Es ist ja im Leben nie immer alles nur lustig, und so begab es sich, dass wir heute erfuhren, wir hätten in zwei Wochen die große Abschlussprüfung für das Level B. Danach steigen wir ins nächset Level auf - oder eben nicht. Diese Prüfung dauert drei Tage lang und besteht aus mehreren Teilen, die die verschiedenen Aspekte der Sprachbeherrschung abtesten. Die nächste solche Prüfung folgt dann Mitte Jänner.
Das Spannende daran: Noch einen Tag vor der Prüfung wird neuer Stoff gelehrt, denn es stehen noch sechs Kapitel im Lehrbuch an.
Was ich als naiver Europäer nun nicht verstehe ist: Wann genau soll man dann für die Prüfung lernen? Natürlich lerne ich ständig brav mit, was täglich im Schnitt vier Stunden in Anspruch nimmt, und so falle ich des Abends eben auch meistens müde aber glücklich ins Bett. Doch mein momentaner Arbeitsaufwand reicht gerade aus, um den jeweils neu durchgenommenen Stoff einmal gründlich durchzugehen sowie die Hausübungen zu machen und den nächsten Tag vorzubereiten. Wann genau ich die bisher gelernten 300 neuen Zeichen, 600 Vokabel und 200 Seiten Grammatik wiederholen, kritisch hinterfragen und üben soll, ist mir ein bisschen schleierhaft.
Natürlich wird das schon irgendwie gehen ... aber meine ursprünglichen Reisepläne müssen angesichts dessen wohl ziemlich adaptiert werden. Ein bisschen weniger Stoff wäre schön ... aber ich denke, wenn man schon nach China geht, dann muss man sich eben auch den chinesischen Lerngewohnheiten anpassen. Urlaub ist das jedenfalls keiner.
Das sei nur zum Trost all jenen gesagt, die angesichts meiner vergangenen so enthusiastischen Posts denken, ich mache mir hier einen Lenz ;-). Und es soll auch als Erklärung dafür dienen, falls ich online in nächster Zeit nicht mehr ganz so präsent bin wie bisher. Bin wieder busy.
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Dienstag, 14. Oktober 2008
Dienstag, 2. September 2008
Let's B a C
Die meisten Menschen entwickeln sich im Laufe ihres Lebens weiter. Ich fröne der Regression. Tatsächlich ist es nämlich so, dass ich heute, nach 7 Jahren in der Arbeitswelt, wieder eine Prüfung an der Uni gemacht habe. Es war mein Einstufungstest.
Man stuft mich
Man hat mich ja bereits bei der Registrierung als Anfänger durchschaut, trotz unglaublicher sprachlicher Leistungen meinerseits. Dies geschah im Rahmen des ungefähr folgendermaßen abgelaufenen Dialoges:
Beteiligte Personen: Chinesischer Prüfer (A), Ich (B)
Ungefähre Dauer: 30 Sekunden
A: [Sagt etwas sehr schnell in einer sehr lustig klingenden Sprache.]
B: [Schaut verblüfft.]
A: [Sagt noch etwas in der lustigen Sprache, diesmal etwas verunsichert.]
B: [Lächelt dümmlich.]
A: [Nun klingt die lustige Sprache ein bissi grantig.]
B: [Formt ein Fragezeichen über seinem Kopf.]
A: Do you know Pinyin?
B: Yes.
... und damit war ich auch schon feierlich in die Gruppe "Beginners Level" aufgenommen.
Anfänger - aber wie?
Als nächstes ging es darum, herauszufinden, ob ich Anfänger der Klasse blutig (Level A), medium (Level B) oder well-done (Level C) wäre. Der Test bestand dabei aus einem schriftlichen Teil mit etwa 100 Fragen - von Lückentexten über Multiple Choice, Lesetexte bis zu grammatikalischen Dingen - und einem mündlichen Kurzinterview auf Chinesisch.
Schriftlich landete ich gefühlsmäßig auf Level B. Mündlich überraschte ich mich selbst damit, dass tatsächlich ein kleines Gespräch mit meinem Prüfer stattfand. Dies ist umso bemerkenswerter, als das um 8 Uhr früh geschah - einer Zeit, zu der ich üblicherweise schlafen gehe und unter normalen Umständen nicht einmal zu einer halbwegs intelligenten deutschen Unterhaltung fähig bin. Doch wurde ich hiebei als Level C eingestuft.
