Wenn eine statistisch relevante Teilmenge der Herrenrunde nach längerer Zeit des Nicht-Sehens in einem fernen Land aufeinander trifft, dann sind höchste interkulturelle Sensibilität, Offenheit für Unbekanntes und grenzenlose Begeisterung für die feineren Dinge des Lebens eine Selbstverständlichkeit. Als die Herren Schausberger und Kurzawa gestern nach einer Woche China-Aufenthalt wieder abreisten, hinterließen sie ein Land, das einfach ein kleines bisschen besser, reicher und schöner war als zuvor. Denn in einzigartiger Weise wussten wir das Positivste aus West und Ost harmonisch zu verbinden.
Schon am Ankunftstag tauchten wir so richtig ein in die chinesische Kultur: 8.30 Uhr morgens am Flughafen - Herr Schausberger, der als erster aus London angereist war, verspeist mit mir im Burgerking einen Whopper, während wir auf die Ankunft der Maschine Herrn Kurzawas aus Moskau warten. Auch das Frühstücksbier im benachbarten Irish Pub mundet vorzüglich - ja, so gut gar, dass wir besagten Herrn Kurzawa leider ein bisschen vergessen. Erst ein wohlmeinender Anruf seinerseits nach erfolgter Ankunft ("Heast, wo seids'n es bitte?!?!") holt uns zurück in die Ankunftshalle, und so können wir - etwas verspätet - mit einem kleinen Tränchen im Auge auch das älteste Mitglied der Herrenrunde in die Arme schließen.
Entsprechend asiatisch geht es in den folgenden Tagen weiter: Sei es ein Wurschtsalat im "Paulaner Bräu", eine Ciabatta im "Café Italia" oder Capuccino im Starbucks - die zwei Herren fürchten keines der kulinarischen Abenteuer dieses Landes!
Doch nicht nur Chinas Küche wird von der Herrenrunde ausgiebig erforscht, nein, auch die Kultur kommt nicht zu kurz: Ob Babyface, G+, Soho, De la Coast oder Windows - kaum ein Nightclub wird ausgelassen, kaum eine Bar von uns verschont.
Angesichts eines so dichten nächtlichen Besichtigungsprogramms könnte der Verdacht sich regen, wir wären des Tags leiser getreten. Weit gefehlt! Mit eiserner Disziplin erheben wir uns täglich frühmorgens um 14 Uhr aus unseren Betten, um erbarmungslosem Sightseeing zu frönen: Der Clothes Market wird aufgesucht (9 Maßhemden, 2 Maßanzüge), Straßenhändlern unser Vertrauen geschenkt (eine echte Rolex um 10 Euro), ausgesuchte Qualitätstechnologie erworben (ein iPhone um 60 Euro) sowie Chinas bekannte Markenware empirisch getestet (4 Paar Nike-Socken um 50 Cent).
Wer würde uns da zu früher Abendstunde ein wenig Entspannung missgönnen? Also lernt die Herrenrunde die Freuden chinesischer Massage kennen (O-Ton Schausberger: "Ab heute lasse ich mich nur noch mit 'Majestät' ansprechen!"), ebenso wie den Full-Service der hiesigen Friseure (Kopf-, Rücken- und Armmassage, Haarwäsche, schneiden und legen bei einem Top-Figaro um 4 Euro) und das gemütliche Nachmittagsschläfchen im Park.
Ich glaube, erstmalig in der Geschichte der Langstreckenflüge haben nicht die Besucher, sondern der Gastgeber einen Jetlag zu verdauen.
Burschen: Schön, dass da warts!
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Sonntag, 21. Juni 2009
Freitag, 12. Juni 2009
Die Herrenrunde in China
Ich darf Euch heute eine kleine - und im Regelfall ausgesprochen unfeine - Institution vorstellen: die Herrenrunde.
Gut, den meisten brauche ich die wohl nicht mehr vorzustellen, aber ich tu es trotzdem. Wir trafen uns - weniger zufällig als mehr unter dem Zwang der Schulpflicht - in der Unterstufe des Gymnasiums: sechs wunderschöne, hochintelligente und dazu noch erfrischend bescheidene junge Männer, die bald von einem zarten Band der Freundschaft verbunden waren, da eine geschlossene Front gegen die erschreckende weibliche Übermacht in unserer Klasse gefragt war!
Na gut, das war nicht der Grund - aber es klingt irgendwie so herrlich politisch unkorrekt. Der tatsächliche Grund war eher, dass Schausi, Nikerl, DJ, Zech, Karli und ich einen Botzn Koarl miteinander hatten, was bei dermaßen unterschiedlichen Charakteren an sich schon eine Sensation ist.
