Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. Juli 2009

Shanghai brät

... doch ich lass mich nicht braten. Hier hat's laut Wetterbericht 36°, aber anfühlen tut sich's dank der Schwüle (ebenfalls laut Wetterbericht) wie 43°.

Was sagt uns das?

Nun - wer mich kennt, weiß: Kaum erhebt sich des Thermometers Quecksilber zögerlich-sanft über die 20°-Grad-Grenze, verwandle ich mich spontan in eine beeindruckende Springbrunnen-Persiflage und kenne kaum noch andere Gesprächsthemen als die UNÄRTRÄÄÄÄÄGLICHÄÄÄÄ HITZÄÄÄÄÄÄ.

Na, könnts Euch vorstellen, wie's mir hier zurzeit geht.

Was also tun?

Ganz einfach: Ich trof vorgestern in einem Restaurant zwei Studenten aus Guizhou. Das ist eine Provinz, die nicht besucht zu haben mir ohnehin schon seit längerem sehr Leid tat. (Dieses gschissene Land ist einfach zu groß.) Und dann besitzen die zwei auch noch die Unverfrorenheit, mich nicht früher kennengelernt und mir erzählt zu haben, dass Guizhou auf einem Hochplateau liegt und daher sehr angenehme Sommer ihr (sein?) Eigen nennt!

Wir haben dann noch sehr nett dahingeplaudert, und wie üblich musste ich fest versprechen, falls es mich mal nach Guizhou zieht, mich unbedingt zu melden. Dann bin ich rausgegangen aus dem klimatisierten Raum. Und als mich da draußen wieder einmal die Hitzekeule mit einem fröhlichen Frontalschlag ins Gesicht begrüßte, war ich nur mehr eines benommenen Gedanken fähig: "Ich muss weg!"

Woraufhin ich gleich ein Ticket nach Guizhou gebucht habe, wo ich demgemäß morgen hinfliegen werde. Ist eine hochinteressante Gegend mit atemberaubender Landschaft, unzähligen Dörfern ethnischer Minderheiten - und angeblich vom Tourismus noch so gut wie unberührt.

Ich bleibe dort nur vier Tage, werde aber zweifelsohne wieder einmal einen Weg finden, alles, was ich nicht kaputt mache, auf andere Weise kreativ falsch anzupacken - und falls dem tatsächlich so ist, werde ich danach darüber berichten. Falls nicht, dann nicht.

Kaum war das Ticket gebucht habe ich jedenfalls festgestellt, dass es dort unten gerade ungewöhnlicherweise mit jedem Tag heißer wird und außerdem ein Taifun in der Gegend herumbläst.

Ideale Voraussetzungen für einen gelungenen Urlaub also - man darf gespannt sein.

Samstag, 30. Mai 2009

Wir unterbrechen dieses Blog für eine wichtige Durchsage

Man trug mir zu, man wüsste nicht, was ich in letzter Zeit eigentlich so triebe. Man artikulierte die Befürchtung, ich würde nichts mehr unternehmen. Ja, man erdreistete sich gar der Feststellung, ich würde prokrastinieren!

Daher:

"Was sich so tat in den letzten Tagen"

(langweilig durchnummeriert, ohne meine patentierte Aufzählmethodik)

1. besuchte die "Mini Expo", eine Veranstaltung der Fudan Uni, die den Studenten die Möglichkeit gab, ihre Länder zu präsentieren. Fand dort einen Burundier, der in einem Kasachenzelt mongolisches Pferdefleisch aß, einen Saudiarabier, der mit einem Nordkoreaner von einer Malayin fotografiert wurde - sowie einige Österreicher in Lederhosen und mit "Spatzi"-Lebkuchenherzen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. (Geistige Notiz: Hiesige Österreicher-Vermeidungsstrategie ausgesprochen erfolgreich!)
Großartige, ja, sensationelle Fotos vorhanden, aber leider unmöglich zu posten.

