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Dienstag, 14. April 2009

Go West in Pictures - I: Provinz Anhui

Gestern Nacht heimgekehrt, heute draufgekommen, dass ich nächste (<= ich hab wieder Umlautäää!) Woche drei Tage lang Midterm-Exams zu absolvieren habe und daher bereits zehn Stunden Lernen hinter mir, kann ich doch jetzt freudvoll bebend die ersten Fotos ankündigen!

Da ich ein Mann mit System bin, werde ich eine Auswahl von grob 20 Fotos pro Provinz präsentieren. Heute beginne ich mit Anhui, wo ich mich in den zwei Orten Hefei und Bozhou aufhielt.

Und so hat es dort ausgesehen:

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Hefei ist die Grabanlage für einen Herrn Bao, einen hohen Beamten des 11. Jahrhunderts, der sich dadurch auszeichnete, sehr korrekt und aufrecht zu sein, was - der Bedeutung der Anlage nach zu urteilen - damals offenbar nicht allzu häufig vorkam. Er hat auch ein wirklich schönes Grab, der Herr Bao. Sehr kunstvoll, sehr hügelig, sehr pflanzelig - tadellos.

Auch sehr hübsch: Hefei ist von Gewässern umgeben. Und an diesen wird hemmungslos der Gartenkunst gefrönt.

In einem chinesischen Garten sollte man sich überall wie in einem klassischen Gemälde fühlen. Alles ergibt ein harmonisches Ganzes: die Pflanzen, die Steine, die Pavilions, die Blüten ...

... und selbstverständlich auch die Satellitenschüsseln.

Nach ausgiebigem Sightseeing hat man sich ein Essen verdient. Soll es schnell gehen, bietet sich hierfür original chinesisches Fast-Food an, das bisweilen auf merkwürdig vertraute Weise offeriert wird.

Wir erinnern uns: In Hefei logierte ich in einem Luxushotel mit wunderschöner Badewanne. Zudem ist der Süden von Anhui eine Gegend mit viel Wasser - was liegt also näher, als den Tag mit einem Bad in kristallklarem Wasser direkt aus der Leitung ausklingen zu lassen!

Meine zweite Etappe, Bozhou, liegt auch in Anhui, allerdings im nordwestlichsten Winkel. Dort ist es immer noch recht feucht, die Landschaft wird aber langsam flacher und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Wie hier für den Rapsanbau.

Von den allgemein relativ wohlhabenden Provinzen Ostchinas ist Anhui die ärmste - was an den größtenteils recht trostlosen, ländlichen Behausungen offenkundig wird.

Abseits der großen Autobahnen muss man in kleinen Dörfern mit unbefestigten Sträßchen vorlieb nehmen, die sich bei den häufigen Regenfällen im hiesigen feuchten Klima oft in unpassierbare Gatschmassen verwandeln.

Zwischendurch der Beweis, dass meine launigen Klo-Geschichten nicht um eines schnöden Lachers willen erstunken und erlogen wurden: die sensationelle Bodenspülung des Zuges auf der Strecke Hefei-Bozhou.

Bozhou selbst ist dann ein (zumindest untertags) höchst lebendiges, sympathisches Städtchen, weitab von allem, was Touristen üblicherweise besuchen. Auch meine Unterkunft kostet nur wenige Euros. Das heißt aber nicht, dass ich jeglichen Luxus entbehren muss ...

... sogar einen luxuriösen Kleiderschrank inklusive Haken gibt es!

Neben dem Essen ist das Heiraten das liebste Hobby der Chinesen. Und wenn es auch sonst nichts gibt in Bozhou: die Brautmodenschau auf offener Straße darf in keinem auch noch so kleinen Örtchen fehlen!

Wie ich im entsprechenden Posting schon schrieb: Erfrischend unvorbereitet wie ich war, wusste ich nicht, dass Bozhou ein herrliches, antikes Theater beherbergt. Als einziger Tourist kann ich es luxuriöserweise in vollkommenem Frieden auf mich wirken lassen.

Die hunderte Jahre alten Schnitzereien und Holzgemälde sind beeindruckend.

Gleich nebenan ist die Altstadt. Hier ist es richtig verschlafen, und man kann wunderbar bummeln. Autos gibt es keine, wie alle anderen Waren wird auch Kohle per Muskelkraft transportiert.

Im nahen Flusshafen regiert ebenfalls nicht gerade die Hektik.

