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Sonntag, 26. April 2009

Go West in Pictures - IV: Provinz Gansu & Provinz Qinghai

Nach der aufreibenden Prüfungswoche wird es Zeit, die Bilderpostings langsam einem Ende näherzuführen. Daher kommt gleich heute das vorletzte dran.

Für dieses habe ich die Provinzen Gansu und Qinghai zusammengelegt. Warum weiß ich nicht mehr. Als ich mich dazu entschlossen hatte, machte es noch irgendwie Sinn, aber mittlerweile habe ich das erfolgreich verschwitzt. Jetzt sind die Fotos schon mal hochgeladen, also müssen wir alle eben damit leben.

Lasset uns gleich beginnen.

Wie üblich zunächst einige Fahrtimpressionen. Gansu ist eine Provinz, die zum größten Teil aus Wüsten und Halbwüsten besteht. Dementsprechend üppig bevegetiert ist dann auch die Landschaft, die sich mir beim Blick aus dem Fenster bietet. Acht Stunden lang ziehen die wildesten Lehm- und Felsformationen an mir vorbei, bis ich in Lanzhou ankomme.

Da ich ja nur zwei Nächte bleibe, checke ich gleich ins nächstbeste Hotel am Bahnhof ein. Das Gewicht des Rucksacks des fröhlichen Reisenden ist mittlerweile aufgrund diverser, herrlich sinnloser Einkäufe bereits in die Dimensionen eines familienfreundlichen Kleinwagens vorgestoßen, daher bin ich froh, es möglichst schnell abwerfen zu können.

Lanzhou ist jene Stadt, von deren Besuch die Reiseführer üblicherweise abraten. Dabei ist alleine die unwirkliche Lage, eingezwickt in ein enges Tal am Hoangho (Gelber Fluss), meiner Meinung nach absolut sehenswert.

Wenn's wo trocken is, kriegt ma an Durscht. Und da das auch für Pflanzen gilt, sind die meisten Hügel um Lanzhou von Bewässerungssystemen in Form von Wasserterrassen und Kanälchen durchzogen, die eine auffällige Ähnlichkeit mit den hiesigen Klos aufweisen.

Eine der wenigen klassischen Sehenswürdigkeiten Lanzhous ist der Fünf-Quellen-Berg mit seinen Tempel- und Parkanlagen. Sehr hübsch, wenn auch unbequemerweise recht vertikal.

In einem der Parks stieß ich auf diesen freundlichen ZZ-Top-Fan, der seinen Lebensunterhalt offenbar mit Freiluft-Akupunktur verdient.

Da ich Hirni postingtechnisch zwei Provinzen zusammengelegt habe, muss ich mich einschränken. Somit ist anbei bereits das Foto der Weiterfahrt nach Qinghai zu bewundern. Die letzte Provinz meiner Reise ist gleichzeitig die ärmste und trockenste. Die Siedlungen werden hier immer niedriger und ärmlicher, entbehren aber nicht einer gewissen Ästhetik.

Xinings Atmosphäre ist mit keiner anderen chinesischen Stadt vergleichbar, die ich bisher besucht habe. Selbst das moderne Zentrum wirkt nicht zuletzt aufgrund der gleißenden Höhensonne und des tiefblauen Himmels irgendwie wesentlich weiter und offener als gewohnt.

Eine Viertelstunde Spaziergang vom Zentrum entfernt beginnen bereits die Vororte, deren Bewohner bei aller Bescheidenheit doch größten Wert auf wohlgeschmückte Haustüren legen.

Die Felder der Umgebung bestechen nicht gerade durch übermäßige Saftigkeit.

Dafür bringt das bunte Nationalitätengemisch dieser Stadt reichlich Farbe ins Straßenbild. Seien es bummelnde Tibeter auf einem Parkplatz ...

... oder spazierende Hui vor der Großen Moschee.

Eine zurzeit noch recht zerfallene, sich aber bereits in heftigster Renovierung befindliche Tempelanlage ist der Bei Chan Si - mit seiner halsbrecherischen Lage mitten in einer vertikalen Felswand.

Vor seinen Toren kann man sich wie üblich mit Räucherstäbchen eindecken ...

... auch wenn angesichts des Eingangs meiner Meinung nach isotonische Getränke und schnellwirkende Anabolika sinnreicher wären.

Um die oberen Regionen der Anlage zu erkunden empfiehlt es sich, neben tiefgläubig auch schwindelfrei zu sein.

Gröbere Felsspalten und Abbrüche werden zum Glück durch vertrauenserweckende Stege überbrückt.

Man muss anerkennen: Die Chinesen schaffen es sogar, auf dem einsamsten und weitesten Hochplateau größtmöglichen Platzmangel zu simulieren, indem sie Bauwerke einfach in winzige Felshöhlen quetschen.

Diese bieten dann auch eine gewisse, wenn auch etwas gruselige, Gemütlichkeit ...

... wobei aber heilige, taoistische Gemälde dem Verzagten stets Trost und Ruhe spenden.