2. Organisierte einen Klassenabend in einer koreanischen Bar. Fand heraus, dass Ukrainisch dem Russischen doch recht unähnlich ist. Außerdem, dass mein Klassenkollege Ichikawa sowohl Physik studiert hat als auch auf Hardrock steht. Ebenso nun empirisch nachgewiesen: Schwerkraft in China nach wie vor reichlich vorhanden. (Schade um die gute Pizza.)

3. Genoss wöchentliche, Kreuz-brechende Massagen. Sorgte gleichzeitig für angemessene Akzent-Verwirrung dank Small-Talk mit Massage-Spezialisten aus vier verschiedenen Provinzen.

4. Traf eventuelle neue Sprachpartnerin in einer Hotel-Lobby und erledigte somit ganz unerwarteter Weise die Aufgabe für die gesamte Woche. Etablierte, dass der Dialekt im Norden Anhuis recht französisch klingt.

5. Sah eine hervorragende Antarktis-Dokumentation mit David Attenborough. (Koreanische Untertitel vorhanden.)

6. Absolvierte einen Karaoke-Abend mit meinen österreichisch-chinesischen Freunden Lao Ma, Steffie und Mathias, der überraschend in meine erste Live-Beatboxing-Erfahrung mündete (Video vorhanden). Erkenntnis: "Wir brauchen a Gitarr'! Des geht net, dass mir dauernd nur a Dschinderrassa-Bumm ins Mikro plärren!"
Außerdem: schlecht gebeatboxte Snare-Drum klingt schnell wie besonders saftige Blähungen und sorgt so für unbändige Heiterkeit. (Geistige Notiz: Bei Gelegenheit erwachsen werden.)
Merke weiters: "dumpfbacken" als Übersetzung für "beatboxing" lustig, aber unpassend.

7. Genoss den neuen Star Trek Film im Kino. (Erstaunlich gut!)

8. Verbrachte das Drachenboot-Fest gemeinsam mit ein paar Klassenkollegen in der Innenstadt auf der Suche nach Drachenbooten. Fanden keine. Dafür massenweise Stink-Tofu und entzückendes Altstadtviertel sowie schönen Garten. Fotografierten dickes Weiblein in rosa Pyjama beim hingebungsvollen Nasebohren. (Bildmaterial auf Anfrage erhältlich.)

9. Besuchte das Städtchen Jiaxing und entdeckte dort entzückendes Water Village - völlig ohne Touristen und Keiler. Spielte in dortiger Bar mit einem Einheimischen den sinnreichen Playstation-Heuler "Nazi Zombies" sowie Würfelpoker. Musste wegen verlorener Spiele sowohl 3 männliche Chinesen küssen, Walzer tanzen, auf der Straße ein Weihnachtslied singen als auch einen Affen imitieren.

10. Gab Englischunterricht in einer "School for Underprivileged Children". Bewies eindrucksvoll meinen Mangel an pädagogischen Fähigkeiten.

11. Half beim Brunnengraben in einem kleinen Dorf. (Grund: Gutes Herz und schlechtes Chinesisch-Hörverständnis. Gedankliche Notiz: Bei der nächsten Abstimmung nur dann die Hand heben, wenn auch verstanden wurde, wofür man sich gerade meldet. Oder zumindest die Außentemperatur unter 30 Grad beträgt.)

12. Umrundete zu Fuß den Jiaxinger "Nan Hu" ("südlicher See"). Gewonnene Erkenntnis: Überraschend groß.

13 Traf sehr netten Wohndeko-Vertreter aus Xinjiang, der mich dorthin zum Schafspieß-Essen einlud. (Anm.: Entfernung seiner Heimatstadt von Shanghai etwa 4.000 Kilometer.)

14. Versuch, die schmerzenden Schultern (Brunnengraben), Füße (Seeumrundung) und Gehirnzellen (Lehren unterprivilegierter Kinder) im Rahmen eines entspannenden Sonntags beim Vokabellernen zu erholen.