Bei meinem ersten Aufenthalt in Anhui - am Huangshan - beeindruckte mich die hiesige Küche damit, ziemlich unbeeindruckend zu sein. Dieses "Getränk" versöhnte mich wieder: ein köstliches, dick-klebriges, süßliches Gemisch mit dutzenden Körnern, Früchten, Nüssen und vielen anderen undefinierbaren Bestandteilen, das ich bisher nur bei Straßenhändlern in Bozhou gefunden habe.

Den riesigen Markt für chinesische Medizin sowie meinen dortigen zutraulichen Privatführer konnte ich aus im Posting beschriebenen Gründen leider nicht fotografieren; wohl aber jene Heil... ähm ... dingsbumse, die er mir zum Abschied schenkte. Hier bittesehr!
Was immer das auch ist.

Zum Abschluss darf ich noch eine friedvolle Fahrt durch Bozhou anhand eines kleinen Filmchens illustrieren.

Versäumen Sie nicht den nächsten Teil unseres bunten Bilderreigens, wenn es heißen wird:

Henan!


(Das klang jetzt irgendwie nicht ganz so beeindruckend wie ich dachte ...)

Montag, 30. März 2009

Go West - IIb: Skorpione und ein einsames Theater

Mein Unbewusstsein ist ein gutes. Es weiss genau: Mir war bisher einfach zu wenig los. Als ich also wider Erwarten fruehmorgens tatsaechlich daran dachte, den Fotoapparat einzupacken, brachte es mich kreativerweise dazu, den dazugehoerigen Akku im Ladegeraet zu belassen - und das, obwohl ich selbiges inklusive darinnen befindlichem Akku kurz vor dem Verlassen meines Zimmers noch wegraeumte. So war der Fotoapparat nutzlos - und damit der Weg fuer grossartige Erlebnisse, die ich nur zu gerne bildlich festgehalten haette, geebnet.

Folgendes habe ich also nicht fotografiert:

* den groessten Markt fuer traditionelle Medizin in China, das beeindruckende Treiben in dessen Halle sowie die tausenden medizinischen Zutaten, die von Blumen, Pilzen und Hoelzern bis zu getrockneten Eidechsen und Kaefern reichen,

* einen 60-jaehrigen Experten fuer chinesische Medizin, der Sekunden nach meiner Ankunft an mir festwuchs und mich unter grossem Hallo der Aussteller durch die Halle fuehrte, wobei er mir genau erklaerte, was man gegen Husten, zur Kuehlung oder Waermung des Blutes oder zwecks Staerkung der Manneskraft anwendet und wie man dieses tue,

* meine sicher hoechst variantenreichen Gesichtsausdruecke,als er mich besonders ekelhafte Wurzelknollen oder geschabte Ochsenhoerner kosten liess,

* jenen Moment, als er mir erklaerte, dass der Stachel getrockneter Skorpione Kraft gaebe - und er zu Demonstrationszwecken einen solchen direkt von einem dieser Tierchen abbiss,

* all die schoenen Dinge, die mir von den Hunderten Haendlern geschenkt wurden: ein Scheibchen Holz (nun inklusive draufgeschriebener Notizen, wie ich damit Durchfall kurieren koennte), eine lange Stange von irgendetwas, das das Blut kuehlt und wie eine Koralle aussieht, sowie eine Familienpackung amerikanischer Zahnpasta mit Kraeutergeschmack, die aus mir nicht nachvollziehbaren Gruenden seine Begeisterung erweckte und die er daher extra fuer mich kaufte,

* jenen Moment persoenlicher Glorie, als ich Autogramme fuer die Einkaufenden schrieb - dank meiner grossen Leistung, Europaeer zu sein,

* die Fahrt zurueck zu meinem Hotel - denn mein neuer Freund bestand darauf, mich mit seinem Elektrofahrrad persoenlich hinzubringen. Nachdem er sogar ein bescheidenes Benzingeld mit teils koerperlicher Gewalt abgelehnt hatte, sah ich mich gezwungen, seine Einladung zum Mittagessen nicht anzunehmen, da mir das ganze wirklich langsam peinlich wurde.

Im Hotel holte ich dann meinen Akku und konnte den Rest des Tages bildlich dokumentieren.

Dieser war auch nicht ohne, wenn auch nicht ganz so unterhaltsam.