Von hier oben ist der Ausblick auf die Stadt allerdings unglaublich.

Der Hauptgrund für einen Aufenthalt in Xining ist für die meisten Touristen das nahe Kloster Kumbum, Geburtsort des Gründers der tibetischen Yellow Hat Sekte und nicht zuletzt deshalb eines der sechs großen Klöster des tibetischen Buddhismus.

Es ist übrigens wirklich groß. An jeder Ecke rennen Mönche herum, und überall stinkt's nach Räucherstäbchen und ranziger Yak-Butter. Letzteres vorwiegend wegen der berühmten Butter-Skulpturen, die man dort bewundern, allerdings nicht fotografieren kann.

Die Tempel des Klosters sind ganz anders als die chinesischen, die ich bisher sah: viel Holz, alles sehr eng und dunkel - und das tibetische Element ist in der gesamten Anlage nicht zu verleugnen.

Unser heutiges Abschlussfilmlein zeigt noch einen Ausschnitt der im betreffenden Posting erwähnten Open-Air-Amateurdarbietung einer chinesischen Oper - mit den coolsten Seniorenmusikern seit Buena Vista Social Club.

Das letzte Posting dieser Serie wird sich meinem großen Endziel widmen: dem Koko Nor und seiner Umgebung, um dies auch gebührend zu illustrieren.

Sonntag, 12. April 2009

Go West - Epilog

Am 27. Maerz bin ich von Shanghai zu meiner Reise aufgebrochen. Ueber 2.600 Kilometer, sechs Provinzen, mindestens ebensoviele verschiedene Sprachen und Kulturkreise habe ich in 18 Tagen ausschliesslich untertags und im Zug zurueckgelegt. Neben allen drei verfuegbaren Zugklassen (Hard Seater, Soft Seater, Hard Sleeper) haben mich auch noch Busse (oeffentlich und privat), Fahrraeder, meine Fuesse, die U-Bahn, Taxis, Privatautos, Sessellifte, Motorraeder, Rikschas (motorisiert und fussgetreten) sowie Boote befoerdert. Ueber 700 Fotos habe ich verschossen, die unterschiedlichsten und faszinierendsten Leute kennengelernt, eine Unzahl an bekannten und weniger bekannten Sehenswuerdigkeiten gesehen und Orte besucht, von denen ich vorher vielleicht noch nicht einmal gehoert hatte.

Interessanterweise hatte die Reise dabei eine perfekte Dramaturgie: Von einem eher ruhigeren Anfang, an dem ich zeitweise schon befuerchtete, ich wuerde China schon zu gut kennen, um es noch aufregend zu finden, bis zum gestrigen absoluten Hoehepunkt nahmen Spannung und Intensitaet des Erlebten stetig zu. Nach dem See gestern waren meine persoenlichen Hoehepunkte sicher die trainierenden Moenche im Shaolin-Kloster, meine Privatfuehrung durch den Medizinmarkt von Bozhou und das gemeinsame Singen mit dem Rennfahrer Sky in einer Ralley-Bar in Lanzhou; aber jede einzelne meiner Destinationen hatte ihre ganz einzigartigen Erfahrungen fuer mich auf Lager, und ich beginne zu glauben, dass Reisen vielleicht das einzige ist, was niemals fad wird.

Zum etwas ruhigeren Abschluss war ich heute noch im Kumbum Kloster, 30 Kilometer suedlich von Xining. Es ist eines der sechs grossen tibetischen Kloster und Zentrum der Yellow Hat Sect des Buddhismus und besonders beruehmt fuer seine praechtigen Butter-Skulpturen (daher wohl auch der Name "Buddhismus" *bru-haha*), weswegen dort auch alles ein wenig ranzig riecht.

Jetzt bleibt mir nur noch, meine Sachen zu packen und morgen gegen Mittag in mein Flugzeug nach Shanghai zu steigen, bevor ich dann, wenn alles gut geht, schon uebermorgen fruehmorgens wieder in der Klasse sitzen und versuchen werde, das Versaeumte irgendwie nachzuholen und mich auf die Pruefungen vorzubereiten.

Wie erhofft, war diese Reise die vielleicht eindrucksvollste Erfahrung meines Lebens. Jetzt schauen wir halt mal, dass der Rest dagegen nicht abstinkt.

Ich wuensche jedenfalls frohe Ostern allerseits - Fotos kommen dann im Laufe der naechsten Tage!

Freitag, 10. April 2009

Go West - VIIa: Xining und der Sinn des Lebens

Ich fuerchte, das wird schon wieder ein eher salbungsvolles Posting, aber der Aufenthalt hier hat etwas Aetherisches und auch durchaus Kathartisches. Also lebe ich das hier eben hemmungslos aus. Ist eh gut, wenn das hier wieder ein bisschen mehr Tagebuch-Charakter bekommt. Meine Handschrift kann ich sowieso nicht lesen.

