Es ist ja so, dass Chinesen gerne reden. Und was so eine richtige Opening Ceremony ist, die will in jedem Fall ordentlich zelebriert sein. Dies wird an der Fudan Universität in Form des stehenden Würdigens der Fudan-Hymne getan ("Fuuudaaaaaaan! Fuuuudaaaaaaaan! Fuuuuuudaaaaaaan") sowie anschließender ebenso instruktiver wie feierlicher Reden.
Man zerspricht mich
Zunächst fand der Dekan zum Worte, dann sprach ein Professorenvertreter. Dann noch ein Professorenvertreter. Gefolgt von einem Studentenvertreter. Und noch einem Studentenvertreter. Dann die Vorständin der Language School. Und ein Officer des Entry-Exit Office. Schließlich noch ein Verkehrspolizist. Dies hat schon mal ein paar Stündchen gedauert, und das an einem Sonntag um 9 Uhr morgens. Und damit das ganze auch ja nicht allzu spannend wird, wurde nach jedem gesprochenen Satz in andere Sprachen übersetzt. Ins Englische, Koreanische und Japanische. Nacheinander. Viel Neues hat man nicht erfahren, und so leerte sich der große Saal noch vor der Ansprache des armen Vertreters der Verkehrspolizei beträchtlich. Ich selbst ging auch, vermute allerdings, dies ist nicht allzu tragisch, denn allzu viel zu den Verkehrsregeln von Shanghai kann er nicht zu sagen gehabt haben. Vielmehr dürfte sich die Rede sinngemäß zusammengefasst in etwa auf folgenden Punkt gebracht haben: "Bitte nicht über Häuser fahren und, wenn möglich, überleben."

Die Eröffnungszeremonie des neuen Semesters ist eine durchaus wortreiche Angelegenheit.
Mein Niveau ist einfach zu hoch
Erstaunt war ich allerdings beim nachfolgenden Agendapunkt, dem gemeinsamen studentischen Überprüfen, welchem Level man zugeteilt wurde, was in Form aushängender Zetteln geschah. Ich hatte meine Prüfer offenbar genug beeindruckt, um Level C zugeteilt zu werden. Vermutlich habe ich als Antwort auf meine Fragen etwas wissender dumm gegrinst als mein Mitbewerb.
Folgerichtig stellte ich nach Abholen meiner Lehrbücher fest, dass ich nicht einmal deren Titel lesen konnte. Glücklicherweise haben wir nun eine Woche Zeit, nach Anhören der ersten Lectures zu entscheiden, uns einem anderen Level zuteilen zu lassen. Ich werde mich wohl auf Level B versetzen lassen, denn ebenso in Level C findet sich Saitavius, der seit zehn Jahren Chinesisch lernt und dementsprechend säuerlich reagierte, mich selbststudiertes Würmchen in seiner Gruppe zu finden.
Morgen beginnen meine Kurse - um sanft in den Tag zu gleiten gleich einmal mit einem Block aus sechs Stunden "Kouyu", "Jingdu" und "Tingli". Ich glaube, das heißt "Mündliche Sprache", "Leseverständnis" und "Hörverständnis". Aber ich bin nicht ganz sicher. Macht aber nix, denn ich liebe Überraschungen. Man muss nämlich wissen, dass selbst der Stundenplan für die absoluten Anfänger des Levels A selbstverständlich ausschließlich auf Chinesisch verfasst ist.
Der Stundenplan ist ausgesprochen informativ. Wenn man schon Chinesisch kann.
Ich bin gespannt, wie diese meine Probewoche verläuft. Da aber das Primär-Ziel meines China-Jahres keineswegs darin besteht, mich an den Rand des Selbstmords treiben zu lassen, sondern vielmehr das Land in allen seinen Facetten zu erleben (Frühlingsrollen, Buddhistische Fastenspeise, etc. ... ich erwähnte es schon), argwöhne ich, dass ich bis Ende der Woche auf Level B umsatteln werde.
Shop til I dropAch ja, gestern war ich mit Linlin, Anna und Irene Gewand einkaufen. (Engl.: "We are going to town. Do you want to join us?") Fünf Stunden lang. Dabei wurde seitens der Damen ein Preis von 3 Euro für eine Seidenbluse als zu teuer eingestuft und auf 2,50 Euro heruntergehandelt.
Außerdem verfärbte sich die Gesichtsfarbe zweier meiner drei Begleiterinnen bei einer Fahrt in einem der gemütlichen, kaum überfüllten Busse der Shanghaier Verkehrsbetriebe innerhalb erstaunlich kurzer Zeit von rosig-gesund in grünlich-übel. Ich selbst erstand eine Mao-Umhängetasche. Man weiß ja, was man Herrn Schausberger schuldig ist.

Irene, Linlin und Anna sehen nur harmlos aus. Wehe, wenn sie auf Gewandgeschäfte stoßen.