- Schreiben: 85%
- Sprechen: 93%
- Hören: 95%
- vertiefendes Lesen: 98%
- vertiefendes Schreiben & Grammatik: 94%
Bei aller Bescheidenheit: Yeah!
Die größte Überraschung war dabei unser Hauptfach: vertiefendes Schreiben & Grammatik. Hier befürchtete ich schon das Durchfallen, erfuhr aber heute, dass ich das klassenbeste Ergebnis eingefahren hätte. Ich gestehe: Darauf bin ich wirklich stolz. Nicht nur bedeutet es mir persönlich sehr viel - vor allem brachte es mir auch Lob von unserer Oberlehrerin, Frau Tan, ein.
Und das heißt was.
Denn diese Frau ist ein Hammer. Als oberste verantwortliche Professorin für die Sprachlehrgänge für Ausländer ist sie nämlich vom heiligen Ehrgeiz getrieben, ihre Klasse zur besten zu machen - koste es was es wolle.
Und was es normalerweise kostet, ist die Seele ihrer Studenten.
Drastischer Initial-Europäerschwund
Wir Sprecher europäischer Sprachen haben gegenüber Angehörigen des ostasiatischen Kulturkreises ja gewisse Nachteile im Erlernen des Chinesischen; sei es weil wir (im Gegensatz zu Japanern und Koreanern) die Schriftzeichen nicht gewohnt sind, oder auch nicht (wie Auslandschinesen, Thailänder oder Vietnamesen) über grundlegende Erfahrung mit einer tonalen Sprache verfügen. Nicht zuletzt deswegen gehören wir Westler in den Sprachklassen zumeist nicht zu den Besten.
So richtig vor Augen geführt wurde uns dieser Umstand in der ersten Woche mit Klassenvorstand Tan, innerhalb derer sie durch hocheffiziente Kritik den Europäer-Anteil unserer Klasse rapide auf nunmehr 3 : 25 absenkte. Dafür ist unsere Gruppe jetzt - wie sie oft betont - die beste von allen fünf Klassen des gleichen Levels.
Erfrischende Offenheit
Lehrerin Tan ist eine Frau von hinterhältigem Humor - und jener typisch chinesischen Offenheit, für die ich dieses Land so liebe. Ich selbst bekam zu hören, meine Schriftzeichen wären die hässlichsten, die sie je gesehen hätte; was aber wiederum nur konsequent ist, denn ich selbst wäre auch nicht besonders gutaussehend. Eine eigentlich ausgesprochen ansehnliche Klassenkollegin wurde von ihr hingegen mit großer Begeisterung und vor der ganzen Klasse als Beispiel für die Verwendung der schönen Vokabel "dick" herangezogen, ein japanischer Kommilitone musste als Anschauungsobjekt für das grammatikalische Konstrukt "... sogar noch kleiner als ..." herhalten. Nach mäßiger Leistung bei den Hausaufgaben schließlich darf man ebenso wohlmeinende wie ausführliche öffentliche Analysen über sich ergehen lassen, warum man um so viel schlechter sei als dieser oder jener Kollege. Dies ist besonders effizient, weil gleichermaßen peinlich für den Getadelten wie den indirekt Gelobten.
Grammatikalischer Tod, tödliches Lob
Wenn wir schon bei Peinlichkeiten sind: Lehrerin Tan ist auch ein großer Fan kontroversieller Diskussionen, an denen besonders unsere an einen traditionell höflichen Umgangston gewöhnten japanischen Klassenkollegen ihre helle Freude haben. So richtete sie beispielsweise letzte Woche die Frage an individuelle Studenten, was wir denn über Mao Tse Tung dächten. Allgemeines Herumgedruckse unsererseits, glänzend amüsiertes Grinsen ob unseres sichtlich peinlich berührten Schweigens ihrerseits. Endlich findet sich ein Kollege, der der Meinung Ausdruck verleiht, Herr Mao wäre kein guter Mann, weil er sehr viele Menschen getötet hätte.
Daraufhin verschmitztes Grinsen seitens unserer Lehrkraft - direkt gefolgt von einem längeren Vortrag über die grammatikalische Verwendung des Wortes "jemanden töten/umbringen".
Und von dieser Frau erhielt ich heute Lob: "Also, wenn es sogar unser Westler hier schafft, so eine tolle Note zu schreiben, dann könnt ihr Japaner und Auslandschinesen euch aber schön genieren!"
Raue Schale, weicher Kern
Ich gestehe: Ich mag die Frau. Man weiß stets, woran man ist, und wenn man sich erst einmal an offene Kritik (gefolgt von dröhnendem Gelächter) gewöhnt hat, kann man es durchaus auch mit gleicher Münze zurückzahlen, was ein großer Spaß und ausgesprochen erfrischend ist. Außerdem ist die Dame sehr kompetent und wich eine ganze Nacht lang nicht von der Seite des Spitalbettes eines amerikanischen Mitstudenten, dessen Blinddarm überraschend entfernt werden musste.
So darf ich zum Abschluss zur allgemeinen Weiterbildung noch einen kleinen, filmischen Einblick in meinen täglichen Unterricht bieten und präsentiere: Lehrerin Tan in Action!