Duerre Felder
Einen wiederum strahlend schoenen Tag beginne ich mit einem Spaziergang in Richtung der Bergkette im Norden der Stadt. Es ist erstaunlich, wie schnell man aus dem modernen Stadtzentrum draussen ist und sich in den Vororten befindet, mit ihren teils kaum mehr (oder noch kaum) vorhandenen Haeusern und unbefestigten Strassen. Ich bin auf dem Weg zum Bei Chan Si, zu einem taoistischen Tempel im Norden der Stadt, doch wie ueblich verirre ich mich zunaechst. Das ist fein, denn so lande ich nach einigen engen Gaesschen und einem riesigen Marktgelaende auf einem Feld am Stadtrand. Zwei Baeuerinnen graben dort mit Spaten und Spitzhacken den steinharten, staubtrockenen Boden um. Mir ist schleierhaft, wie auf einem solchen Boden jemals etwas wachsen soll. Die Aussicht auf die umgebenden Berge ist hier grossartig - die Einheimischen hingegen behandeln mich wie das wandelnde achte Weltwunder. Doch genau wenn einem das ununterbrochene Angestarrt-Werden unangenehm zu werden beginnt, wird man von einem Ohr zum anderen angestrahlt oder es wird gewunken und gerufen. Mir faellt auf, dass hier die Aufmerksamkeit keine lustige, laute, offene ist, wie in den suedlicheren Landesteilen, sondern eher eine freundlich-ruhige. Trotzdem gibt es kaum jemanden, von dem man nicht zumindest angelaechelt wird.

Tempel im Fels
Trotz allem finde ich schliesslich zum Tempel, der teils direkt in Vorspruenge oder Vertiefungen der senkrechten Bergwand hineingebaut ist. Teile des Tempels sind vollkommen verfallen und von Schutt und Schmutz bedeckt, andere werden gerade voellig neu aufgebaut. Das haelt aber niemanden davon ab, zu beten, sich zu verneigen oder Fruechte, Geistergeld und Zigaretten zu opfern. Als ich die fast senkrecht hinauffuehrenden Stufen der Felswand erklettere, bin ich gleichermassen froh, schwindelfrei zu sein, wie starke Sonnencreme und eine Sonnenbrille gekauft zu haben, denn die Sonne brennt mit unglaublicher Kraft auf den Berg.

Der Kontrast zwischen den modernen Hochhaeusern im "Tal", den schroffen, wilden Felsketten, den verfallenen Tempelgebaeuden und den knallbunten, renovierten, die mitten in die Felswand hineingepresst scheinen, ist absolut unwirklich. Ich haette nicht gedacht, dass Xining so eindrucks- und stimmungsvoll ist.

Die kleinen Gebetshoehlen jenes Teils des Tempels, der in die Felswand hineingebaut ist, werden von einem halsbrecherischen Gang verbunden, in dem eine Reihe bunter Gemaelde die Di Yu - das taoistische Aequivalent der Hoelle - illustrieren. Angesichts der erstaunlichen Kreativitaet der dargestellten Grausamkeiten verblassen selbst die schlimmsten Werke von Hieronymus Bosch zu Grottenbahn-Illustrationen.

Armut und Ego
Etwas flau im Magen von Folterbesichtigung und hunderte Meter senkrecht abstuerzenden, unbefestigten Felswaenden unter mir, erreiche ich den Tempelausgang. Hier kauert eine Reihe alter, zumeist verkrueppelter Bettler auf dem Boden und streckt mir Blechschalen, Plastikbecher oder fingerlose Haende entgegen.

Ich gebe jedem von ihnen Yuan im Wert von jeweils ein bis zwei Euro. Ihre Freude darueber ist unbeschreiblich: aufgerissene Augen, lautes Lachen, ein alter Mann strahlt mich mit zahnlosem Mund an, ein anderer ohne Beine streichelt meine Knie, ein juengerer Bursch, dessen nackte Fuesse in einem steilen Winkel von den Knoecheln abwaerts nach aussen gewachsen sind, nimmt mich bei der Hand, ein uraltes Bauernehepaar in Lumpen verneigt sich vor mir, und ich werde mit hunderten Dankesphrasen ueberschuettet.

Ich weiss gar nicht, was ich angesichts dessen fuehlen soll ... Freude, Mitleid, Scham, Stolz und Trauer - alles ist dabei. Es ist bedrueckend festzustellen, ein wie grosser Anteil an Egoismus dabei ist, wenn man hilft. Man fuehlt sich besser - selbst nach so minimalen Aktionen wie diesen. Man hat geholfen, ist ein guter Mensch, kann auf sich stolz sein. All das spielt da mit. Mit einer gewissen Beruhigung merke ich aber, dass zumindest auch ein Anteil ehrlicher Freude darueber dabei ist, geholfen zu haben, wirklich armen Menschen das Leben zumindest ein kleines bisschen erleichtert zu haben, ohne jede Spur von Selbstreferenz. Gleichzeitig ist es beschaemend, dass ich mich nicht traue (und auch zu bequem dafuer bin), wirklich zu helfen. Eventuell koennte man so Zufriedenheit erreichen - oder das ist nur Sozialromantik. Ich weiss es nicht. Den Bettlern sind solcherlei Hirnwixereien ziemlich wurscht, fuer sie sind die naechsten paar Tage Ueberleben gesichert. Und vielleicht kommt es ja auch nur darauf an.