Insgesamt werde ich damit vermutlich auf Level B landen, also der zweiten von neun möglichen Niveaustufen. So habe ich mir das auch in etwa vorgestellt, und insoferne war dies ein erfolgreicher Tag. Ob er jedoch in die Hall-of-Fame der produktivsten Tage meines Lebens aufgenommen werden kann, wird sich nun bald entscheiden, wenn ich versuchen werde, den Waschautomaten in unserem Dorm in Betrieb zu nehmen.
So sieht das Answer Sheet für den Anfänger-Test aus. Ein bissl Chinesisch zu können hilft da durchaus.
Intelligenzkriterium Waschküche
Bei meinem später am Tag stattfinden werdenden Waschversuch gibt es prinzipiell zwei mögliche Ergebnisse: Entweder ich werde in Kürze wieder über viele saubere Kleidungsstücke verfügen - oder über gar keine mehr, sollte ich sie beim Waschversuch versehentlich vernichten. Das ist aber dann insoferne nicht so schlimm, als ich gestern bemerkte, dass Gewand hier wirklich billig ist. So kostet beispielsweise ein Paar Qualitätsschuhe etwa 5 Euro. Ich könnte die Dinger also immer einfach wegschmeißen, wenn sie dreckig werden - putzen ist ohnehin nicht so meins, und zusätzlich schaffe ich Arbeitsplätze für den chinesischen Markt.
Urleiwand
Ja, dieses schöne Wort hörte ich aus dem Mund dreier scheinbarer Chinesen, die hinter mir in der Schlange standen, als ich mich zur Vergabe meines Student IDs anstellte (wieder einmal falsch übrigens). Es waren dies drei Sino-Wiener, und damit die ersten Österreicher, die ich hier zufällig getroffen habe. Ebenso traf ich eine deutsche Mitstudentin namens Veronika; es erheben sich bei mir also langsam leise Zweifel, ob ich hier überhaupt Chinesisch reden werde. Meine bisherigen Bekanntschaften hier inkludieren mit Charlotte (Australien), Anna, Irene, Nic und Wayne (USA) sowie Cormick (Irland) sechs englischsprachige sowie mit Linlin eine italienischsprachige Bekanntschaft. Dann gibt es da noch meinen österreichischen Kontakt Ulli, eine Sinologin von geradezu deprimierend fließenden Chinesischkenntnissen, ohne die ich hier ohnehin völlig aufgeschmissen gewesen wäre, sowie deren Freunde Steffi, Philipp und Benjamin, auch alle ihres Zeichens Österreicher.
Wären da nicht mit YiRan, Jing und GuangMing auch ein paar Chinesen in meinem neuen Bekanntenkreis, würde ich vermutlich mit akzentfreiem Deutsch und Englisch heimkommen, aber immer noch keine Ahnung von Chinesisch haben. Aber in jedem Fall ist es faszinierend, mit welchem Tempo selbst ein eher zurückgezogener Mensch wie ich hier neue Bekanntschaften sammelt. Vermutlich muss ich mich jetzt also damit beschäftigen, wie man sich in Gesellschaft anständig benimmt. Ist ja ekelhaft.
Man stuft mich
Man hat mich ja bereits bei der Registrierung als Anfänger durchschaut, trotz unglaublicher sprachlicher Leistungen meinerseits. Dies geschah im Rahmen des ungefähr folgendermaßen abgelaufenen Dialoges:
Beteiligte Personen: Chinesischer Prüfer (A), Ich (B)
Ungefähre Dauer: 30 Sekunden
A: [Sagt etwas sehr schnell in einer sehr lustig klingenden Sprache.]
B: [Schaut verblüfft.]
A: [Sagt noch etwas in der lustigen Sprache, diesmal etwas verunsichert.]
B: [Lächelt dümmlich.]
A: [Nun klingt die lustige Sprache ein bissi grantig.]
B: [Formt ein Fragezeichen über seinem Kopf.]
A: Do you know Pinyin?
B: Yes.