Und irgendwann sollte ich dann vielleicht auch noch ein bisschen was für die Uni tun. Mal sehen. Man kommt ja zu nix.

Dienstag, 19. Mai 2009

Weiter im Text: Ningbo

Ich habe erfahren, dass die gesamte Blogspot-Plattform tatsächlich von offizieller Seite gesperrt wurde. Dies ist nicht gerade eine großartige Unterstützung betreffend meine ständigen Appelle, was für ein wunderbares Land dies wäre. Aber na gut, dann machen wir halt ohne Bilderchen und sonstigen Formatierungen weiter. Stellt’s Euch diese Pixelwüste einfach als gelegentlich von einem Bonanza der Farben unterbrochen vor. Wozu hat man schließlich Phantasie.

Heute geht’s um meinen kleinen Wochenend-Trip nach Ningbo. Der war überraschend. Allerdings auf ganz andere Weise als gedacht. Und das ist ja dann immer umso überraschender.

Schon bei der Hinfahrt im Zug, als ich mit einer Schulklasse aus Neunzehnjährigen (mal wieder) gemeinsam ein paar Lieder sang, merkte ich: Etwas ist anders. Drehte sich doch tatsächlich ein Herr zu uns um und ermahnte zur Ruhe(!). Normalerweise ist dies der Chinesen größte Angst: Ruhe. Und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass in diesem Land alles getan wird, um nicht unnötige Lautlosigkeit einreißen zu lassen. Überall hupt es, schreit es, kracht, hämmert, dröhnt und röhrt es, dass es nur so eine Freude ist. Selbst die Automotoren sind hier mindestens dreimal so laut wie daheim. Und im Zug um Ruhe gebeten - anstatt angefeuert - zu werden, das kannte ich bisher nur aus Europa!

Nun liegt Ningbo, die Stadt der drei Flüsse und der größte Tiefseehafen Chinas, in der reichsten aller Provinzen: Zhejiang. Etwa so groß wie Österreich - allerdings mit siebenmal so vielen Einwohnern - werden die Menschen dieser Provinz in ganz China für ihre Cleverness und ihren Reichtum bewundert, und für ihre sprichwörtliche Arroganz vernadert.

Bei meiner Ankunft empfing mich brütende Hitze, und als ich so bei 33 Grad durch Ningbos Straßen floss, bewunderte ich die modernsten und saubersten Straßen, die ich bisher in China gesehen hatte – mit Ausnahme vielleicht von Hong Kong.

Und noch etwas verwunderte mich: Nie zuvor in China (wiederum mit Ausnahme von Hong Kong) sah ich eine derartige Konzentration von Westlern. Es gibt in dieser Stadt ein eigenes Viertel voll mit Bars, Restaurants und Clubs, das zu etwa drei Vierteln von Angehörigen der europiden Rasse bevölkert wird: „Laowai Tan“, etwa: „Straße der Ausländer“ - ein Wortspiel mit Bezug auf Shanghais berühmten „Bund“ (auf Chinesisch: „Wai Tan“).

Dort drückt man mir gleich einen Flyer in die Hand:

„Ningbo Food 2 U – Food Delivery Website for Foreigners who live in Ningbo“

Ein Service für jene, die nicht imstande oder willens sind, genug Chinesisch zu lernen, um ein paar Gerichte zu bestellen. Auch die Auswahl an Lokalen, die durch diese Firma repräsentiert werden, zeugt von großer Offenheit seitens der Klientel gegenüber der hiesigen Kulinarik: McDonald’s, Papa Jones Pizza, New York Pizza, Starbucks Coffee und Häagen-Dasz garantieren, dass wir in dieser Stadt mit dem feinsten, was unsere westlichen Länder an Speisen zu bieten haben, versorgt werden und uns gar nicht erst mit der chinesischen Küche befassen müssen. Das verwirrt nur.

