Samstag, 22. November 2008
"热闹" (Renao) - Das Wandern ist des Chinesen Lust
Wie an anderer Stelle bereits angemerkt, gibt es im Chinesischen ja sogar ein positives und ein negatives Wort für "Lärm" (热闹 bzw. 吵).
Das Schöne am Huangshan ist ja, dass wir es dort mit wunderbarer Natur und - zur Abwechslung einmal - herrlicher Stille zu tun haben. Hätten. Denn sehen Sie selbst, verhörte Zuehrer, wie es denn so ist, wenn man unversehens auf eine fröhliche Gruppe chinesischer Wandersleut' trifft ...
Montag, 10. November 2008
Huangshan - 13 Stunden zum Gelben Berg
Da gibt es einmal den Schnellbus. Er ist die billigste Variante und benötigt etwa sechs Stunden für eine Strecke, die grob jener von Wien nach München entspricht.
Dann gibt es den Schnellzug. Er ist natürlich teurer, braucht aber auch nur fünf Stunden.
Und dann wäre da noch die Heckenbrunzer-Variante: Dabei plagt sich eine freundliche Töff-Töff-Lok über Nacht geschlagene 13 Stunden lang dem Ziel entgegen, hält bei allem, was auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Haus hat, und ist dabei sogar noch etwas teurer als der Bus. Wahre Freunde der gepflegten Qual verschärfen diese noch durch den Kauf einer "Hard Seater" Fahrkarte; diese stellt sicher, dass die 13 Stunden eingezwickt auf engstem Raum und härtesten Sesseln eine möglichst große Herausforderung an sämtliche Gelenke und Sitzmuskeln darstellen. (Denn ein Schlafabteil mieten kann ja nun wirklich jeder.)
Annäherung an den Berg
Der erste Tag: Lokale Dihydrogeniumoxid-Gravitationsphänomene
Der zweite Tag: I muaß auffi!
Se Trip in Piktschers



... ebenso wie große. Der hier ist mit 120 Metern Höhe immerhin der neuntgrößte in China.
Auf den Wanderungen in dieser Gegend trifft man häufig auf Unerwartetes: freundliche, zehn Zentimeter lange Spinnen ...

... und offenbar massiv Diebstahl-gefährdete Brücken.

Ist aber eh vernünftig, die Brücken gut zu sichern. Sind nämlich ziemlich hübsch.

Wunderschönes Wetter lädt am Sonntag zur Besteigung eines der Hauptgipfel ein. Die tieferliegenden Regionen sind von riesigen Bambuswäldern bedeckt. In diese Megagrashalme ritzen Chinesen gerne ihre Namen ein.

Mit zunehmender Höhe verändert sich die Vegetation. Pappeln dominieren - und nutzen dabei jeden möglichen und unmöglichen Platz.

Noch weiter oben verliert man jeden Respekt vor den alten chinesischen Künstlern: Die Schweine haben einfach abgemalt, was sie gesehen haben!

Aber schön ist das schon ...

Oben angekommen, ist man konditionell ein wenig angeschlagen. Dabei gibt's kaum Pause - schließlich sollte man den Zug tunlichst nicht versäumen, der wenige Stunden später eine Wanderung sowie zwei Busfahrten entfernt losfahren würde.

Andererseits müssen wir wenigstens nur uns selbst schleppen. Dutzende Träger hingegen befördern den ganzen Tag lang Bier und Vorräte auf den Berg - und Schmutzwäsche sowie Abfall wieder hinunter.
Unerwartete Sehenswürdigkeit: der Schilderwald
Ja, ich traf wieder auf ganz viele Schilder von ungeahnter Attraktivität! Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen:

Da gab es beispielsweise die üblichen semantischen Meisterleistungen ...

... von manchmal durchaus undurchschaubarer Mystik ("Please do not jumps a hurdle"? Hier? Auf dem Berg?)

Dann solche von großer poetisch-philosophischer Schönheit ...

... wirkungslose ...

... mysteriöse ...
(Wir haben uns bemüht, die Aussicht möglichst nicht zu genießen - und wann immer wir auf Affen trafen, wurde auf ausschließlich nicht-kulinarische Weise geflirtet!)

... aber auch solche, die Aufschluss über die chinesische Mentalität geben. Diese ist offenbar von hohem hygienischem Niveau ...

... zumindest manchmal.
Freitag, 3. Oktober 2008
Die alte Hauptstadt: Nanjing

v.l.n.r.: Buddha, ich, Max, Irene, Nick und ein Mistkübel.

Nach erfolgreichem Einchecken in unsere Residenz mit dem selbstreflexiven Namen "I am Hostel", besuchten wir am Folgetag als erstes den "Jin Shan", einen Berg gleich außerhalb von Nanjing, der viele Sehenswürdigkeiten beherbergt. Wir erklommen ihn mittels Sessellift.






Wenn man an der Südseite des Jin Shan hinunterkraxelt, stößt man übrigens auf einen wunderschönen Ming-Tempel, in dem unter anderem Stelen mit Kalligraphien alter Meister aufgestellt sind.
Im gleichen Gebiet erreicht man nach gröberem Gehatsche einen riesige Grabkomplex für den ersten Kaiser der Ming-Dynastie. Ein sehr stimmungsvolles Gebiet mit Prozessionswegen inklusive Steinstatuen, Tempelanlagen, Gärten und zum Glück auch Toiletten, die uns zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen attraktiv erschienen. Auch wenn es sich um die landesüblichen Schranzhocke-Modelle zur Stärkung der Oberschenkelmuskulatur handelt. 


Doch nicht nur Antiquitäten gab es, der Markt umfasste eine ganze Menge Geschäfte, in denen es unter anderem Tiere zu kaufen gab. Wie beispielsweise diese recht neugierige Fischgruppe, deren riesiges Aquarium eine Ecke zu bieten hatte, die offenbar fürs Fischgemüt besonders attraktiv erscheint.

Der letzte Tag begann mit der üblichen Frühstück-Nudelsuppe in einer der ebenso grindigen wie hervorragenden Garküchen.
Auf dem Weg zum Jangtsekiang, der in Nanjing von der längsten Brücke Chinas überspannt wird, konnte ich endlich einmal ein Foto einer der ärmeren Wohngegenden machen, wie es sie auch in Shanghai, mitten zwischen den Wolkenkratzern, gibt.
Die Brücke selbst - eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Kommunisten - war dann wirklich sehenswert.
Ebenso eindrucksvoll war übrigens unser Tagesablauf. Drei Tage hintereinander erhoben wir uns um 6 Uhr morgens aus den Betten. Ich glaube nicht, dass ich das in meinem Leben jemals zuvor freiwillig gemacht habe, aber Irene zeigte sich diesbezüglich unerbittlich und trieb uns zu dieser unmenschlichen Zeit aus unseren Stockbetten. Dementsprechend lang waren dann auch die Tage, und dementsprechend müde waren wir. Besonders faszinierte mich hierbei Max, der sich als absoluter Meister des Sekundenschlafes entpuppte.
Kaum ließ man unser ruhigen Mann aus South Dakota auch nur wenige Sekunden aus den Augen, fiel dieser in spontanen Tiefschlaf - egal, wo er gerade war ...

... vor einem Blumenbeet ...

... auf Statuen ...

... Märkten ...

... in Tiergeschäften und - sein absolutes Meisterstück - :

Im Stehen mitten auf einer Autobahnbrücke.


