinem chinesischen Hoerverstaendnis nur bedingt, aber ich glaube, es handelt sich um die erste solche Siedlung, die auf der Hochebene errichtet wurde. Dort verkosten wir getrocknetes Yakfleisch und Buttertee - beides uebrigens ausgezeichnet. Ich beschraenke mich beim Einkauf allerdings auf ein Paeckchen gebratener Gerste - ein Hauptnahrungsmittel der lokalen Bevoelkerung. Sie (die Gerste, nicht die Bevoelkerung) schmeckt mir so gut, dass ich jetzt die Mutter aller Kiefermuskelkater mein eigen nenne.
Am Ziel
Lange Zeit hatte ich vor der Fahrt ueber der Karte von Qinghai gebruetet und eruiert, dass die einzige Strasse der Gegend an der Nordseite des Sees entlang fuehrt. Der See liegt also suedlich. Man muss nun wissen, dass der Koko Nor auch gleichzeitig der westlichste Punkt meiner Reise ist - noch einmal 150 Kilometer westlich von Xining - somit wuerde bei unserer Fahrt im Bus die linke Fensterseite den Ausblick auf den See gewaehrleisten, weshalb ich mich in weiser Voraussicht an ebendiese platziert hatte.
Gut vorausgedacht. Nur zwei Probleme gibt es damit. Das erste ist, dass Chinesen, sobald sich unter ihnen etwas anderes als Kakerlaken bewegt, sofort in Tiefschlaf fallen. An meiner suedlichen Fensterseite lacht die Sonne ins Innere des Busses. Und ausgerechnet der vor mir sitzende Gentleman aus Chengdu, Sichuan, ist ein wenig lichtempfindlich, und - RATSCH - wird der Vorhang vorgezogen, der auch meinen Fensteranteil bedeckt. Gut, nicht so schlimm, linse ich eben durch den leicht angehobenen Vorhang auf die Landschaft, die offenbar als nicht inkludiertes Reiseziel fuer meine lieben Mittouristen uninteressant ist.
Und dann taucht vor mir der See auf.
Ich weiss nicht, wer ueber Nacht entweder die Strasse oder den See verlegt hat, aber aus irgendeinem Grund liegt er noerdlich von uns - und ich sitze auf der falschen Seite.
Das aendert nichts daran, dass dies fuer mich ein wirklich beruehrender Augenblick ist. Das Ziel meiner Traeume ploetzlich so real vor mir zu sehen, ist ein Wahnsinnsgefuehl!
Fuer die anderen mag das Trockenfleisch aus dem Plastiksackerl mehr Aufmerksamkeit verdienen - ich hingegen klebe quer ueber Sitzbank und Mittelgang am gegenueberliegenden Fenster und erreiche, stetig knipsend, locker Foto Nummer 600 dieser Reise. (Ich freu mich schon auf die Auswahlprozedur ]:P ... die Fruechte dieser meiner noch vor mir liegenden Augias-Arbeit werdet ihr dann uebrigens hoffentlich noch kommende Woche bewundern koennen.)
Auf der Strasse beobachte ich vereinzelte, tibetische Pilger, die zu Fuss - und sich Mannslaenge fuer Mannslaenge hinwerfend - den Weg bis Lhasa zuruecklegen, hinter ihnen ziehen ihre Familienangehoerigen kleine Waegen voll Hab und Gut.
Der See oeffnet sich nun in seiner gesamten Groesse, und da man die gegenueberliegenden Ufer trotz kristallklarer Hoehenluft nicht sehen kann, wirkt er wie ein Meer.
In einem der wenigen kleinen Oertchen direkt am See halten wir, um gemeinsam Mittag zu essen. Danach spazieren wir zum Ufer. Ich plaudere mit einem Reisekollegen aus Nanjing, der in Shanghai arbeitet. Nach dem obligaten Visitkartenaustausch unterstuetzt er mich bei meinem hysterischen Versuch, diesen Moment des Erreichens festzuhalten: Clemens winkend am Strand, Clemens grinsend vor einer Statue, Clemens laessig auf einem Stein, Clemens lustvoll im Wasser pritschelnd, Clemens das Wasser kostend und den Salzgehalt eruierend, ...
Extrem peinlich.