Ganz entsprechend dieser erfrischenden Geisteshaltung, erfreut mich auch die Klientel dieser Gegend: wohlbeleibte westliche Herren von wenig ansprechendem Äußeren in ihren 40ern, kurzen Hosen und Schlapfen, nüchtern oder auch gerne in besoffenem Zustand – überwiegendenfalles aber in Begleitung auffallend hübscher, zumeist deutlich jüngerer Chinesinnen. Welch wundervoller Beweis, dass wahre Liebe auch über Sprachgrenzen hinweg funktioniert!

Trotz des mich angesichts dessen spontan würgenden Brechreizes und akuten Fremdschämens, betrete ich eine Bar, in der Live-Musik angekündigt wird. Diese überrascht mich – denn eine philipinische Band geigt gar großartig auf: Rolling Stones, Mister Mister und ähnliche Rockklassiker werden mit großem Können und unglaublichen Stimmen zum besten gegeben; und gerade als ich mich darüber freue, dass selbst diese Gegend etwas Nettes zu bieten hat, betritt Koarl als "Gastsänger" die Bühne.

Hier heißt er Garry, ist sogar noch blader, natürlich ein „very good friend“ des Sängers, spricht nach Jahren in Ningbo kein Wort Chinesisch und - frohlocket! - gibt Elvis Presley. Die Stimme ist nicht schlecht – doch man grooved, man rockt, man swingt, ist für einen 55-Jährigen überhaupt ausgesprochen cool … aber generell gesprochen ist ein derart massiver Hüftschwung nicht das letzte Bild, das ich von diesem Tag mit nach Hause nehmen möchte. Daher verlasse ich die Bar bald, und genieße noch einen Abendspaziergang.

Dieser, sowie eine Besichtigung der restlichen Stadt am nächsten Tag, versöhnen mich mit diesem ansonsten sehr schönen und sympathischen Ort. Für die Heimfahrt erstehe ich ein Busticket, da ich auf diese Weise die mit 35 Kilometern längste Brücke der Welt überqueren kann – und die ist ausgesprochen beeindruckend. (Das fetzt jetzt ohne Fotos natürlich wahnsinnig.)

Für meinen nächsten Ausflug aber werde ich versuchen, einen Ort auszuwählen, der ein bisschen weniger koarlt. Bei aller Liebe … ich bin in China, und nicht in Simmering.

Sonntag, 26. April 2009

Go West in Pictures - IV: Provinz Gansu & Provinz Qinghai

Nach der aufreibenden Prüfungswoche wird es Zeit, die Bilderpostings langsam einem Ende näherzuführen. Daher kommt gleich heute das vorletzte dran.

Für dieses habe ich die Provinzen Gansu und Qinghai zusammengelegt. Warum weiß ich nicht mehr. Als ich mich dazu entschlossen hatte, machte es noch irgendwie Sinn, aber mittlerweile habe ich das erfolgreich verschwitzt. Jetzt sind die Fotos schon mal hochgeladen, also müssen wir alle eben damit leben.

Lasset uns gleich beginnen.

Wie üblich zunächst einige Fahrtimpressionen. Gansu ist eine Provinz, die zum größten Teil aus Wüsten und Halbwüsten besteht. Dementsprechend üppig bevegetiert ist dann auch die Landschaft, die sich mir beim Blick aus dem Fenster bietet. Acht Stunden lang ziehen die wildesten Lehm- und Felsformationen an mir vorbei, bis ich in Lanzhou ankomme.

Da ich ja nur zwei Nächte bleibe, checke ich gleich ins nächstbeste Hotel am Bahnhof ein. Das Gewicht des Rucksacks des fröhlichen Reisenden ist mittlerweile aufgrund diverser, herrlich sinnloser Einkäufe bereits in die Dimensionen eines familienfreundlichen Kleinwagens vorgestoßen, daher bin ich froh, es möglichst schnell abwerfen zu können.

Lanzhou ist jene Stadt, von deren Besuch die Reiseführer üblicherweise abraten. Dabei ist alleine die unwirkliche Lage, eingezwickt in ein enges Tal am Hoangho (Gelber Fluss), meiner Meinung nach absolut sehenswert.