Um die Sache kurz zu machen: Seit nunmehr fast 20 Jahren(!) treffen wir einander etwa alle ein bis zwei Monate, um gemeinsam fürchterlich viel Spaß zu haben. Letzteres lässt sich einfach nicht vermeiden, wenn wir aufeinander treffen, und darum konnten auch geografische Trennungen (beispielsweise leben momentan Schausi in London, Karli in Deutschland und ich in China), Hochzeiten, Scheidungen, Kinderkriegen und diverse andere Widrigkeiten des täglichen Lebens nichts ändern.
Gut, in letzter Zeit haben wir ein bisschen weniger Karli, weil der in Deutschland lebt, als Arzt arbeitet und zwei Kinder großzuziehen hat; aber den Gesamtrunden-Koarl hat das nicht merkbar reduziert.
Normalerweise treffen wir uns ja am Samstag, 19 Uhr, Stefansplatz. Diesmal haben wir uns zur Abwechslung allerdings für Samstag, 9 Uhr, Flughafen Shanghai entschieden.
Leider darf ich dort morgen - zu meiner großen Bestürzung - leider nur die Herren Schausi und DJ mit betont männlichem Handschlag begrüßen; wir werden uns aber redlich bemühen, auch als schwache 50% in der kommenden Woche mindestens genauso viel Frohsinn, Jux und Tollerei in China zu verbreiten, als wäre die gesamte Runde vollständig versammelt.
Warum ich das schreibe? Damit Ihr Euch nicht wundert, warum man jetzt mindestens eine Woche lang nichts von mir hören wird.
Und um mich zu bedanken, bei zweien meiner besten Hawerer, dass sie tatsächlich bis nach China kommen und somit die längste Anreise auf sich nehmen, die es jemals bei einer Herrenrunde gab.
Alles Walzer! ]:)
Gut, den meisten brauche ich die wohl nicht mehr vorzustellen, aber ich tu es trotzdem. Wir trafen uns - weniger zufällig als mehr unter dem Zwang der Schulpflicht - in der Unterstufe des Gymnasiums: sechs wunderschöne, hochintelligente und dazu noch erfrischend bescheidene junge Männer, die bald von einem zarten Band der Freundschaft verbunden waren, da eine geschlossene Front gegen die erschreckende weibliche Übermacht in unserer Klasse gefragt war!
Na gut, das war nicht der Grund - aber es klingt irgendwie so herrlich politisch unkorrekt. Der tatsächliche Grund war eher, dass Schausi, Nikerl, DJ, Zech, Karli und ich einen Botzn Koarl miteinander hatten, was bei dermaßen unterschiedlichen Charakteren an sich schon eine Sensation ist.
Um die Sache kurz zu machen: Seit nunmehr fast 20 Jahren(!) treffen wir einander etwa alle ein bis zwei Monate, um gemeinsam fürchterlich viel Spaß zu haben. Letzteres lässt sich einfach nicht vermeiden, wenn wir aufeinander treffen, und darum konnten auch geografische Trennungen (beispielsweise leben momentan Schausi in London, Karli in Deutschland und ich in China), Hochzeiten, Scheidungen, Kinderkriegen und diverse andere Widrigkeiten des täglichen Lebens nichts ändern.
Gut, in letzter Zeit haben wir ein bisschen weniger Karli, weil der in Deutschland lebt, als Arzt arbeitet und zwei Kinder großzuziehen hat; aber den Gesamtrunden-Koarl hat das nicht merkbar reduziert.
Normalerweise treffen wir uns ja am Samstag, 19 Uhr, Stefansplatz. Diesmal haben wir uns zur Abwechslung allerdings für Samstag, 9 Uhr, Flughafen Shanghai entschieden.
Leider darf ich dort morgen - zu meiner großen Bestürzung - leider nur die Herren Schausi und DJ mit betont männlichem Handschlag begrüßen; wir werden uns aber redlich bemühen, auch als schwache 50% in der kommenden Woche mindestens genauso viel Frohsinn, Jux und Tollerei in China zu verbreiten, als wäre die gesamte Runde vollständig versammelt.
Warum ich das schreibe? Damit Ihr Euch nicht wundert, warum man jetzt mindestens eine Woche lang nichts von mir hören wird.
Und um mich zu bedanken, bei zweien meiner besten Hawerer, dass sie tatsächlich bis nach China kommen und somit die längste Anreise auf sich nehmen, die es jemals bei einer Herrenrunde gab.
Alles Walzer! ]:)
Sonntag, 14. Dezember 2008
Reisepläne
"Den Menschen, der ein unruhig' Geist, erkennt man daran, dass er reist", hat einmal ein weiser Mann gesagt. (Ich nämlich. Grad jetzt.) Und das passt auf mich wie die Milka zur Kuh.
Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.
Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:
1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.
Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:
I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)
II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.
Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.
Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?
Eben.
Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.
III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.
Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.
IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.
In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).
Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.
Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.
V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.
"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.
VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.
So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.
Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.
Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.
Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:
1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.
Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:
I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)
II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.
Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.
Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?
Eben.
Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.
III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.
Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.
IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.
In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).
Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.
Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.
V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.
"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.
VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.
So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.
Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.
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