Donnerstag, 9. April 2009

Go West - VII: Xining, Provinz Qinghai

Geschafft! Ich habe mein Ziel, meine "Traumprovinz" erreicht - und bin gluecklich ]:).

Aber der Reihe nach.

Per Rennfahrer nach Xining?
Die Anreise nach Xining waere haarscharf zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden. Geistesgegenwaertig wusste ich dieses aber noch in letzter Sekunde zu verhindern.

Wie das kam? Hoeret selbst:

Es ist naemlich so, dass ich gestern Abend in Lanzhou noch ueber eine recht fesche Bar mit dem mysterioesen Namen "Carman" stolperte. Und da ich auf dieser Reise bisher noch nicht wirklich dazu kam, dem Nachtleben zu froenen, schien mir das eine gute Gelegenheit - also kehrte ich auf ein Bier ein.

Der unheimlich liebenswerte Chef des Etablissements, dessen Chinesisch wunderbar verstaendlich ist, schenkt mir zunaechst hausgegrillte Melonenkerne, um mich dann darueber ins Bild zu setzen, dass ebendiese seine Bar ein Club fuer Ralleyfahrer sei. Da passe ich als Ex-Seicento-Besitzer natuerlich rein wie ein Laubfrosch in eine Hundehuette; aber das macht nichts, ich fuehlte mich trotzdem recht wohl - und bin innert kuerzester Zeit als Auslaender der vielbewunderte Mittelpunkt. Der Wirt telefoniert daraufhin kurzerhand drei usbekische Maedels herbei, die an der Uni Lanzhou Chinesisch studieren. Sie sind ja auch Auslaender, und da muss er sie mir natuerlich unbedingt vorstellen. Eine halbe Stunde spaeter sind die drei da - und von da an mischt sich auch ein wenig Englisch und Usbekisch in unsere bisher rein chinesische Unterhaltung.

Nachdem der Wirt auf einer Gitarre chinesische Weisen zum besten gegeben hat, die Studentinnen Gassenhauer aus Usbekistan, Russland und von Bryan Adams angestimmt haben - und ich daraufhin notgedrungen die gesamte Bar mit "Schiefoahr'n", "Ana hot imma des Bummerl" sowie spontan improvisierten Bluesnummern erfreut habe, schwingt sich der Abend mit dem Erscheinen des Local Heros zu einem Hoehepunkt auf: "Sky" ist offenbar der erfolgreichste Rennfahrer Chinas, wurde 2008 zum "Mann des Jahres" dieses Landes gekuert (die Urkunde und unzaehlige Fotos kann man in der Bar bewundern) und nahm erfolgreich an der wichtigsten Rally Chinas teil: von Lanzhou durch die Wueste und ueber den Himalaya nach Lhasa, Tibet. Hei, da wird es lebendig, laut und sehr chinesisch! Ich finde mich dann in der merkwuerdigen Situation, einem Buendel Chinesen (und Usbekinnen) die paar Woerter Shanghaiisch beizubringen, die ich beherrsche, und dazu noch ein wenig Wienerisch - und lerne dafuer die wichtigsten Phrasen des Lanzhou-Dialekts (der, wie ich bemerke, nicht die geringste Aehnlichkeit mit Hochchinesisch aufweist).

Als sich Sky zu vorgerueckter Stunde erbietet, mich mit seinem Ralleywagen nach Xining zu bringen und dann noch den Qinghai See - meine absolute Traumdestination - zu zeigen, lehne ich ab. Ich habe ja schon ein Zugticket gekauft. Und diese 3 Euro haette ich ja nie und nimmer verschmerzt. Ich Arsch.

Aber macht nix. Dafuer bin ich heute halt ganz bieder (aber dafuer konsequent) mit dem Zug durch die Pampa geritten.

Drei Plagen
Nicht, dass das so fad gewesen waere. Knapp drei Stunden lang brauchte die Eisenbahn fuer die gut 200 Kilometer - deutlich weniger spritzig als ein Ralleyfahrzeug, vielleicht aber auch ein wenig sicherer.

Zunaechst denke ich schon, ich wuerde die Landschaft der letzten Etappe gar nicht sehen. Ich hatte beim Ticketkauf vergessen, einen Fensterplatz zu verlangen und finde mich folgerichtig in der unbeliebten Mittelposition des Hard-Seater-Abteils. Dazu ist das Fenster mit einer fetten Zweiteilung versehen, mit Wasser beschlagen und draussen herrscht ein merkwuerdiger Dunst. (Wahrscheinlich alles, was mein Freund der Nebel in dieser Trockenheit zustande gebracht hat.)