Wenn's wo trocken is, kriegt ma an Durscht. Und da das auch für Pflanzen gilt, sind die meisten Hügel um Lanzhou von Bewässerungssystemen in Form von Wasserterrassen und Kanälchen durchzogen, die eine auffällige Ähnlichkeit mit den hiesigen Klos aufweisen.

Eine der wenigen klassischen Sehenswürdigkeiten Lanzhous ist der Fünf-Quellen-Berg mit seinen Tempel- und Parkanlagen. Sehr hübsch, wenn auch unbequemerweise recht vertikal.

In einem der Parks stieß ich auf diesen freundlichen ZZ-Top-Fan, der seinen Lebensunterhalt offenbar mit Freiluft-Akupunktur verdient.

Da ich Hirni postingtechnisch zwei Provinzen zusammengelegt habe, muss ich mich einschränken. Somit ist anbei bereits das Foto der Weiterfahrt nach Qinghai zu bewundern. Die letzte Provinz meiner Reise ist gleichzeitig die ärmste und trockenste. Die Siedlungen werden hier immer niedriger und ärmlicher, entbehren aber nicht einer gewissen Ästhetik.

Xinings Atmosphäre ist mit keiner anderen chinesischen Stadt vergleichbar, die ich bisher besucht habe. Selbst das moderne Zentrum wirkt nicht zuletzt aufgrund der gleißenden Höhensonne und des tiefblauen Himmels irgendwie wesentlich weiter und offener als gewohnt.

Eine Viertelstunde Spaziergang vom Zentrum entfernt beginnen bereits die Vororte, deren Bewohner bei aller Bescheidenheit doch größten Wert auf wohlgeschmückte Haustüren legen.

Die Felder der Umgebung bestechen nicht gerade durch übermäßige Saftigkeit.

Dafür bringt das bunte Nationalitätengemisch dieser Stadt reichlich Farbe ins Straßenbild. Seien es bummelnde Tibeter auf einem Parkplatz ...

... oder spazierende Hui vor der Großen Moschee.

Eine zurzeit noch recht zerfallene, sich aber bereits in heftigster Renovierung befindliche Tempelanlage ist der Bei Chan Si - mit seiner halsbrecherischen Lage mitten in einer vertikalen Felswand.

Vor seinen Toren kann man sich wie üblich mit Räucherstäbchen eindecken ...

... auch wenn angesichts des Eingangs meiner Meinung nach isotonische Getränke und schnellwirkende Anabolika sinnreicher wären.

Um die oberen Regionen der Anlage zu erkunden empfiehlt es sich, neben tiefgläubig auch schwindelfrei zu sein.

Gröbere Felsspalten und Abbrüche werden zum Glück durch vertrauenserweckende Stege überbrückt.

Man muss anerkennen: Die Chinesen schaffen es sogar, auf dem einsamsten und weitesten Hochplateau größtmöglichen Platzmangel zu simulieren, indem sie Bauwerke einfach in winzige Felshöhlen quetschen.

Diese bieten dann auch eine gewisse, wenn auch etwas gruselige, Gemütlichkeit ...

... wobei aber heilige, taoistische Gemälde dem Verzagten stets Trost und Ruhe spenden.

Von hier oben ist der Ausblick auf die Stadt allerdings unglaublich.

Der Hauptgrund für einen Aufenthalt in Xining ist für die meisten Touristen das nahe Kloster Kumbum, Geburtsort des Gründers der tibetischen Yellow Hat Sekte und nicht zuletzt deshalb eines der sechs großen Klöster des tibetischen Buddhismus.

Es ist übrigens wirklich groß. An jeder Ecke rennen Mönche herum, und überall stinkt's nach Räucherstäbchen und ranziger Yak-Butter. Letzteres vorwiegend wegen der berühmten Butter-Skulpturen, die man dort bewundern, allerdings nicht fotografieren kann.