Einen Taxifahrer bat ich, mich zu bereits erwaehntem, antiken Theater "Hua Xilou" zu bringen. Und gut war's, denn auf diese Weise bemerkte ich, dass ich es bisher irgendwie geschafft hatte, die Altstadt - und damit den interessantesten Teil von Bozhou - vollkommen zu ignorieren. Dort war es wunderbar - uralte, teils wunderschoene, wenn auch heruntergekommene, Haeuser, verwinkelte Gaesschen, unzaehlige Strassenhaendler, Senioren, die in den Gassen Mahjongg spielen, keine Autos, aber ein wahnsinnig lebendiges Treiben, wie man sich China vorstellt, ich es aber ohne Touristen noch nie gesehen hatte.

Und das Theater? Das war vielleicht das schoenste Stueck Architektur, das ich bisher in China gesehen habe. Heeresscharen von Touristen pilgern zu irgendwelchen Tempeln in Shanghai, Millionen von Keilern vergaellen einem auch den fluechtigsten Blick auf Pekings Palaeste - und hier zog ich vollkommen alleine meine Runden und sah die wunderbarsten, feinst ziselierten Holzdaecher, praechtigste Steinfassaden und herrlich bunt bemalte Waende in diesem vollstaendig erhaltenen Theater aus dem 17. Jahrhundert.

Gestern war ich schon etwas skeptisch geworden, aber der heutige Tag bestaetigte mir wieder einmal, dass die schoensten Erlebnisse und die interessantesten Sehenswuerdigkeiten ueberraschend oft an den unbekanntesten Orten warten. In Oesterreich zahlen auslaendische Touristen ja auch lieber Horrorpreise und dulden Menschenmassen im zwar huebschen aber eigentlich unaufregenden Salzburg, als das meiner Meinung nach wesentlich sehenswertere (und guenstigere) Graz zu besuchen.

Ich bin gespannt, wie es in Xi'an wird - einer der Touristenhochburgen Chinas und ein absolutes Must-See. Morgen geht es aber zunaechst nach Luoyang und - hoffentlich - zum Tempel der beruehmten Shaolin-Moenche. Koennte sein, dass ich dann keine Zeit mehr habe zu posten, also Baba derweil ]:).

Sonntag, 29. März 2009

Go West - II: Bozhou, Provinz Anhui

Gestern habe ich Hefei besichtigt. Grabmal, Parks, Tempel, Museum - das uebliche chinesische Zeugs, ich will Euch nicht langweilen. Heute ging es aber um 8 Uhr frueh weiter, und da mein momentaner Aufenthaltsort recht ruhig ist und ueber ein Internetcafe verfuegt, gibts schon wieder einen Eintrag.

So bin ich also nach fast fuenf Stunden Fahrt hier in Bozhou angekommen, im aeussersten Norden Anhuis, beruehmt als wichtigstes Handelszentrum fuer chinesische Medizin in Zentralchina und als Geburtsort der Kriegerin Mulan sowie des beruechtigten Feldherrn Caocao - und ansonsten ein richtiges Kaff.

Schon die Fahrt ist interessant. Die Landschaft im Norden von Anhui ist vollkommen flach und von Feldern ueberzogen. Die Doerfchen dazwischen sind von unglaublicher Trostlosigkeit: Die kleinen Wege zwischen den voellig verfallenen Rohziegel- oder Lehmbauten sind stets unasphaltiert, und auch die Verbindungsstrassen zwischen den Orten sind zumeist aus Lehm und uebersaet mit Schlagloechern. Mein Zug stammt diesmal auch zirka aus Moses Zeiten, seine Sitze sind hart, aber eng. Auch fuer lange, westliche Beine ist kaum Platz vorgesehen - dafuer bringen die Bauern und Tageloehner, mit denen ich den Zug teile, gigantische Saecke und Schachteln von grossartigem olfaktorischem Reichtum mit.

Die Toilette des Zugs verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist natuerlich das landesuebliche Plumpsklo, nur diesmal in der flaechendeckend zugeschissenen Variante. Woher das kommt ermittle ich empirisch beim Aufdrehen des kleinen Wasserhahns zur "Spuelung": Das Wasser rinnt aus diesem einfach auf den Boden des winzigen Raumes, und sobald dieser - inklusive meiner Schuhe - voellig ueberschwemmt ist, rinnt auch ein bisschen etwas das Kloloch hinunter und verteilt dessen Inhalt ... Entschuldigung, ich hoffe, Ihr esst nicht gerade ]:D.

Nach Bozhou schliesslich verirrt sich offenbar wirklich nie ein Westler. Kaum angekommen, metamorphiere ich umgehend zur groessten Attraktion fuer die lokale Bevoelkerung: Ich werde bestaunt, angelacht, gerufen - und von Jugendlichen, die ihren Augen nicht trauen, mittels Moped mehrmals umkreist. Unbeachtet untertauchen spielt's hier sicher nicht.