Aber ich habe das Beduerfnis, moeglichst viele handfeste Andenken an die Erfuellung meines Traumes mitzunehmen. Da das zunaechst angedachte Austrinken des Sees zwecks vollstaendiger Mitnahme an mangelndem Durst scheitert, fische ich stattdessen einen Stein direkt aus dem eisigen Wasser.
Ein Bummerl in der Wueste
Auf der Rueckfahrt erlebe ich noch eine Ueberraschung: Mir war nicht bewusst, dass der See auch an eine Hochwueste grenzt ... richtig mit Sand, Duenen, Kamelen und allem Drum und Dran. So verschiesse ich endgueltig die letzten Stromreste der Batterie meines Fotoapparates, bevor wir die zweistuendige Fahrt zurueck nach Xining antreten: totmuede, aber gluecklich.
Als meine, mir mittlerweile ans Herz gewachsenen, Mittouristen meinen, sie muessten mittels Bordmikrophon Lieder zum besten geben, um sich die Zeit zu vertreiben, schwant mir Uebles.
Und so zieht draussen die einsame, endlose Wildnis des Hochlandes friedlich vorueber, waehrend im Inneren des Busses der "auslaendische Freund" wieder einmal "Ana hot imma des Bummerl" in Stadionlautstaerke zum besten geben muss, begleitet vom frenetischen Jubel von Menschen aus allen Teilen Chinas, die zum Glueck keine Ahnung haben, wie das Lied eigentlich klingen sollte.
Nun bin ich ja so einer, der stundenlang vor Welt- und Landkarten sitzen kann. Mit dem Finger reise ich durch die entlegensten Regionen und frage mich, wie es dort aussehen koennte. (Und bevor wer fragt: Nein, Trainspotting gehoert nicht zu meinen Hobbies.) Seit es Google Earth gibt, ist dieses Spiel natuerlich noch lustiger geworden. Doch nicht nur sieht aus der Luft sowieso alles anders aus, den Satelliten fuer sich reisen zu lassen ist einfach nicht dasselbe.
Seitdem hat es meinen Finger - mit meinen Augen im Schlepptau - immer wieder und wieder in jene entlegene Ecke Chinas gefuehrt, wo dieser Salzsee von der Groesse Ostoesterreichs liegt. Ich wollte dort unbedingt einmal hin. Gleichzeitig wusste ich: Jemand, den selbst die Sommerfrische im Waldviertel organisatorisch an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, wird das wohl niemals schaffen. Selbst die Chinesen wissen oft nicht, wo die Provinz Qinghai liegt - geschweige denn deren See.
Wie ich das Reisen "geuebt" habe, wie ich mich langsam immer weiter vorgetastet habe, um die nervlichen Voraussetzungen zu erwerben, die fuer das Erreichen dieses meines Zieles notwendig waren, das (unter anderem) dokumentiert dieses Blog.
Und heute war es soweit.
Suboptimale Voraussetzungen
Natuerlich waere es nicht ich, wenn nicht zunaechst einmal etwas schiefgehen wuerde. Um 7 Uhr morgens stehe ich - zaehndputzt und kampelt - vor meinem Hotel und warte auf den Bus.
Um 8 Uhr stehe ich immer noch da, als vielbewunderter Mittelpunkt des lebendigen Treibens auf der Strasse, und bin schon mal praeventiv extrem enttaeuscht, dass ich offenbar mein grosses Ziel doch nicht erreichen werde. Immerhin hatte ich bei der Buchung dran gedacht, mir die Visitenkarte der Angestellten geben zu lassen. Ich erklaere einer Hotelbediensteten, dass mein Chinesisch am Telefon sogar noch schlechter sei als live und bitte sie daher, fuer mich anzurufen und nachzufragen.
Es stellt sich heraus: Der Busfahrer hat mich nicht boswillig vergessen, sondern lediglich Verspaetung, da noch 13 andere Tourmitglieder in der ganzen Stadt eingesammelt werden muessen. Waehrend ich warte, laedt man mich hotelseitig netterweise auf ein Fruehstueck ein.
Als ich gerade mitten im schoensten Essen bin, faehrt ein winziger Bus mit ausschliesslich chinesischen Insassen vor, von denen ich beim Einsteigen ausgiebig bestaunt werde.