Ich loese diese verfahrene Situation aber auf kompetente Weise: Ungefragt und -verschaemt besetzte ich einfach so den Fensterplatz. Und als mich dessen rechtmaessiger Besitzer fragend ansieht, nutzte ich meinen Auslaenderstatus schamlos aus, indem ich vorgebe, nichts zu verstehen (was nicht allzu weit von der Wahrheit weg ist), woraufhin der Gute sich achselzuckend auf meinen Platz setzt. Die Zweiteilung und den Fensterbeschlag vermeide ich durch kauernde Sitzposition (mein Kreuz ist nicht begeistert), und der Dunst lichtet sich mit zunehmender Hoehe und damit abnehmendem Luftdruck.

Die Fahrt aufs Plateau
So kann ich halbwegs ungehindert mitverfolgen, wie wir nach einer laengeren Strecke entlang des Hoangho, eingezwaengt zwischen Bergketten mit einer merkwuerdigen, in allen moeglichen Brauntoenen gefaerbten Streifenstruktur, langsam in eine Mondlandschaft eintauchen. Zwischen all diesem Braun von gelblich-ocker bis roetlich-terracotta stehen vereinzelte Baeume, in den immer wieder auftauchenden Ebenen sieht man noch das zarte Gruen bewirtschafteter Felder, obwohl die meisten davon mit Streifen weissen Plastiks abgedeckt sind - wahrscheinlich, um die wertvolle, verdunstende Feuchtigkeit bestmoeglich zu konservieren. Ganze Bergketten erstrecken sich von Horizont zu Horizont, wobei ihre Gipfel wie abgeschnitten wirken und so scheinbar voellig flache tafelbergaehnliche Hochebenen bilden. Ich beobachte einen Bauern, der mit Holzpflug und Pferd muehsam sein kleines Feld beackert - doch selbst die aermlichsten Lehmhuetten haben verrostete Satellitenschuesseln auf dem Dach.

Nahe der Grenze zu Qinghai werden die Berge dichter, hoeher, schroffer und felsiger. Ein Tunnel folgt auf den naechsten, dazwischen erstrecken sich halsbrecherische Bruecken ueber tiefe Taeler. Die wenigen Siedlungen sind unglaublich heruntergekommen und verfallen. Von Architektur kann man hier kaum mehr sprechen; hier wird offenbar mit allem gebaut, was gerade zur Verfuegung steht. Die etwas "besseren" Behausungen sind oft Bungalow-artig, quaderfoermig, mit grossen Fensterfronten und weissen Kacheln an der Frontseite. Wo nicht bewaessert wird, gibt es ueberhaupt kein Gruen mehr - wobei ich nicht sicher bin, ob das nicht vielleicht auch an der Jahreszeit liegt.

Vor Xining, der Hauptstadt Qinghais, werden die Ebenen weiter, die Bergketten noch laenger und hoeher, und die Felder sind oft von niedrigen Lehmmaeuerchen umzaeunt - vielleicht, um sie mit Wasser fluten zu koennen, wie ich es gestern auf einem der Berge in Lanzhou beobachtet habe.

Dann ploetzlich taucht mitten im Nirgendwo eine richtige Stadt aus der braunen Bergwueste auf: Xining!

Bunt und anders
Schon am Bahnhof erwartet mich ein voellig eigenes Flair, vorwiegend ob des hier noch bunteren Kulturengemischs: Hier scherzen zwei Maenner in tibetischen Roben und Kopfbedeckungen mit einem der fast tuerkisch aussehenden Hui mit seiner weissen Kappe und dem Rauschebart. Dort spielt ein braungebrannter Bauer in uralter, schmutziger Mao-Jacke mit einem schicken Businessman in Nadelstreif und Aktentasche Schach, waehrend eine elegante, junge Mutter im Guccikostuem ihr in einem traditionellen Han-Chinesischen Umhang steckendes Kind hinter sich herschleift.

Mit dem Taxi lasse ich mich von den niedrigen Aussenbezirken, in denen nicht ein einziger Gehsteig halbwegs intakt zu sein scheint, in die Innenstadt bringen. Dort wirkt es recht grossstaedtisch, aber auch ungewohnt ruhig. Nicht nur die maechtigen Bergketten im Hintergrund vermitteln mir das Gefuehl, nun wirklich in einem voellig anderen Teil der Welt angekommen zu sein: Die Sonne ist hier, auf fast 2.300 Meter Seehoehe, gleissend hell und bringt mich selbst im T-Shirt zum Schwitzen, bin ich aber im Schatten, weht ein eisiger Wind. Der Himmel ist tiefblau, und als der Abend kommt, bringt ein Sturm Sand aus der Umgebung in die Stadt, wobei die Temperatur innerhalb kurzer Zeit bis auf den Gefrierpunkt faellt.

Mission almost impossible
Nachdem ich eine Unterkunft besorgt habe, moechte ich sofort alles versuchen, meinen groessten Traum zu erfuellen: Den Kokonor - so der tibetische Name des Qinghai-Sees - einmal mit eigenen Augen zu sehen!

