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Sonntag, 21. Juni 2009

Drei Herren und die Kultur

Wenn eine statistisch relevante Teilmenge der Herrenrunde nach längerer Zeit des Nicht-Sehens in einem fernen Land aufeinander trifft, dann sind höchste interkulturelle Sensibilität, Offenheit für Unbekanntes und grenzenlose Begeisterung für die feineren Dinge des Lebens eine Selbstverständlichkeit. Als die Herren Schausberger und Kurzawa gestern nach einer Woche China-Aufenthalt wieder abreisten, hinterließen sie ein Land, das einfach ein kleines bisschen besser, reicher und schöner war als zuvor. Denn in einzigartiger Weise wussten wir das Positivste aus West und Ost harmonisch zu verbinden.

Schon am Ankunftstag tauchten wir so richtig ein in die chinesische Kultur: 8.30 Uhr morgens am Flughafen - Herr Schausberger, der als erster aus London angereist war, verspeist mit mir im Burgerking einen Whopper, während wir auf die Ankunft der Maschine Herrn Kurzawas aus Moskau warten. Auch das Frühstücksbier im benachbarten Irish Pub mundet vorzüglich - ja, so gut gar, dass wir besagten Herrn Kurzawa leider ein bisschen vergessen. Erst ein wohlmeinender Anruf seinerseits nach erfolgter Ankunft ("Heast, wo seids'n es bitte?!?!") holt uns zurück in die Ankunftshalle, und so können wir - etwas verspätet - mit einem kleinen Tränchen im Auge auch das älteste Mitglied der Herrenrunde in die Arme schließen.

Entsprechend asiatisch geht es in den folgenden Tagen weiter: Sei es ein Wurschtsalat im "Paulaner Bräu", eine Ciabatta im "Café Italia" oder Capuccino im Starbucks - die zwei Herren fürchten keines der kulinarischen Abenteuer dieses Landes!

Doch nicht nur Chinas Küche wird von der Herrenrunde ausgiebig erforscht, nein, auch die Kultur kommt nicht zu kurz: Ob Babyface, G+, Soho, De la Coast oder Windows - kaum ein Nightclub wird ausgelassen, kaum eine Bar von uns verschont.

Angesichts eines so dichten nächtlichen Besichtigungsprogramms könnte der Verdacht sich regen, wir wären des Tags leiser getreten. Weit gefehlt! Mit eiserner Disziplin erheben wir uns täglich frühmorgens um 14 Uhr aus unseren Betten, um erbarmungslosem Sightseeing zu frönen: Der Clothes Market wird aufgesucht (9 Maßhemden, 2 Maßanzüge), Straßenhändlern unser Vertrauen geschenkt (eine echte Rolex um 10 Euro), ausgesuchte Qualitätstechnologie erworben (ein iPhone um 60 Euro) sowie Chinas bekannte Markenware empirisch getestet (4 Paar Nike-Socken um 50 Cent).

Wer würde uns da zu früher Abendstunde ein wenig Entspannung missgönnen? Also lernt die Herrenrunde die Freuden chinesischer Massage kennen (O-Ton Schausberger: "Ab heute lasse ich mich nur noch mit 'Majestät' ansprechen!"), ebenso wie den Full-Service der hiesigen Friseure (Kopf-, Rücken- und Armmassage, Haarwäsche, schneiden und legen bei einem Top-Figaro um 4 Euro) und das gemütliche Nachmittagsschläfchen im Park.

Ich glaube, erstmalig in der Geschichte der Langstreckenflüge haben nicht die Besucher, sondern der Gastgeber einen Jetlag zu verdauen.

Burschen: Schön, dass da warts!

Freitag, 12. Juni 2009

Die Herrenrunde in China

Ich darf Euch heute eine kleine - und im Regelfall ausgesprochen unfeine - Institution vorstellen: die Herrenrunde.

Gut, den meisten brauche ich die wohl nicht mehr vorzustellen, aber ich tu es trotzdem. Wir trafen uns - weniger zufällig als mehr unter dem Zwang der Schulpflicht - in der Unterstufe des Gymnasiums: sechs wunderschöne, hochintelligente und dazu noch erfrischend bescheidene junge Männer, die bald von einem zarten Band der Freundschaft verbunden waren, da eine geschlossene Front gegen die erschreckende weibliche Übermacht in unserer Klasse gefragt war!

Na gut, das war nicht der Grund - aber es klingt irgendwie so herrlich politisch unkorrekt. Der tatsächliche Grund war eher, dass Schausi, Nikerl, DJ, Zech, Karli und ich einen Botzn Koarl miteinander hatten, was bei dermaßen unterschiedlichen Charakteren an sich schon eine Sensation ist.

Um die Sache kurz zu machen: Seit nunmehr fast 20 Jahren(!) treffen wir einander etwa alle ein bis zwei Monate, um gemeinsam fürchterlich viel Spaß zu haben. Letzteres lässt sich einfach nicht vermeiden, wenn wir aufeinander treffen, und darum konnten auch geografische Trennungen (beispielsweise leben momentan Schausi in London, Karli in Deutschland und ich in China), Hochzeiten, Scheidungen, Kinderkriegen und diverse andere Widrigkeiten des täglichen Lebens nichts ändern.

Gut, in letzter Zeit haben wir ein bisschen weniger Karli, weil der in Deutschland lebt, als Arzt arbeitet und zwei Kinder großzuziehen hat; aber den Gesamtrunden-Koarl hat das nicht merkbar reduziert.

Normalerweise treffen wir uns ja am Samstag, 19 Uhr, Stefansplatz. Diesmal haben wir uns zur Abwechslung allerdings für Samstag, 9 Uhr, Flughafen Shanghai entschieden.

Leider darf ich dort morgen - zu meiner großen Bestürzung - leider nur die Herren Schausi und DJ mit betont männlichem Handschlag begrüßen; wir werden uns aber redlich bemühen, auch als schwache 50% in der kommenden Woche mindestens genauso viel Frohsinn, Jux und Tollerei in China zu verbreiten, als wäre die gesamte Runde vollständig versammelt.

Warum ich das schreibe? Damit Ihr Euch nicht wundert, warum man jetzt mindestens eine Woche lang nichts von mir hören wird.

Und um mich zu bedanken, bei zweien meiner besten Hawerer, dass sie tatsächlich bis nach China kommen und somit die längste Anreise auf sich nehmen, die es jemals bei einer Herrenrunde gab.

Alles Walzer! ]:)