... und damit war ich auch schon feierlich in die Gruppe "Beginners Level" aufgenommen.
Anfänger - aber wie?
Als nächstes ging es darum, herauszufinden, ob ich Anfänger der Klasse blutig (Level A), medium (Level B) oder well-done (Level C) wäre. Der Test bestand dabei aus einem schriftlichen Teil mit etwa 100 Fragen - von Lückentexten über Multiple Choice, Lesetexte bis zu grammatikalischen Dingen - und einem mündlichen Kurzinterview auf Chinesisch.
Schriftlich landete ich gefühlsmäßig auf Level B. Mündlich überraschte ich mich selbst damit, dass tatsächlich ein kleines Gespräch mit meinem Prüfer stattfand. Dies ist umso bemerkenswerter, als das um 8 Uhr früh geschah - einer Zeit, zu der ich üblicherweise schlafen gehe und unter normalen Umständen nicht einmal zu einer halbwegs intelligenten deutschen Unterhaltung fähig bin. Doch wurde ich hiebei als Level C eingestuft.
Insgesamt werde ich damit vermutlich auf Level B landen, also der zweiten von neun möglichen Niveaustufen. So habe ich mir das auch in etwa vorgestellt, und insoferne war dies ein erfolgreicher Tag. Ob er jedoch in die Hall-of-Fame der produktivsten Tage meines Lebens aufgenommen werden kann, wird sich nun bald entscheiden, wenn ich versuchen werde, den Waschautomaten in unserem Dorm in Betrieb zu nehmen.
So sieht das Answer Sheet für den Anfänger-Test aus. Ein bissl Chinesisch zu können hilft da durchaus.Intelligenzkriterium Waschküche
Bei meinem später am Tag stattfinden werdenden Waschversuch gibt es prinzipiell zwei mögliche Ergebnisse: Entweder ich werde in Kürze wieder über viele saubere Kleidungsstücke verfügen - oder über gar keine mehr, sollte ich sie beim Waschversuch versehentlich vernichten. Das ist aber dann insoferne nicht so schlimm, als ich gestern bemerkte, dass Gewand hier wirklich billig ist. So kostet beispielsweise ein Paar Qualitätsschuhe etwa 5 Euro. Ich könnte die Dinger also immer einfach wegschmeißen, wenn sie dreckig werden - putzen ist ohnehin nicht so meins, und zusätzlich schaffe ich Arbeitsplätze für den chinesischen Markt.
Urleiwand
Ja, dieses schöne Wort hörte ich aus dem Mund dreier scheinbarer Chinesen, die hinter mir in der Schlange standen, als ich mich zur Vergabe meines Student IDs anstellte (wieder einmal falsch übrigens). Es waren dies drei Sino-Wiener, und damit die ersten Österreicher, die ich hier zufällig getroffen habe. Ebenso traf ich eine deutsche Mitstudentin namens Veronika; es erheben sich bei mir also langsam leise Zweifel, ob ich hier überhaupt Chinesisch reden werde. Meine bisherigen Bekanntschaften hier inkludieren mit Charlotte (Australien), Anna, Irene, Nic und Wayne (USA) sowie Cormick (Irland) sechs englischsprachige sowie mit Linlin eine italienischsprachige Bekanntschaft. Dann gibt es da noch meinen österreichischen Kontakt Ulli, eine Sinologin von geradezu deprimierend fließenden Chinesischkenntnissen, ohne die ich hier ohnehin völlig aufgeschmissen gewesen wäre, sowie deren Freunde Steffi, Philipp und Benjamin, auch alle ihres Zeichens Österreicher.
Wären da nicht mit YiRan, Jing und GuangMing auch ein paar Chinesen in meinem neuen Bekanntenkreis, würde ich vermutlich mit akzentfreiem Deutsch und Englisch heimkommen, aber immer noch keine Ahnung von Chinesisch haben. Aber in jedem Fall ist es faszinierend, mit welchem Tempo selbst ein eher zurückgezogener Mensch wie ich hier neue Bekanntschaften sammelt. Vermutlich muss ich mich jetzt also damit beschäftigen, wie man sich in Gesellschaft anständig benimmt. Ist ja ekelhaft.
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