Dies gestaltet sich zunaechst etwas schwierig. Da der See noch etwa 200 Kilometer westlich von Xining gelegen nicht ganz einfach zu erreichen ist, moechte ich mich diesmal vorsichtshalber einer Tour anschliessen. Doch ich finde und finde einfach kein Reisebuero! Nach mehrfachem Herumfragen und Diskutieren mit Taxifahrern, die zwar nett, aber wenig motiviert sind, mich selbst zum See zu bringen, finde ich dafuer einen ausgesprochen hilfsbereiten Fahrer mit kraeftigem, schwarzem Schnurrbart, der mich bei meiner Suche nach einem Reisebuero unterstuetzt. Gemeinsam fahren wir die Umgebung meiner Unterkunft ab, und waehrend ich mich in verschiedenen Hotels nach moeglichen Touren erkundige, wartet der gute Mann auf die Erfolgsmeldung. Diese bleibt zunaechst aus - dann finden wir aber doch ein Reisebuero, und diesmal kommt er mit, um mich bei der Buchung zu unterstuetzen.

Kurz und gut: Uebermorgen soll es also soweit sein: Um 7.30 Uhr wird mich ein Bus abholen und gemeinsam mit anderen (wohl ausschliesslich chinesischen) Touristen zum Kokonor - und am Nachmittag hoffentlich auch wieder zurueck - bringen! Ich bin unglaublich gespannt, wie das wird.

Zunaechst steht aber morgen noch eine ausfuehrliche Erkundung dieser atmosphaerischen Stadt an.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Reisepläne

"Den Menschen, der ein unruhig' Geist, erkennt man daran, dass er reist", hat einmal ein weiser Mann gesagt. (Ich nämlich. Grad jetzt.) Und das passt auf mich wie die Milka zur Kuh.

Um also meiner diesbezüglichen Informationspflicht nachzukommen, möchte ich hier gerne meine Reisepläne, wie sie sich momentan darstellen, darlegen (dar..dar..dar.. ich hab' auch schon einmal besser geschrieben). Dies soll Euch informieren, warum zu diesen Zeiten weder E-Mails, Posts noch sonstige Nachrichten von mir kommen, es soll mir selbst zur Erinnerung dienen, damit ich nicht vergesse, warum da auf meinem Tisch diese komischen Tickets und Reservierungsbestätigungen liegen - vor allem aber soll es natürlich alle, die das lesen, unendlich neidisch machen, dass ich hier so einen Lenz habe. Man ist ja Mensch.

Nach wie vor hat das folgende Programm einen leichten Touch völliger Vermeidung jeglicher berühmter oder besonders schöner Orte, obwohl ich da schon Kompromisse gemacht habe. Für diese etwas verschrobene Auswahl gibt es im wesentlichen drei Gründe:

1.) Ich entdecke gerne selbst.
b.) Orte, von denen der Reiseführer abrät, sind üblicherweise eher untouristisch und daher unverdorben.
4.) Findet man etwas Schönes, ist es eine Überraschung und man freut sich doppelt.
VIII.) Berühmte Orte kennt man aus unzähligen Dokumentationen, Büchern und von Profifotos, und die Wirklichkeit ist dann manchmal sogar enttäuschend.
a.) Ich bin ein bissl deppat.

Hier also gewohnt wortreich meine Pläne, wie sie sich heute darlegen. Sie werden sich aber zweifellos aufgrund meiner Spontanität, der Unwägbarkeit hiesiger Vorkommnisse und vor allem meiner erstaunlich vielseitigen Unfähigkeit im Laufe der Zeit noch verändern:

I. Der Frohe-Weihnachts-Ausflug
Den kennen wir schon. Da gab's vor nicht allzu langer Zeit ein eigenes Posting. In zehn Tagen geht's für eine Woche nach Guangxi. Zunächst verunsichere ich Nanning, und dann werden wir weitersehen. Eins ist sicher: Guangxi zittert bereits, denn der Flug ist gebucht, die Unterkunft für die ersten drei Tage auch. Es gibt also kein zurück mehr, Südchina wird sich bald mit mir auf irgendeine Weise auseinandersetzen müssen. (Temperatur dort momentan übrigens 28 Grad. Scheißhitze.)

II. Der Neujahr-Kompromiss-Trip
Ursprünglich wollte ich ja in den Semesterferien drei Wochen lang spontan durch Südost-China trampen. Ich sah mich schon: Backpack geschultert, kambodschanischen Reiseschal um den seit Wochen nicht mehr gewaschenen Hals geschlungen, mit verwegenem Tramper-Blick die unwegsamsten Gelände durchmessend, in fließendem Agrarchinesisch zotige Witze reißend mit wettergegerbten Tagelöhnern kartenspielend, auf dem Boden schlafend, Matsch und Asche essend und mindestens eine unbekannte Zivilisation sowie einen Ozean entdeckend, um anschließend meine Memoiren teuer an Hollywood zu verkaufen, wo sie mit Jody Foster in der Hauptrolle verfilmt würden und ich aber die mir nach der rauschenden Premiere begeisternd zujubelnden Männer und mir BHs nachwerfenden Frauen mit meiner unglaublichen Natürlichkeit beeindrucken würde, um anschließend im ungezwungenen Plauderton Fragen zu beantworten, wie ich mir als solch Mensch-gewordenes Phänomen denn nur eine solche Bodenhaftung bewahren konnte.