Irgendein Palast
Wir fahren los, und die nette junge Reisefuehrerin erklaert Interessantes ueber Qinghai, Xining und die vielen Minderheiten, die hier leben. Ich bin sehr erstaunt, wieviel ich davon verstehe. Sogar bei den Ratespielen - einer typisch chinesischen Form der Fremdenfuehrung - kann ich teilweise mitmachen, auch wenn die Chinesen frustrierenderweise mehr ueber ihr Land wissen als ich und die Sprache deutlich besser beherrschen.
Die Strassenschilder auf der Fahrt sind - wo vorhanden - uebrigens stets zweisprachig: tibetisch und chinesisch. In gewissen, ach so entwickelten Laendern mit ueberlegener Minderheitenpolitik soll es Bundeslaender geben, die nicht einmal das schaffen.
Erst als wir an einer offensichtlich zu hundert Prozent See-freien Stelle anhalten, wird mir bewusst, dass es auf der Fahrt anscheinend mehrere Stopps gibt. In einem ueberraschend modernen Oertchen ragt vor mir ein tibetischer Palast auf, und wir nehmen an einer Fuehrung teil. Da ich von dieser so gut wie gar nichts verstehe, nehme ich mir vor, nach meiner Rueckkehr erstmal zu recherchieren, was ich da eigentlich sehe. Drinnen gibt es jedenfalls riesengrosse, bunte Statuen von den Gruendern und wichtigen Meistern der einzelnen buddhistischen Sekten.
Weiterfahrt zur offiziellen Jade
Die Strasse fuehrt auf der gesamten Strecke stetig bergauf - wir bewegen uns nun durch immer ueberirdischere Landschaften ganz hinauf auf das Tibet-Qinghai-Hochplateau, an dessen Rand Xining liegt. Bald gibt es gar keine richtigen Siedlungen mehr, sondern nur noch verstreute, einsame Lehmhuetten der hier fast ausschliesslich tibetischen Bevoelkerung sowie vereinzelte Zelte der Nomaden.
Mitten im schoensten Nichts halten wir ploetzlich bei einer Art Halle, wo man uns statt der von mir schon befuerchteten Heizdecken die beruehmte Qinghai-Jade verkaufen moechte. Ich finde das so schraeg, dass ich ein Armband erstehe. Irgendein Andenken an Qinghai brauche ich schliesslich - und es ist immerhin die offizielle Jade der Olympischen Spiele, wenn ich die Leutchen dort recht verstehe. (Weiss jemand, wofuer man offizielle Jade verwendet?) Als Dank fuer den Kauf haengt man mir eine Art gelben Schal um. Warum auch immer. Kalt genug waere es ja.
Sonne, Mond und Kopfweh
Dann geht es hinauf auf den Ri Yue Shan - den Sonnen-und-Mond-Berg. Ich wusste gar nicht, dass uns unsere Tour bis auf knapp 3.600 Meter Seehoehe fuehren wuerde - immerhin fast so hoch wie der Gipfel des Grossglockners. Ja, was fuer lustige Ueberraschungen man erleben kann, wenn man bei der Buchung einer Reise nur maximal 50% versteht.
Die Aussicht auf die endlose, braune Hochebene, schneebedeckte Bergketten, und bizarre, rundliche Huegelformationen, die unglaubliche Weite und Einsamkeit - abgesehen von vereinzelten Stupas und Gebetsfahnen - sowie der ueberall grasenden Yaks und Schafe, ist atemberaubend. Die Hoehe uebrigens auch - im Schneckentempo keuchen wir einige Stufen zu einem Aussichtspunkt hinauf; Schwindel und Kopfweh sagen mir, dass in dieser Hoehe offenbar bereits leichte Symptome von Hoehenkrankheit moeglich sind. Doch weder das noch die wirklich anhaenglichen tibetischen Verkaeufer von Jadeamuletten und Mini-Gebetsmuehlen koennen die unglaublichen Eindruecke verderben, die diese Landschaft vermittelt.