Der ganze Ort ist fuer mich eine voellig neue Erfahrung: Keine Hochhaeuser, kaum Leuchtreklamen und eine seltsame Weite. Die Menschen hier sind auch anders: sehr freundlich und nett, aber eher introvertiert und ruhig - eigentlich sehr angenehm.
Der Anhui-Dialekt allerdings ist eine Frechheit, mit Verlaub. Das ist ein Gesaeusel, dass es nur so eine Freude ist. Konsonanten kennt man hier offenbar gar keine, dafuer spricht man mehr durch die Nase als durch den Mund. So wenig wie hier habe ich nicht einmal in Sichuan verstanden. Das macht aber nix, ich wende einfach wieder meine alte Kommunikationsmethode an: freundlich grinsen, nicken, in regelmaessigen Abstaenden "Oesterreich", "Ich studiere Chinesisch in Shanghai" und "Ja" sagen - und hoffen, dass ungefaehr das folgt, was man sich vorgestellt hat. Manchmal bekommt man aber auch ein Stueck Bohnenpaste in die Hand.

Gleich heute, am ersten Tag, krieche ich durch einen uralten, unterirdischen Tunnel des Militaerstrategen Caocao, fuer morgen habe ich mir den groessten Markt traditioneller chinesischer Medizin in Ostchina und ein kleines Theatermuseum vorgenommen. Fuer uebermorgen habe ich bereits ein Zugticket nach Luoyang, die alte Hauptstadt der Song-Dynastie. Mir wird also nicht fad.

Freitag, 27. März 2009

Go West - I: Hefei, Provinz Anhui

Schoenen guten Abend, liebe Freunde des gepflegten Chaos!

Ich melde mich live aus einem Internet Cafe in Hefei, Hauptstadt der weitestgehend unbekannten Provinz Anhui und erste Station meiner Reise. Irgendwie konnte ich nicht widerstehen, mich sofort und vor Ort zu melden - wer weiss, wie oft mir das noch moeglich ist. Da das Wetter aber nach drei strahlend schoenen, fast fruehsommerlichen Tagen erwartungsgemaess heute frueh rechtzeitig zu meiner Abreise auf kalt, nebelig und regnerisch umgeschalten hat, versaeume ich draussen nicht allzu viel.

Ihr alle muesst nun mit fehlenden Umlauten und scharfen "s" leben, da ich ein chinesisches Keyboard benutze. Aber warum soll es Euch besser gehen als mir, der ich nun jeden Punkt und jedes Komma sekundenlang zu suchen gezwungen bin?

Ich war uebrigens wahnsinnig effizient, Chaos-technisch. Schon in Shanghai gelang es mir, zunaechst kein Taxi zu erwischen und dann mein Fruehstueck am Bahnhof genau so zu timen, dass ich es nicht fertig essen konnte, weil ich sonst den Zug versaeumt haette. Bevor ich aber an Bord sprintete, kaufte ich noch einen Strassenplan von ganz China, da ich trotz vielfachen Durchdenkens meines Reisegepaecks einen solchen natuerlich zu Hause vergessen habe.

An Bord des hypermodernen Zugs, der mit 250 km/h brausend die 500 Kilometer zwischen Shanghai und Hefei innerhalb von drei Stunden zuruecklegt (es gibt einige Aufenthalte auf der Strecke, Anm. fuer Hobbyrechner), bemerke ich, dass ich es irgendwie geschafft habe, meinen Fotoapparat auf dem laecherlichen Stueck zwischen Taxi und Zug anzubauen. Grossartig. Wenn ich mein Hab und Gut weiter so gleichmaessig ueber China verstreue, stehe ich dann in Xining nackt da. Meine erste Aufgabe in Hefei ist somit etabliert: Wir kaufen einen neuen Fotoapparat.

Wie ueblich, wenn ich im Zug sitzend versuche, die Landschaft um mich herum zu geniessen, haengt Nebel ueber selbiger. Immerhin ist dieser diesmal aber duenn genug, um ein bisschen etwas zu erkennen. Nach der Durchquerung des vollkommen flachen Yangtse-Deltas um Shanghai - mit seiner fast geschlossenen Besiedlung, seinen reizvollen Atomkraftwerken, Baustellen und Industrieanlagen - geht die Landschaft langsam in eine reizvollere, laendlichere Huegellandschaft ueber, und zwar etwa kurz vor Nanjing, der Hauptstadt der noerdlich an Shanghai angrenzenden Provinz Jiangsu.