Oder zumindest wollte ich halt wirklich viel mit dem Zug fahren.

Natürlich konnte ich nicht wissen, dass in China seit 3.000 Jahren um diese Zeit Neujahr gefeiert wird. Und beim Zeus: Wie sollte ich ahnen, dass, wenn sich 500 Millionen Chinesen gleichzeitig kreuz und quer durch ihr schönes Vaterland Richtung Heimatprovinzen bewegen, die Züge überlastet sind, und man Reisen tunlichst ganz vermeiden, zumindest aber bereits lange vorher durchorganisieren sollte?

Eben.

Nach erfolgreicher Absolvierung meiner üblichen, ausgesprochen reifen Drei-Phasen-Reaktion auf solche Enttäuschungen (Schock -> Panik -> Schmollen) habe ich kurzerhand meine Pläne geändert und werde nun gleich nach meiner großen Schlussprüfung am 5./6./7. Jänner für eine Woche nach Sichuan fliegen. Auch "Szechuan" oder "Setschuan" geschrieben, ist diese Provinz im Südwesten, an der Grenze zu Tibet, nicht nur Herkunftsort der berühmtesten, scharfen Küche Chinas, sondern auch Heimat der letzten wildlebenden Pandas. In der Nähe der Hauptstadt Chengdu gibt es die größte Aufzuchtstation der Welt, die man besuchen kann. So werde ich mich also dort (in der Hauptstadt natürlich, nicht als Panda verkleidet in der Station) in einem ausgesprochen günstigen Youth Hostel einquartieren, das in einem antiken Gebäude aus irgendeiner fürchterlich berühmten Epoche untergebracht ist, die ich gerade vergessen habe. Von dort aus werde ich dann je nach Verkehrsmittel-Verfügbarkeit Tagestrips in die Umgebung machen. Oder auch nicht. Mir doch wurscht.

III. Die Freundes-Tour
Nachdem ich eine Woche vor und nach dem chinesischen Neujahrstermin (26. Jänner 2009) in Shanghai bleiben will, um das Ärgste abzuwarten und auch die gigantischen Neujahrsfeiern hier mitzuerleben, kommen am 31. Jänner zwei Freundinnen aus Österreich zu Besuch. Gemeinsam wollen wir es irgendwie schaffen, sowohl die weltberühmten Karstlandschaften von Guilin (ja - dort fährt jeder hin) am Li-Fluss zu besuchen als auch jene Stadt, von der es heißt, ihre Bewohner würden alles essen, was mehr als zwei Beine hat und kein Tisch ist: Kanton.

Der Umstand, dass dies immer noch die hektischste Reisezeit des Jahres ist und man aus nur den Chinesen bekannten Gründen Zugtickets maximal fünf Tage vor Reiseantritt kaufen kann, macht die ganze Sache extrem spannend. Eröffnet dies doch die aufregende Möglichkeit, dass wir drei entweder zwei Wochen lang in Shanghai festsitzen oder - noch lustiger - in Guilin oder Kanton. Was ganz schlecht wäre. Denn die zwei müssen ja ihren Rückflug erwischen - und ich spätestens am 13. Februar wieder in Shanghai sein, um mich für das nächste Semester zu registrieren. Aber wird schon schiefgehen. Und das meine ich ganz wörtlich.

IV. Die Schlimme-Finger-Reise
Die für mich persönlich wichtigste Reise war eigentlich die vorher erwähnte - und nun eben unmögliche - solche durch ganz Südost-China. Ihre Durchführung war ein lange gehegter Jugendtraum, und den lasse ich mir nicht einfach so von lächerlichen 500 Millionen Chinesen zerstören - wo bleiben denn da die Verhältnismäßigkeiten?
Daher entschlaß ich mich, einfach im nächsten Frühjahr Level C noch einmal zu besuchen. Das ist gut, denn wir lernen sowieso viel zu viele Vokabeln, so dass in mir der Verdacht aufkommt, ich vergesse zur Zeit mehr Wörter als ich jemals gelernt habe, und so könnte ich sie in Ruhe wiederholen. Das ist außerdem gut, weil ich dann problemlos zwei bis drei Wochen spritzen und auf die Reise gehen könnte. Auf dieser möchte ich nichts vorplanen, sondern einfach so darauflos fahren, wohin der Wind mich treibt. Und wer mich kennt, weiß natürlich, dass das im Klartext bedeutet, ich habe schon alles bis ins kleinste Detail durchdacht und geplant.

