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Dienstag, 17. Februar 2009

Der Süden - III: Kanton und Hongkong

Man kommt zu nix. Und selbst dafür hat man eigentlich kaum Zeit.

Nachdem ich aber heute feststellen musste, dass ich aufgrund zweier neuer Lehrbücher auch in diesem Semester genügend neue Vokabel zu lernen haben werde, entschied ich mich spontan, die heutigen einfach mal auf morgen zu verschieben und stattdessen das letzte Südreise-Posting nachzuliefern.
Das Wort "Süden" in der Überschrift passt diesmal wahrlich gut, denn obwohl die Zugfahrt von Guilin bis nach Kanton gerade einmal acht Stunden dauerte, wechselten wir über Nacht in den Hochsommer. Die Temperaturen lagen durchwegs zwischen 26 und 30 Grad, was ich Mitte Februar einfach nicht gewohnt bin. Bin ich froh, dass ich meine Schiausrüstung zu Hause gelassen hatte.

Da schaut's:

Kanton ist nicht gerade eine pittoreske Stadt. Um ehrlich zu sein, beschlich mich bei der Ankunft am Bahnhof jähe Sorge, ob denn der Rest der Stadt auch von solch beeindruckender Hässlichkeit sei wie gerade jene Gegend. Vor unserem Hostel direkt am Perlfluss angekommen, sah die Sache dann schon anders aus - die Promenade ist ausgesprochen hübsch, die Unterkunft selbst nett, und das Wetter wohlig warm. Zumindest für normale Menschen. Ich hätte es eher als brütende Hitze bezeichnet und wechselte folglich flugs ins Sommeroutfit. Um die solchermaßen mühsam erkämpfte touristische Anmutung noch zu unterstreichen, folgte sogleich ausgiebiges und prominentes Kartenstudium - der Orientierung zuwegen.

Mit einer kleinen Fähre wechselten wir auf das bekannte Inselchen 沙面 (Shamian), mitten im Zentrum der Stadt, auf dem man sich als Europäer fast wie zu Hause fühlt. Und tatsächlich findet man auf dieser Insel eine auffällige Häufung der in dieser Stadt sonst eher raren Westler; wenn man schon im Ausland lebt, dann soll's halt auch wieder nicht allzu chinesisch zugehen, offensichtlich.
Ein weiterer Grund für diese Euro-Ecke: Will ein amerikanisches Pärchen ein chinesisches Kind adoptieren, muss es zunächst ein Monat lang in Kanton leben, um interkulturelle Kompetenz zu beweisen. So sieht man also auf Shamian amerikanische Eltern mit ihren chinesischen Kindern um die Wette Kinderwagerl-Schieben.

Gleich gegenüber hingegen trifft man das wesentlich erdigere und faszinierendere Kanton. Die Stadt mag im herkömmlichen Sinn nicht schön sein - ihre Atmosphäre aber ist einzigartig, und alleine in den riesigen Straßenmärkten und winzigen Hintergasseln kann man ganze Tage einfach nur spazierend verbringen.

Die hiesige Spezialität: wiederum Schlangen - in allen möglichen Zubereitungsformen.

In Kanton gibt es viele schräge Dinge zu entdecken; dazu kommen noch einige schöne Parks und Sehenswürdigkeiten konventioneller Art, wie Tempel, Museen und dergleichen. Nach einer abendlichen Schiffahrt auf dem Perlfluss haben wir dann auch ein ziemlich dichtes Besichtigungsprogramm hinter uns. Und so wird man uns für unser darauf folgendes Abendprogramm vermutlich nicht gerade den Nightlife-Orden ersten Grades verleihen ...

... dafür fetzt der nächste Morgen umso mehr, den wir in einem der zahlreichen kleinen Parks am Ufer des Flusses verbringen. Der Chinese an sich liebt ja den Tanz im Park - und zwar egal, zu welcher Art von Musik. Und als wir plötzlich die vertrauten Klänge von "An der schönen blauen Donau" vernehmen, fühlen wir uns als gelernte WienerInnen natürlich verpflichtet, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.
Nachdem wir den anwesenden Chinesen vorgeführt hatten, dass auch Damen mit gelben Haaren nicht beißen, fanden sich im Handumdrehen einheimische Tanzpartner ein.

In China hat man ja überhaupt einen Koarl im Park. (Nein, diesmal nicht den bladen Ungustl, sondern nur Spaß.) Da wird nicht blöd Tauberl-gefüttert, da wird getanzt, gesungen, trainiert - und gespielt! Als wir obiger Mischung aus Hackisacki und Federball ansichtig wurden, kauften wir uns auch einen solchen Ball und legten gleich einmal los. Was wir darboten war zwar eine Katastrophe für jeden körperbewussten Menschen, dafür hatten die uns beobachtenden Einheimischen ihren Spaß.