Wir fahren wieder "hinunter" auf 3.000 Meter - in dieser Hoehe liegt das endlose Hochplateau des Koko Nor. Ploetzlich taucht ein niedliches Staedtchen vor uns auf - wiederum vertraue ich meinem chinesischen Hoerverstaendnis nur bedingt, aber ich glaube, es handelt sich um die erste solche Siedlung, die auf der Hochebene errichtet wurde. Dort verkosten wir getrocknetes Yakfleisch und Buttertee - beides uebrigens ausgezeichnet. Ich beschraenke mich beim Einkauf allerdings auf ein Paeckchen gebratener Gerste - ein Hauptnahrungsmittel der lokalen Bevoelkerung. Sie (die Gerste, nicht die Bevoelkerung) schmeckt mir so gut, dass ich jetzt die Mutter aller Kiefermuskelkater mein eigen nenne.
Am Ziel
Lange Zeit hatte ich vor der Fahrt ueber der Karte von Qinghai gebruetet und eruiert, dass die einzige Strasse der Gegend an der Nordseite des Sees entlang fuehrt. Der See liegt also suedlich. Man muss nun wissen, dass der Koko Nor auch gleichzeitig der westlichste Punkt meiner Reise ist - noch einmal 150 Kilometer westlich von Xining - somit wuerde bei unserer Fahrt im Bus die linke Fensterseite den Ausblick auf den See gewaehrleisten, weshalb ich mich in weiser Voraussicht an ebendiese platziert hatte.
Gut vorausgedacht. Nur zwei Probleme gibt es damit. Das erste ist, dass Chinesen, sobald sich unter ihnen etwas anderes als Kakerlaken bewegt, sofort in Tiefschlaf fallen. An meiner suedlichen Fensterseite lacht die Sonne ins Innere des Busses. Und ausgerechnet der vor mir sitzende Gentleman aus Chengdu, Sichuan, ist ein wenig lichtempfindlich, und - RATSCH - wird der Vorhang vorgezogen, der auch meinen Fensteranteil bedeckt. Gut, nicht so schlimm, linse ich eben durch den leicht angehobenen Vorhang auf die Landschaft, die offenbar als nicht inkludiertes Reiseziel fuer meine lieben Mittouristen uninteressant ist.
Und dann taucht vor mir der See auf.
Ich weiss nicht, wer ueber Nacht entweder die Strasse oder den See verlegt hat, aber aus irgendeinem Grund liegt er noerdlich von uns - und ich sitze auf der falschen Seite.
Das aendert nichts daran, dass dies fuer mich ein wirklich beruehrender Augenblick ist. Das Ziel meiner Traeume ploetzlich so real vor mir zu sehen, ist ein Wahnsinnsgefuehl!
Fuer die anderen mag das Trockenfleisch aus dem Plastiksackerl mehr Aufmerksamkeit verdienen - ich hingegen klebe quer ueber Sitzbank und Mittelgang am gegenueberliegenden Fenster und erreiche, stetig knipsend, locker Foto Nummer 600 dieser Reise. (Ich freu mich schon auf die Auswahlprozedur ]:P ... die Fruechte dieser meiner noch vor mir liegenden Augias-Arbeit werdet ihr dann uebrigens hoffentlich noch kommende Woche bewundern koennen.)
Auf der Strasse beobachte ich vereinzelte, tibetische Pilger, die zu Fuss - und sich Mannslaenge fuer Mannslaenge hinwerfend - den Weg bis Lhasa zuruecklegen, hinter ihnen ziehen ihre Familienangehoerigen kleine Waegen voll Hab und Gut.
Der See oeffnet sich nun in seiner gesamten Groesse, und da man die gegenueberliegenden Ufer trotz kristallklarer Hoehenluft nicht sehen kann, wirkt er wie ein Meer.
In einem der wenigen kleinen Oertchen direkt am See halten wir, um gemeinsam Mittag zu essen. Danach spazieren wir zum Ufer. Ich plaudere mit einem Reisekollegen aus Nanjing, der in Shanghai arbeitet. Nach dem obligaten Visitkartenaustausch unterstuetzt er mich bei meinem hysterischen Versuch, diesen Moment des Erreichens festzuhalten: Clemens winkend am Strand, Clemens grinsend vor einer Statue, Clemens laessig auf einem Stein, Clemens lustvoll im Wasser pritschelnd, Clemens das Wasser kostend und den Salzgehalt eruierend, ...
Extrem peinlich.
