Meine lieben Bekannten und Unbekannten da draußen,
hier geht's mittlerweile rund: Mein Auszug aus dem Studentenheim am 2. Juli wird vorbereitet - Dinge verschenkt, verkauft, verschrottet, verpackt - meine kleine Abschlussreise gen Norden, gemeinsam mit der gerade aus Korea zurückgekehrten Linan, wird organisiert, für die große Abschlussprüfung wird gelernt und dazu noch viele Abschiede von Klassenkameraden und Freunden gefeiert - mit ziemlicher Sicherheit endgültige Abschiede.
Angesichts dessen ist es für mich nur logisch, dass auch das Blog hier endet. Das hat praktische Gründe - wie beispielsweise verminderten Netzzugang und unglaubliches Beschäftigt-Sein - aber auch dramaturgische (es würde bis zur endgültigen Abreise nur noch so dahintranen) und psychologische (ich verspüre kein großes Bedürfnis, mich über Rückreise-Vorbereitungen auszulassen).
Ich habe darüber nachgedacht, wie dieses letzte Posting aussehen könnte, wie ich es kreativ und/oder witzig gestalten, mit einer grandiosen Schlussfanfare aus diesem Blog-Leben scheiden könnte. Mein Resümé: Wir machen das weder kreativ noch witzig. Dieses Blog ist wie mein Leben hier: Die Höhepunkte sind verstreut, kontinuerlich, die Klimax unberechenbar. Daher ist dieses Posting nur ein einfacher Abschied.
Einerseits von meinem Leben als Student in China: Mit Sicherheit die faszinierendste, wahrscheinlich sogar die schönste Zeit meines Lebens, in der ich unglaublich viel gelernt habe - über China, über Europa, über Menschen, über Kultur, über das Reisen - und unvermeidlich auch über mich selbst. (An dieser Stelle sich jetzt bitte eine kurze, ebenso witzige wie geistreiche Zusammenfassung all der großartigen Unternehmungen und schrägen Erlebnisse des letzten Jahres vorzustellen. Würde total gut passen, wäre irgendwie ergreifend - ist aber leider fürchterlich nervig zu schreiben. Außerdem bin ich hungrig.)
Andererseits verabschiede ich mich von diesem Blog, das ein wunderbares Hobby war und gleichzeitig Dokumentation wesentlicher Eckpunkte meines Aufenthalts in China (sowie eines Tags in Uruguay), und das mich überraschenderweise sogar dazu motiviert hat, auch Dinge zu tun, die ich sonst nicht getan hätte, um danach Neues berichten zu können.
Schließlich ist es auch ein Abschied von Euch da draußen. Naja ... nicht wirklich, wie ich hoffe, aber zumindest ein Abschied von Euch als LeserInnen. Es hat mich ehrlich gefreut - und noch mehr überrascht - wie viele Menschen dieses in Wahrheit recht unraffiniert hingefetzte, völlig subjektive und oft genug auch wenig informative Geschreibsel gelesen haben - und auf welch positive, witzige und inspirierende Weise kommentiert wurde. Das hat mir auch das Gefühl gegeben, die wichtigste Erfahrung meines Lebens aktiv mit meinen Freunden - alt und neu - teilen zu können.
Taten sagen ja bekanntlich deutlich mehr als Worte. Durch Eure aktive Teilnahme an diesem meinem Blog, habt ihr sehr viel gesagt (ob's wollts oder net). Dafür - und das ist der Hauptgrund für dieses salbungsvolle Abschiedsposting - danke ich Euch von Herzen.
Liebe Grüße aus Shanghai, machts es gut, passts auf Euch auf, schauts links und rechts bevors über die Straße gehts - und auf Wiedersehen ... ich bleib noch ein Monat ];).
Clemi
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Freitag, 26. Juni 2009
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