Die Tempel des Klosters sind ganz anders als die chinesischen, die ich bisher sah: viel Holz, alles sehr eng und dunkel - und das tibetische Element ist in der gesamten Anlage nicht zu verleugnen.

Unser heutiges Abschlussfilmlein zeigt noch einen Ausschnitt der im betreffenden Posting erwähnten Open-Air-Amateurdarbietung einer chinesischen Oper - mit den coolsten Seniorenmusikern seit Buena Vista Social Club.

Das letzte Posting dieser Serie wird sich meinem großen Endziel widmen: dem Koko Nor und seiner Umgebung, um dies auch gebührend zu illustrieren.

Dienstag, 21. April 2009

Go West in Pictures - III: Provinz Shaanxi

Am Tag vor meiner dreitägigen, großen Prüfungsveranstaltung habe ich natürlich nix besseres zu tun als zu posten.

Aber was soll ich tun? Das Zimmer ist blitzblank, sämtliche Formulare und Dokumente neu geordnet und das Studentenheim mit dem Zahnbürstel neu verputzt ... wenn ich jetzt nicht poste, müsste ich ja lernen - und das wollen wir doch alle nicht.

Also widme ich mich hiermit Provinz Nummer 3: Shaanxi.

Wir erinnern uns: das ist die, die was Xi'an mittendrinnen hat, deren Hauptattraktion wiederum unglaubliche Menschenmassen zu sein scheinen. Daher bilden diese auch irgendwie einen gewissen Schwerpunkt meiner Bebilderung, auch wenn die schiere Flut an Sehenswürdigkeiten mich zwingt, noch mehr Fotos als sonst hochzuladen. War mühsam genug, über 200 Stück auf gerade einmal ein gutes Zehntel zu reduzieren.

Gehen wir es also an.

Reist man von Henan nach Shaanxi, wird es langsam immer trockener und immer bergiger. Ansonsten verändert sich nicht allzu viel. Auch in Shaanxi sind Wohnhöhlen omnipräsent. Und ebenso die blöden Bäume davor.

Allerdings sind die Panoramen durchaus vielfältig. Manchmal wirkt die Landschaft geradezu lieblich - und beweist, dass es hier durchaus noch recht grün sein kann.

Um die Fahrkarte für die Weiterfahrt zu erstehen, begebe ich mich nach Ankunft in Xi'an in die heimelige Atmosphäre der Tickethalle. Anbei einige der 30 Schalter inklusive eines kleinen Ausschnitts der hoffnungsfrohen potenziellen Fahrgäste.

Für die Schlange vor der Busstation zur Terracotta-Armee hätte nicht einmal ein Birdseye-Objektiv ausgereicht. Hier ein kleines Stückerl davon, das bereits bis an die Stadtmauer heranreicht ... Grund genug für mich, mir zunächst Xi'ans zentralere Sehenswürdigkeiten zu Gemüte zu führen.

Genau im Zentrum der nach klassisch-chinesischem Grundriss rechteckig nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichteten Stadt befindet sich ein großer Platz mit dem Glocken- und dem etwas kleineren Trommelturm aus dem 14. Jahrhundert. Hier der Blick vom einen zum anderen.

Der Trommelturm heißt so zweng der Trommeln, die sich darin und darauf befinden. Früher wurden nämlich des Nachts die Stunden durch Trommelschläge, des Tags durch Glockengeläut angezeigt. Heute bevorzugt man in China eher ein Zeitkontinuum, markiert durch zarte Straßenverkehrs- und Baustellenklänge.

Die Chinesen haben übrigens überhaupt keinen Humor. Nach meinem Besuch am Trommelturm mit seinen Trommeln hoffte ich insgeheim, im Glockenturm auf eine Sammlung an E-Gitarren zu treffen - oder gar Murmeltiermodelle aus Plastilin. Doch was ich dort fand, waren antike Glocken. Wie vorhersehbar ...

Die unmittelbare Umgebung des Glockenturms gestaltet sich gar blümelig ...