Aber ich habe das Beduerfnis, moeglichst viele handfeste Andenken an die Erfuellung meines Traumes mitzunehmen. Da das zunaechst angedachte Austrinken des Sees zwecks vollstaendiger Mitnahme an mangelndem Durst scheitert, fische ich stattdessen einen Stein direkt aus dem eisigen Wasser.
Ein Bummerl in der Wueste
Auf der Rueckfahrt erlebe ich noch eine Ueberraschung: Mir war nicht bewusst, dass der See auch an eine Hochwueste grenzt ... richtig mit Sand, Duenen, Kamelen und allem Drum und Dran. So verschiesse ich endgueltig die letzten Stromreste der Batterie meines Fotoapparates, bevor wir die zweistuendige Fahrt zurueck nach Xining antreten: totmuede, aber gluecklich.
Als meine, mir mittlerweile ans Herz gewachsenen, Mittouristen meinen, sie muessten mittels Bordmikrophon Lieder zum besten geben, um sich die Zeit zu vertreiben, schwant mir Uebles.
Und so zieht draussen die einsame, endlose Wildnis des Hochlandes friedlich vorueber, waehrend im Inneren des Busses der "auslaendische Freund" wieder einmal "Ana hot imma des Bummerl" in Stadionlautstaerke zum besten geben muss, begleitet vom frenetischen Jubel von Menschen aus allen Teilen Chinas, die zum Glueck keine Ahnung haben, wie das Lied eigentlich klingen sollte.
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Dienstag, 2. Dezember 2008
Warum ist das so?
Jede Woche, von Montag bis Freitag, besuche ich zwanzig Stunden Vorlesungen, aufgeteilt auf vier Fächer mit Fokus auf Schreiben, Lesen, Sprechen und Hörverständnis. In jedem dieser Fächer lernen wir neue Vokabeln und Schriftzeichen, die ich vor der jeweiligen Stunde lerne – zusätzlich gibt es noch Aufgaben zu erledigen und Grammatik zu verstehen. Pro Woche investiere ich etwa 35 – 40 Stunden in das reine, formale Erlernen der chinesischen Sprache.
Darüber hinaus treffe ich mich jeden Montag und Donnerstag um 20.30 Uhr mit Li Nan, meiner Sprachpartnerin, und arbeite üblicherweise jeweils etwa zwei Stunden lang. Dabei konzentriere ich mich vorwiegend darauf, möglichst viel aktiv zu sprechen und die Dinge, die sie sagt, zu verstehen. Außerdem hilft sie mir bei Fragen und Problemen.
In den hiesigen Buchgeschäften gibt es eine unglaubliche Auswahl an Lernmaterialien. Neben jenen vier Lehrbüchern, die Grundlage für das Level C sind, habe ich weitere Arbeitsunterlagen besorgt, in denen ich immer wieder herumblättere und schmökere.
Jedes der neuen Vokabel schreibe ich sowohl in ein Heft, um sie alle an einer Stelle zu sammeln, sowie auf separate Kärtchen, um mich besser abprüfen zu können.
Jedes der neuen Schriftzeichen wird aus dem gleichen Grund in eine Liste aufgenommen und ebenso auf ein Kärtchen geschrieben. Der Arbeitsaufwand dafür ist enorm.
Auf dem Nachtkästchen neben meinem Bett liegen zwei Romane zeitgenössischer chinesischer Autoren („The Blood Merchant“ von Yu Hua und „Waiting“ von Ha Jin), und weitere warten schon darauf, gelesen zu werden. Außerdem liegen dort jeweils ein Fachbuch zur chinesischen Geschichte und Kultur und eines mit historischen Hintergründen zu und wissenschaftlichen Analysen der chinesischen Sprache.
In meinem Buchregal stehen frisch gekaufte Bücher zu den Themen Kalligraphie und chinesische Malerei sowie eine Unmenge an lokalen Reiseführern, Atlanten und Straßenkarten. Direkt darunter liegt mein Kalligraphie-Werkzeug, mit dem ich hin und wieder ungeschickte Versuche unternehme. An der Wand über meinem Bett hängt eine große China-Landkarte.
Neben meinem Schreibtisch stehen mehrere CDs mit klassischer chinesischer Musik, außerdem lerne ich zurzeit einen süßlichen taiwanesischen Popsong auf der Gitarre zu spielen und zu singen.