Die Grenze zur Provinz Anhui ist eine gebirgige, wilde Gegend, nach deren Durchquerung man im zentralen Anhui wieder auf eine Ebene stoesst, die von gelb bluehenden Reisfeldern ueberzogen ist. Ansonsten ist es hier richtig einsam - kaum je erblickt man Siedlungen, und wenn, dann sind es winzige, unglaublich trostlose Doerfer mit grauen, verfallenen Gebaeuden und zumeist unbefestigten Strassen. Dazwischen grasen herrenlose Wasserbueffel und alles ist mit Marterl-aehnlichen, etwa mannshohen Stelen ueberzogen, deren Zweck mir unbekannt ist. Aber huebsch schaut's aus.

In Hefei selbst beginnt der Regen freundlicherweise damit, so richtig anzufangen, und ich habe das Vergnuegen, mit Backpack, Tagesrucksack und grummeliger Miene Ewigkeiten auf ein Taxi zu warten. Den freundlichen Herrn hinter dem Steuer eines solchen frage ich dann dafuer gleich nach einem "moeglichst billigen" Hotel. Im Zwiegespraech stelle ich fest: Ja, man spricht in Anhui Hochchinesisch - aber der Akzent klingt ein bisschen nach dem chinesischen Aequivalent des Steirischen.

Er telefoniert ein wenig herum und kutschiert mich dann durch den dichten Abendverkehr zu einem wunderschoenen Viersterne-Hotel. Eh klar. Das verstehen wir Europaer naemlich unter "moeglichst billig". Dort werde ich vom unglaublich freundlichen Vize-Manager sofort adoptiert, bekomme zu meiner Freude ein Zimmer um 25 Euro pro Nacht, das sofort um den gleichen Preis zu einer Manager-Suite upgegradet wird. Ich residiere nun am "Executive Floor" im 18. Stock und werde ganz sicher irgendwann meine Massagedusche und Glasbadewanne ausprobieren - wenn ich nicht damit beschaeftigt bin, auf dem 1-Meter-Plasmamonitor fernzusehen oder oder auf meinem privaten Laufband zu trainieren.

Auf meinem Weg zurueck hinunter in die Lobby empfaengt mich der Manager - "Charles", so sein englischer Name - persoenlich mit einem Gutschein fuer ein Gratis-Dinner im nagelneuen, hoteleigenen Luxusrestaurant. Dort waehle ich aus einem reichhaltigen chinesisch-internationalen Buffet - unter anderem einen der besten "Viennese Apple Strudels", die ich je gegessen habe.

Momentan verdaue ich neben dem Dinner noch den Schock. Wenn mein grosses "Backpacking-Abenteuer" so weitergeht, wird mir mein Studentenzimmer danach viel zu minder sein, fuerchte ich.

Aber jetzt muss ich endlich raus in den Regen, einen Fotoapparat kaufen - und einen ersten Blick auf Hefei werfen - eine Stadt, ueber die ich immerhin gar nichts weiss. Das Zugticket fuer die naechste Etappe, Bozhou, habe ich bereits gekauft - uebermorgen fahre ich los. Dort werde ich, glaube ich, selbst auf die Suche nach einem wirklich schlichten Hostel gehen, damit ich nicht in Versuchung komme, meinen gesamten Aufenthalt im Zimmer zu verbringen.

Donnerstag, 26. März 2009

The Journey To The West

Morgen früh geht es also los - die erste Station steht fest: Hefei, die Hauptstadt von Anhui. Das Zugticket dafür ist gekauft, alles andere ist offen. Die wohl spannendste Reise meines Lebens beginnt. Ich bin verdammt aufgeregt, freue mich aber schon sehr darauf. Am Abend des 13. April plane ich zurückzukehren.

Euch wünsche ich derweil alles Gute - ich melde mich wieder sobald ich kann.

Alohaaaaaa!

Sonntag, 14. Dezember 2008

Reisepläne

"Den Menschen, der ein unruhig' Geist, erkennt man daran, dass er reist", hat einmal ein weiser Mann gesagt. (Ich nämlich. Grad jetzt.) Und das passt auf mich wie die Milka zur Kuh.

Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.

Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:

1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.

Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:

I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)

II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.

Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.

Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?

Eben.

Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.

III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.

Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.

IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.

In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).

Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.

Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.

V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.

"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.

VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.

So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.

Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.