... neben dem Trommelturm hingegen findet man das Muslimenviertel mit seinen Märkten und seinem bunten Treiben. Wobei festzuhalten ist, dass man dort vor lauter buntem Treiben zumeist weder eben erwähnte Waren noch überhaupt das Viertel selbst erblickt.

In den Seitengasseln geht es allerdings etwas ruhiger zu - dort kann man manchmal sogar Künstlern bei der Arbeit zusehen.

Im Muslimenviertel versteckt sich eine weitere Sehenswürdigkeit: die große Moschee. Sie sieht auch nicht viel anders aus als ein buddhistischer Tempel - allerdings verrät eine muntere Häufung an Hui-Chinesen, dass man sich an einem muslimischen Ort befindet.

Wieder ein bissl was Kitschiges für die Susy und den Papa - denn auch in der Moschee blümt es auf Teufel-komm-raus.

Nach all diesem Sightseeing bleibt noch Zeit für einen entspannenden Bummel auf Xi'ans praktisch menschenfreien Einkaufsstraßen ...

... oder vielleicht doch eher einen ruhiger Abend mit einem guten Buch und frischem Zuckerrohr.

Am nächsten Tag gibt es etwas ruhigere Momente im taoistischen "Tempel der acht Unsterblichen" ...

... oder bei der berühmten Großen Wildganspagode aus dem Jahr 648 n. Chr.

... wobei man in dieser faszinierenden Anlage doch wieder nicht mehr ganz so einsam ist.

Immerhin fand dieser Herr ein Stückerl unbemannte Straße für seine Wasserkalligraphie.

Im Stelenmuseum schließlich kann man uralte Texte auf unendlich vielen Steinstelen bewundern. Oder auch von einer davon ein "Stone Rubbing" anfertigen lassen und mitnehmen.

Und dann endlich war es soweit, dass ich zur berühmten Terracotta-Armee aufbrechen konnte. Die - wie hier ersichtlich - in Xi'an omnipräsent ist und auch stets mit dem nötigen Respekt fern jeglicher Kommerzialisierung behandelt wird.

So schaut sie live aus. Erst ein kleiner Teil davon ist von den Archäologen freigelegt - doch auch so kann man über 6.000 dieser lebensgroßen Tonfiguren bewundern.

Jeder einzelne der 2.000 Jahre alten Gatschsoldaten hat individuelle Gesichtszüge und Körpermerkmale.

Ich beschließe meinen Aufenthalt in Xi'an mit einer Radtour auf der 18 Meter breiten, zwölf Meter hohen und 14 Kilometer langen Stadtmauer.

Eine großartige Möglichkeit, die Stadt von oben kennenzulernen. Prächtige Ausblicke auf die Mauer selbst und architektonisch interessante Bauten bieten sich hier ...

... ebenso wie Bezirke, die dem Motto "Schöner Wohnen" völlig neue Dimensionen verleihen. Aber mit einem Staubsauger und ein bisserl Farbe würde das sicher gleich viel netter aussehen.

Unser heutiges Filmchen bietet zum Abschluss noch einen kleinen Einblick in zuvor erwähntes buntes Treiben im Muslimviertel:

Jetzt wird sich dann ein wenig Lernen wohl doch nicht ganz vermeiden lassen - und ich melde mich mit meinem vorletzten Foto-Posting über die Provinz Gansu sobald die Prüfung überstanden ist!

Habidehre ...

Samstag, 18. April 2009

Go West in Pictures - II: Provinz Henan

Nach Bozhou verließ ich die Provinz Anhui mit Ziel Luoyang, in der Provinz Henan. Auf dem Weg wurde die Landschaft allmählich trockener und die ersten Höhlenbehausungen tauchten auf.