In einem mitgebrachten chinesischen Kinderbuch kann ich mittlerweile schon einiges verstehen; das großartige Buch von Yu Hua plane ich noch einmal zu kaufen – im chinesischen Original. Als großes Ziel habe ich mir gesetzt, es irgendwann noch einmal zu lesen. Auf Chinesisch. Dafür muss ich mindestens doppelt so viele Schriftzeichen und Vokabeln beherrschen wie jetzt.
All dies tue ich nicht aus Gewissenhaftigkeit oder weil ich ein elender Streber bin – sondern weil es mir Spaß macht. Weil das Lernen dieser Sprache und das Kennenlernen dieser Kultur momentan sowohl meine Arbeit als auch meine Freizeit ist, sowohl meine größte Aufgabe als auch mein liebstes Hobby.
Hätte ich mich mit nur halb so viel Enthusiasmus meinem Astronomie-Studium gewidmet, wäre ich wahrscheinlich ein sehr guter Astronom geworden.
Ich wüsste gerne, warum das so ist …
Darüber hinaus treffe ich mich jeden Montag und Donnerstag um 20.30 Uhr mit Li Nan, meiner Sprachpartnerin, und arbeite üblicherweise jeweils etwa zwei Stunden lang. Dabei konzentriere ich mich vorwiegend darauf, möglichst viel aktiv zu sprechen und die Dinge, die sie sagt, zu verstehen. Außerdem hilft sie mir bei Fragen und Problemen.
In den hiesigen Buchgeschäften gibt es eine unglaubliche Auswahl an Lernmaterialien. Neben jenen vier Lehrbüchern, die Grundlage für das Level C sind, habe ich weitere Arbeitsunterlagen besorgt, in denen ich immer wieder herumblättere und schmökere.
Jedes der neuen Vokabel schreibe ich sowohl in ein Heft, um sie alle an einer Stelle zu sammeln, sowie auf separate Kärtchen, um mich besser abprüfen zu können.
Jedes der neuen Schriftzeichen wird aus dem gleichen Grund in eine Liste aufgenommen und ebenso auf ein Kärtchen geschrieben. Der Arbeitsaufwand dafür ist enorm.
Auf dem Nachtkästchen neben meinem Bett liegen zwei Romane zeitgenössischer chinesischer Autoren („The Blood Merchant“ von Yu Hua und „Waiting“ von Ha Jin), und weitere warten schon darauf, gelesen zu werden. Außerdem liegen dort jeweils ein Fachbuch zur chinesischen Geschichte und Kultur und eines mit historischen Hintergründen zu und wissenschaftlichen Analysen der chinesischen Sprache.
In meinem Buchregal stehen frisch gekaufte Bücher zu den Themen Kalligraphie und chinesische Malerei sowie eine Unmenge an lokalen Reiseführern, Atlanten und Straßenkarten. Direkt darunter liegt mein Kalligraphie-Werkzeug, mit dem ich hin und wieder ungeschickte Versuche unternehme. An der Wand über meinem Bett hängt eine große China-Landkarte.
Neben meinem Schreibtisch stehen mehrere CDs mit klassischer chinesischer Musik, außerdem lerne ich zurzeit einen süßlichen taiwanesischen Popsong auf der Gitarre zu spielen und zu singen.
In einem mitgebrachten chinesischen Kinderbuch kann ich mittlerweile schon einiges verstehen; das großartige Buch von Yu Hua plane ich noch einmal zu kaufen – im chinesischen Original. Als großes Ziel habe ich mir gesetzt, es irgendwann noch einmal zu lesen. Auf Chinesisch. Dafür muss ich mindestens doppelt so viele Schriftzeichen und Vokabeln beherrschen wie jetzt.
All dies tue ich nicht aus Gewissenhaftigkeit oder weil ich ein elender Streber bin – sondern weil es mir Spaß macht. Weil das Lernen dieser Sprache und das Kennenlernen dieser Kultur momentan sowohl meine Arbeit als auch meine Freizeit ist, sowohl meine größte Aufgabe als auch mein liebstes Hobby.
Hätte ich mich mit nur halb so viel Enthusiasmus meinem Astronomie-Studium gewidmet, wäre ich wahrscheinlich ein sehr guter Astronom geworden.
Ich wüsste gerne, warum das so ist …
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