In etwa möchte ich zuerst nach Hefei, die Hauptstadt der Provinz Anhui, wo es absolut nichts zu sehen gibt - und das finde ich sehr spannend. Dann weiter in den Norden, wo ein unscheinbares Städtchen das Zentrum der chinesischen Medizin darstellt. Da kann man sicher zerstoßene Lindwurm-Gedärme, getrocknete Waschmuschel-Ohrringerln und Ähnliches beäugen. Anschließend geht es weiter Richtung Nordwesten, in die Provinz Henan. Im dort auf irgendsoeinem Berg gelegenen Shaolin-Kloster würde ich gerne vorbei- und ein paar friedliebenden Mönchen beim einander Verdreschen zuschauen. Sodann soll es mich Richtung Süden ziehen, wo ich in der Provinz Hubei sicher auch irgendetwas völlig Entbehrliches auftreibe und genauestens besichtige. Fernstes Ziel ist die Provinz Hunan, wo mich einerseits eine Beäugung Mao Zedongs Heimatdörfchens (ein Doppelgenitiv! Hurra!) reizen würde sowie die dortige extrem scharfe Küche. Und ein uraltes wunderschönes Städtchen der Miao-Minderheit (neeeein, keine Katzen, das ist der Name eines Volksstamms - "Katze" heißt auf Chinesisch "Mao", was auch sehr putzig ist).

Falls dann noch Zeit bleibt - denn das sind gigantische Entfernungen, um sie nur mit Bus und Bahn zurückzulegen -, möchte ich auf der "Rückreise" gerne die Provinzen Jiangxi, Fujian und Zhejiang unter die Lupe nehmen, die alle große landschaftliche Reize, unverdorbene Kultur und viele lustig klingende Namen zu bieten haben.

Nach vollendeter Rundreise werde ich dann mit Sicherheit wieder mit Begeisterung in ein Zimmer mit Bett, Bad und Tisch zurückkehren und die vielen neuen Vokabeln des Levels D lernen.

V. Der mögliche Nordwest-Hupfer
Meine Sprachpartnerin Linan stammt ja aus der riesigen Nordwest-Provinz Qinghai, die ehemals zum Staat Tibet gehörte und heute vor allem zwei Besonderheiten aufzuweisen hat: Erstens ist sie unfassbar hochgelegen (die Provinz, nicht die Sprachpartnerin - die Hauptstadt Xining ist mit 2.500 Metern Seehöhe nahe dem tiefsten Punkt), und zweitens kennt sie kein Mensch (wieder die Provinz. Nicht die Sprachpartnerin). Eventuell würde ich gerne dorthinfahren, auf ein verlängertes Wochenende. Die Fahrt dauert eh nur 35 Stunden, führt durch grandiose Panoramen, und das Ziel Xining kann man sich - wiederum laut Auskunft meines verlässlichen Reiseführers - vollkommen sparen, also gibt's keinen Grund, wahnsinnig lange dort zu bleiben.

"Möglich" schreibe ich übrigens deshalb, weil ich noch nicht weiß, ob das zeitlich funktionieren wird. Aber es wäre mir eigentlich ein Anliegen. Wegen ihrer völligen Unbekanntheit (und ja, ich gebe es zu, auch wegen der außerirdischen Landschaft des Tibet-Qinghai-Plateaus) war dies nämlich immer schon meine Lieblingsprovinz.

VI. Die Hohe-Nord-Expedition
Im Juni findet gleich nach Ende meiner allerletzten Abschlussprüfungen die erste (und wohl einzige) Herrenrunde auf chinesischem Boden statt. Dabei handelt es sich um eine ebenso alte wie dumme Tradition, die auf die fünfte Klasse Gymnasium zurückgeht. Damals beschlossen alle sechs Burschen der damaligen 5A/Possingergasse aufregenderweise, einmal gemeinsam wegzugehen. Und irgendwie hat uns nie jemand gesagt, wir sollen wieder damit aufhören. Daher tun wir das fast 20 Jahre später immer noch etwa alle zwei Monate, obwohl wir nun auf vier verschiedene Länder verstreut leben. Zwei Vertreter dieser würdigen Institution kommen mich im Frühsommer für ein Wöchlein besuchen. Das ist fein. Hat aber mit dem Thema nix zu tun. Warum erzähle ich das also hier? Ach so, ja: Weil ich gleich danach noch eine weitere Reise zum Abschluss plane - in den hohen Norden Chinas, in die Provinz Heilongjiang direkt an der Ostsibirischen Grenze. Dort ist es auch sehr schön und in jeder Hinsicht völlig anders als hier in Ostchina.

So. Jetzt möchte ich noch festhalten, dass all diese Angaben ohne Gewehr sind. Denn ich hab' keines. Und verändern kann sich das alles auch noch. Sollte ich also in einem dreiviertel Jahr zurückkehren, und alles, was ich gesehen habe, ist der Greißler hier ums Eck bei der Uni, bitte ich, meinen Wagemut nicht daran zu messen.

Übrigens hab' ich jetzt so lange an diesem Posting herumgetippt, dass es zu spät ist, mir noch den Film anzuschauen, den ich gerne sehen wollte. Das ist ganz alleine Eure Schuld. Pfff.