Was macht Klein-Clemi allein im großen China eigentlich zu Weihnachten?
Diese Frage begann mich anlässlich meiner ersten Adventzeit ohne jeden Weihnachtskitsch, Punsch oder lebensgefährliche Einkaufssamstage auf der Mariahilferstraße jüngst heftig zu bewegen; denn schließlich wird hierzulande Weihnachten überhaupt nicht gefeiert - und viele meiner hiesigen Bekannten werden während der Ferien nicht in Shanghai sein. Daher beschloss ich kurzerhand, einfach auch nicht da zu sein. Also - schon in China, aber eben nicht in Shanghai. Wird eh Zeit für meine erste größere Reise.
Doch wohin soll ich mich wenden?
Eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage, denn die Sache mit China ist ja die, dass wir es hier mit ganz schön viel Land für ziemlich wenig Clemens zu tun haben, also will reiflich überlegt sein, wie wir letztgenannten am effizientesten auf erstgenanntes verteilen, um ... ähm ... na, jedenfalls wo ich hinfahren soll.
Ich ließ also nonchalant die Augen über meine ebenso groß -e wie -artige Chinakarte schweifen, in der Hand den Lonely-Planet-Reiseführer (hierzulande angeblich verboten) und traf eine Entscheidung: "Guangxi" heißt eine große Provinz ganz unten im Süden. Es ist eine autonome Region für die Minderheit der "Zhuang" - und überhaupt macht ein buntes Gemisch an Minderheiten über 75% der dortigen Einwohner aus; die Han-Chinesen sind also in der Minderzahl.
Da wäre es doch eine gute Idee, dieses bunte Ethno-Gemisch um eine weitere Minderheit zu bereichern: mich selbst. Ich bin ja wirklich ausgesprochen selten - und eigentlich vom Aussterben bedroht, da es von mir ja nur noch ein Exemplar gibt. Folglich fühle ich mich an einem solchen Hort der Vielfalt schon mal a priori sehr wohl.
Ganz Guangxi ist schön. Ganz Guangxi? Nein ...
Dazu kommt noch, dass Guangxi die großartigsten Sehenswürdigkeiten beherbergt: Die weltberühmten Karstberge von Guilin, die Felszeichnungen von Zuojiang, den Detian-Wasserfall an der Grenze zu Vietnam, Chinas schönste Strände sowie unzählige Naturwunder und antike Siedlungen. Ja, eigentlich gibt es nur einen Ort in Guangxi, wo sich laut Reiseführer der Aufenthalt nicht wirklich lohnt: die Hauptstadt Nanning.
Nun ...
Jaaaaa, ich weiß schon, das ist vielleicht ein bisschen dämlich - aber wenn ich die Worte "... kann der Reisende getrost auslassen ..." in einem Reiseführer sehe, zieht es mich einfach magisch an diesen Ort.
Und so bin ich seit heute stolzer Besitzer eines Flugtickets nach Nanning. Die ersten drei Nächte der kurzen Weihnachtsferien werde ich in dieser 1,3-Millionen-Einwohner-Stadt verbringen - in einem ebenso bereits vorgebuchten Hostel - und mich vermutlich unfassbar langweilen, weil's dort nix zu sehen gibt.
Die übrigen vier Nächte habe ich allerdings freigelassen; da möchte ich vor Ort reisen wohin auch immer der Wind (oder der letzte mögliche Zug) mich trägt. Dabei muss ich allerdings sehr acht geben, dass ich nicht versehentlich einen der wirklich schönen Orte in Guangxi streife; denn derer gibt es offensichtlich zahllose, und kaum dreht man sich um, sieht man womöglich etwas ganz Tolles. Und das wollen wir doch alle nicht, denn wie langweilig wäre dieses Blog, wenn ich dauernd nur von irgendwelchen "schönen Stränden", "tollen Museen" oder "großartigen architektonischen Wunderwerken" berichtete.
Eigenlob hat Gold im Mund
So, und jetzt ist meine natürliche Bescheidenheit am Ende ihrer Belastungsfähigkeit, und ich muss es einfach verkünden: Ich habe die gesamte Organisation und Buchung dieses Urlaubes in einem kleinen, lokalen Reisebüro vollkommen auf Chinesisch und ohne jede Hilfe vorgenommen! Zwar bestanden etwa 50% des Gesprächs mehr aus Educated Guesses als sonst etwas, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich meine erste komplexe Operation - und im Zuge dessen sogar mein erstes Telefonat - auf Chinesisch vorgenommen habe! Darauf bin ich natürlich mächtig stolz.
Zurecht fragt sich nun wohl aber auch jeder, der mich kennt, wo ich zu Weihnachten tatsächlich landen werde.
Die Reise beginnt standesgemäß am Abend des 24. und endet (hoffentlich) am Abend des 31. Dezember. Sollte sich also am 1. Jänner an dieser Stelle ein Posting des Titels "Mein Überraschungsaufenthalt in Kasachstan" finden, dann wissen wir sofort: "Aha! Die Fähigkeiten zur Abwicklung komplexer Organisation in der Landessprache wurden maßlos überschätzt."
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Donnerstag, 20. November 2008
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