Doch nicht nur dem Spiele frönten wir - nein, auch die Symbolik kam nicht zu kurz: Man erfreue sich an unserer täuschend wirklichkeitsgetreuen Imitation des im Hintergrund ersichtlichen, verschlungenen Baumes, der für die Chinesen ein Symbol ist für ewige Freundschaft. In unserem Fall manifestierten sich stattdessen ewige Kreuzschmerzen.

Nach dem Nightlife-technisch eher schwachen ersten Abend, wollten wir uns nicht nachsagen lassen, wir wären fade Säcke, und also fanden wir uns in einem der unzähligen Clubs in jener Barstraße ein, die sich gleich neben unserem Hostel befand.
Mit schlafwandlerischer Sicherheit wählten wir dabei just jenen Club aus, dessen größte Attraktion eine Schlangentänzerin ist. Während sich die entzückende Boa Constrictor um meine Arme und Schultern wand (da wir als einzige Westler natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Tänzerin und ihres Tierchens erregten), gab es seitens meiner Freundinnen grandiose Teamwork: Josi fungierte als hochdynamischer Blickschutz für Babsi, die wiederum ihre Phobie bewundernswert unter Kontrolle hielt. Leider waren alle so mit Angsthaben bzw. Schlangestreicheln beschäftigt, dass das einzige Foto aus diesem Club das Tierchen nicht involviert.

Dann war da noch unser Trip nach Hong Kong. Dieser schöne Stadtstaat gehört zwar jetzt zu China, das hält aber niemanden davon ab, nach wie vor so zu tun, als wäre es ein eigenes Land. Die zwei Mädels hatten sich also in weiser Voraussicht Visa mit zweifacher Einreise besorgt, ich habe ohnehin das Residency Permit und kann somit - theoretisch - ein- und ausreisen so oft ich möchte. Zumindest hatten das die meisten Menschen, die ich diesbezüglich befragte, so vermutet. (Sicher wusste es natürlich keiner.)

Mit dem Zug braucht man gerade einmal zwei Stunden von Kanton nach Hong Kong, und also lautete der Beschluss: Ein Tagesausflug muss her. Obwohl mich Hong Kong eigentlich nie besonders reizte, war ich doch gespannt, wie stark die Ähnlichkeit zum ... ähm ... normalen China wohl wäre.

Schon bei unserer Ankunft am Bahnhof in Kowloon - dem auf dem Festland gelegenen Stadtteil von Hong Kong - gab es subtile Anzeichen, dass die Hong Konger zumindest eine gewisse Vorliebe für schreienden Kitsch mit ihren Mainland-Landsleuten teilen.

Und ganz in der Nähe des Bahnhofs bekamen wir beim Blick von Kowloon hinüber nach Central gleich einen Eindruck von Hong Kongs größter Attraktion: einer der beeindruckendsten Skylines der Welt.

Nachdem wir mit einer Fähre ins Zentrum auf Hong Kong Island übergesetzt hatten und dort ein wenig herumspazierten, wurde uns schnell klar, dass Hong Kong mit China nicht viel gemeinsam hat. Es ist eher wie ein heißes England mit besonders hohen Häusern und auffällig vielen AsiatInnen auf den Werbeplakaten. Auch die Autos fahren hier auf der linken Seite (und anders als am Festland ist die vorgeschriebene Straßenseite sogar aus dem aktiven Verkehr ableitbar), alles ist sauber und ordentlich, und selbst die älteren Leute sprechen zumindest ein bisschen Englisch.

Kaum ein Hochhaus in Hong Kong gleicht einem anderen, und alles blitzt und blinkt - wie hier das Wahrzeichen: die Bank of China.

Die größte Attraktion ist aber die steile Fahrt auf den "Peak" - den Hausberg dieser Stadt - und der anschließende Blick hinunter. Auch wenn das Gedränge der Touristen nicht gerade meditative Stimmung aufkommen lässt - das muss man einfach gemacht haben.
Ein bisschen wollten wir aber schon weg von den Touristenhorden, und ging es runter vom Peak - und rein in die nächstbeste Straßenbahn, für eine kleine Rundfahrt durch die Stadt.

Fast überall ist Hong Kong stark westlich orientiert. Bei der Höhe der Straßenbahnen hingegen ganz offensichtlich nicht so sehr.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Reisepläne

"Den Menschen, der ein unruhig' Geist, erkennt man daran, dass er reist", hat einmal ein weiser Mann gesagt. (Ich nämlich. Grad jetzt.) Und das passt auf mich wie die Milka zur Kuh.

Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.

Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:

1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.

Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:

I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)

II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.

Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.

Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?

Eben.

Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.

III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.

Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.

IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.

In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).

Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.

Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.

V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.

"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.

VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.

So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.

Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.