Doch sehet selbst:

Hier ein paar richtige Wohnhöhlen, mit hübschen Lehmportalen. Das Spannende am Fotografieren aus dem Zug ist, dass dabei die gesamte Wahrscheinlichkeitstheorie über den Haufen geworfen wird. Es ist IMMER und AUSSCHLIEßLICH dann, wenn man den Auslöser drückt, plötzlich entweder ein Baum oder ein Mast im Weg, wo gerade noch minutenlang freie Bahn war.

Hier ein paar der von mir erwähnten "Hybridbauten": Ziegelhäuser, deren eine Wand durch einen senkrechten Abbruch im Loessboden ersetzt wird.

Dann Luoyang: ein sympathischer Ort mit hübscher Altstadt ...

... und antiker Stadtmauer - des Abends inklusive antiker Beleuchtung!

Auch wenn sich bei der Fahrt durch das ganze Land Vieles verändert - irgendwie bleibt es doch immer China. So zum Beispiel die Vorliebe für kreative Übersetzungen. In diesem Fall ist es mir selbst nach sieben Monaten Interpretationstraining schleierhaft, was das heißen soll. (Tatsächlich bedeuten die drei Schriftzeichen soviel wie: "Ganz frisch eingetroffen")

Apropos Schilder: Manchmal kann man mit der Transkription chinesischer Schriftzeichen einen Bombenspaß haben! Welcher Deutschsprachige würde schon hinter dem Namen des Ladens zur Linken einen "Waldspaziergang", und dahinter wiederum ein Kleidergeschäft vermuten? Auch die Nachbarschaft wurde hier mit viel Gefühl gewählt.

Dann mein Trip zum Shaolin Tempel: Heimat allen Kampfsports. Doch hier wird nicht nur trainiert und gebetet, auch das Shopping ist den Mönchen offensichtlich nicht verboten. (Vielleicht ja eine neue Kutte von "Busen", hihihi.)

Wo man auch geht und steht, in Shaolin wird überall geprügelt. Hier übt man nicht etwa den korrekten Umgang mit chinesischen Klos, nein, es ist die so genannte "Reiterstellung". Heißt wirklich so. Sorry.

Hier der berühmte Eingang zum Tempel - bekannt aus unzähligen, zumeist unfassbar schlechten, Kung Fu Filmen!

Doch Kung hin und Fu her, zuallererst einmal ist Shaolin ein buddhistischer Tempel - Hort der Einkehr und des inneren Friedens. Buddhistische Götter haben ja auch etwas unheimlich Beruhigendes ...

... und falls das nix hilft, gibt's immer noch eine ganze Menge groooßer Räucherstäbchen zur Open-Air-Aromatherapie!

Der Tempel liegt übrigens direkt am Song Shan, einem von Chinas vier heiligen Bergen. Wunderschöne Landschaft dort.

Und mitten drinnen findet man den Pagodenwald - Grabdenkmäler eminenter Mönche aus 1.500 Jahren, größtenteils hervorragend erhalten. Ein erhabener Anblick ...

... der die hiesigen Mönche oftmals zum ... ähm ... spontanen Meditieren anregt.

Den Bai Ma Si (Weißes Pferd Tempel), den ältesten buddhistischen Tempel Chinas, möchte ich hier zumindest mit einem repräsentativen Bildchen verewigen ...

... bevor ich mich in einem wahren Bilderreigen des Weiß-Gott-wievielten-Weltwunders "Longmen Grotten" ergehe. In grandioser Lage am Yi-Fluss, einige Kilometer südlich von Luoyang ...

... hat man in tausendjähriger Kleinarbeit die Felsen ganzer Flussufer durchlöchert ...

... um dortselbst möglichst viele (= über 100.000) buddhistische Bildnisse unterzubringen. Diese gibt es in allen Größen: von wenigen Zentimetern ...

... bis Dutzenden Metern. Sehr beeindruckend das Ganze.

Und wenn wir das letzte Posting schon so nett mit einem Filmchen abgeschlossen haben, wollen wir das nun wieder tun. Sehet, staunet und lernet: Auch in Shaolin fallen Meister nicht unbedingt vom Himmel ...